Lucy weint

Lebe Leser,

wieder ist ein Schuljahr zuende gegangen. Erleichterung und Freude mischen sich. Es gab Momente, die mich hätten zynisch stimmen können, es aber nicht getan haben, weil ich mir im letzten Schuljahr ein dickes Fell zugelegt habe. Aber es gab auch die richtig guten Momente, die mich stolz machen, die mir Kraft geben. So ist das Leben nun einmal.

Lucy kommt mit einem strahlenden Zeugnis und strahlendem Lächeln auf den Schulparkplatz. Der einzige Schattenfleck ist die Mathenote, da aber alles andere so leuchtet, spielt sie keine Rolle. Es war ein erfolgreiches Jahr. Lucy hat Freundinnen, gute Noten und wird langsam, aber sicher erwachsener.

Im Auto erzähle ich ihr endlich, dass ich die Schule wechseln werde. Sie soll es erfahren, damit sie sich darauf einstellen kann. Plötzlich weint Lucy.

Das hätte ich nicht erwartet: meine Lucy! Das Kind, was von Natur aus ein dickes Fell hat, das selbst bei Papa Henners lautem Geschimpfe, wenn mal was gar nicht klappt, nur amüsiert mit den Augen rollt, dieses Kind weint.

Es rührt mich, denn es ist der klare Beweis, dass es für Lucy doch kein Problem war, ein Lehrerkind zu sein. Lucy gesteht mir, dass sie stolz auf mich war, weil ich von ihren Mitschülern akzeptiert wurde, weil die mich nett fanden, weil es eigentlich voll in Ordnung war, dass wir beide an der gleichen Schule waren…

Wir nehmen uns im Vorgarten lange in den Arm, reden und reden und dann hört Lucy auf mit dem Weinen.

„Aber ein Jahr haben wir noch zusammen?“, fragt sie.

Ja, ein Jahr werden wir noch zusammen haben, Lucy, dann wirst du sowieso flügge. Danke Lucy, du machst mir mit deiner Ehrlichkeit das schönste Geschenk zur Schuljahresabschluss. Ich glaube, ich habe mich noch nie so über die Tränen meiner Tochter gefreut. Lucy wird mit der neuen Situation sicher gut zurecht kommen, sie ist ein taffes Mädchen geworden. Aber jetzt freuen wir uns erst einmal auf unser letztes gemeinsames Jahr!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner, die sich mit diesem Beitrag in vier Wochen Sommerferien verabschiedet – euch allen einen guten Sommer und allen, die es betrifft, einen guten Start ins neue Schuljahr – wir hören erst im September wieder voneinander.

Die Logik des Absurden

Liebe Leser,

 

nun habe ich drei Schulen in der engeren Auswahl gehabt. Die erste war mir recht schnell suspekt und kam daher nicht in Frage. Ich hatte das Gefühl, dort nicht wirklich erwünscht zu sein. Rational begründen kann ich das nicht.

Spannender war es bei den beiden anderen Schulen, die dann auf meiner Wunschliste standen. Beide Schulen könnten mich sofort gebrauchen und haben ein offenes Klima, aber einen schrecklich hässlichen Schulbau. Die eine Kollegin war sehr nett, die andere schrullig unnett. Die eine Schule war passabel ausgestattet, die andere recht katastrophal. Die eine Schule hat solide Zukunftsaussichten, die andere nicht.

Und trotzdem hat mein Bauchgefühl sofort gesagt: „Also Lilo, du bewirbst dich jetzt für die hässliche Schule mit der seltsamen Kollegin, den karg ausgestatteten Fachräumen und keiner festen Aussicht, dort auf immer bleiben zu können! Los, tu es! Falls du ein Argument brauchst: Das Kollegium soll nett sein.“

Was treibt mich denn dazu? Ganz einfach, die Schule, die nicht schon voll ihr Konzept fährt, die noch nicht up to date ist, diese Schule reizt mich durch die Möglichkeiten, genau das mitgestalten zu können. Bei der anderen würde ich mich in ein gemachtes Nest setzen. Vielleicht ist es kuschelig, vielleicht sticht einen auch da mal der Hafer, aber wenn etwas juckt, dann war das schon immer so und wieso soll man denn da etwas ändern? Die andere Schule muss geändert werden, soviel steht auch ohne mich fest. Da wäre ich gerne dabei.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Zurück in die Vergangenheit – Sex während der Lehrerkonferenz

Liebe Leser,

wie kann man seine Leser im Internet noch begeistern, wenn die Hälfte – mindestens – schon längst nur Sommerferien im Kopf hat? Ganz einfach – mit SEX!

Wenn ich mich an mich selbst erinnere, was zugegeben ein schwieriges Unterfangen ist, denke ich manchmal: Ob ich mich selbst hätte leiden mögen? War ich nicht zu lieb und nett und schrecklich gut in der Schule, so langweilig und brav?

Da fallen mir die Geschichten in die Hände, die wir – und auch ich, oh ja, zu meiner Schande erkenne ich meine Handschrift! – damals in der Mittelstufe geschrieben haben. Ein Wunder und zwar ein glückliches, dass diese A4-Bögen kein Lehrer abgefangen hat. Aber wir schrieben absichtlich auf große Bögen, schon damals war uns klar, dass Heimlichtuerei nur neugierig macht. Und so verfassten wir (jeder Schüler einen oder zwei Sätze) mitten vor den Augen unserer Lehrer Geschichten, die oft harmlos anfingen…

In einer schönen Biostunde wollte Frau K. Frösche zizieren. Da die Frösche aber noch lebten, hüpften sie aus ihrem Gefäß und einer sogar Frau K. unter den Rock. Da…

Ohne lange Vorgeschichte beamt uns ein nicht ganz rechtschreibsicherer Schüler gleich in eine Handlung, deren Fortgang eigentlich nur in einer schwülwarmen Schülerfantasie enden kann. Durch einen Kampf mit demselben Frosch wird die Handlung jedoch verzögert. Der Held, Herr G., kann auftreten und Frau K. retten, bis …sie drückte ihm einen dicken Schmatz auf die Stirn, so daß er gleich gebrandmarkt war. Aber er erinnerte sich an die alten Römer und ward happy, daß er ein Zeichen hatte, jedoch… ein Zeichen hatten nur die Sklaven. Sollte das heißen das er nun Frau Ks. Liebessklave war… Der Gegenspieler, die Schwiegermutter taucht auf, will die Liebe vereiteln und …da sagten sie einfach sie gängen Pilze suchen und verschwanden im Wald  = HAPPY END

Alles noch witzig und züchtig, was sicher daran liegt, dass wir erst siebente Klasse waren. Herr G., unser Geschichtslehrer, schien uns stark beeindruckt zu haben. Er wird noch häufiger der traurige Held sein, der sich gegen Schwiegermütter durchsetzen muss. Am Ende landet er jedoch …in einer Horde wilder Bettelmönche, die gerade vorm ersten SEX-Schuppen der Stadt rumstanden und sich eine Jumbokarte kauften… Haben wir damals eigentlich genauso interessiert seinem Unterricht verfolgt?

Als ich dann die Klasse wechselte, muss ich diese schöne Unterrichtstradition in meine neue Schule mitgenommen haben. Die Schrift verrät, dass bei der nächsten Geschichte ich der Initiator war.

Frau V. und Frau E. standen tratschend vorm Lehrerzimmer, Herr M. schaute mißtrauisch aus einiger Entfernung auf die beiden, als Herr G. angeflitzt kam, eine Rauchwolke hinter sich herziehend, da…

Aus diesem Anfang kann alles werden, aber schon der nächste Schüler lässt Herrn G. so gegen Frau V. prallen, dass ihre Tasche wegflog und der herbeigeeilte Direktor küsste F. V. stürmisch…

So ein Kuss genügt extrempubertierenden Achtklässlern und alle Schranken brechen.

während dessen machte Frau E. sich an Herrn M. ran und nach einer Weile verschwanden beide auf der Jungentoilette… Der Direktor und seine Frau …ließen ein Ehebett auf dem Flur aufstellen das sie auch sogleich benutzten und Frau v. sah sich nach neuem männlichen Fleisch um, wobei sie auf Güteklasse A achtete. Währendessen auf der Toilette… geschah etwas Merkwürdiges. Frau E. öffnete die Hose von Herrn M. und verließ wenige Sekunden später mit enttäuschter Miene die Jungstoilette…

Lassen wir lieber den Vorhang über den Fortgang der Schülerfantasie fallen. Nur soviel sei verraten. Es endet mit Gruppensex. Den letzten Satz will ich euch dennoch nicht vorenthalten:

… da explodierte H. Gs. Kondom und nach 5 Monaten merkten Fr. V. und Fr. R., daß keine Schlankheitskur mehr half, doch nach 9 Monaten wußten sie mit Gewissheit, was bei Lehrerkonferenzen so rauskommt!

Es sei uns verziehen, wir waren jung, wir waren dumm, wir hatten nur Sex im Kopf. So scheint es jedenfalls. Seltsam nur, dass wir so zwanghaft unsere Lehrer in die Fantasien einbezogen. Ich hatte diese Geschichten völlig vergessen. Oder auch verdrängt. Stellt sich mir nur jetzt die Frage: Waren nur wir so oder denken die heutigen Schüler auch gerade, wie lustig es doch wäre, wenn Frau W. und Frau H. auf der Jungstoilette den Pimmel von Herrn A. betrachten?

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner, die gerade aus einer Lehrerkonferenz kommt – ich kann euch sagen, es war weit weniger spektakulär!

 

Der Stinker

Liebe Leser,

lange habe ich das ertragen, heute muss es raus, der Stinker ist kaum auszuhalten!

Jedes Kollegium kennt ihn, jeder hat als Schüler wohl mindestens einmal unter ihm gelitten. Ich selbst hatte in der Mittelstufe einen Klassenlehrer, der penetrant nach Zigarettenqualm stank. Schlimmer war jedoch die Mathelehrerin in der Oberstufe, die entweder mit dem Waschen oder dem Deodorieren auf Kriegsfuß stand – oder ein gesundheitliches Problem hatte. Denn es ist nun mal nicht völlig normal, sosehr nach Schweiß zu riechen, dass die Umwelt einen Bogen um einen macht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir in der Oberstufe selten die Lehrerin zum Erklären an den Platz gebeten haben, es war einfach unerträglich. Wenn sie vorne an der Tafel vorrechnete, war das in Ordnung, denn meine Freundinnen und ich, wir saßen letzte Reihe.

Im Lehrerzimmer kann ich dem Stinker leider nicht so gut aus dem Weg gehen. Wieder ist es ein Mathelehrer. Schlüsse ziehe ich nicht daraus. Er ist nett und etwas überkorrekt, deshalb möchte er keine Fehler machen. Gerne fragt er dann bei Frau Henner nach, wie man dieses oder jenes Formular auszufüllen hat, ob man dieses oder jenes beantragen muss, wer für dieses oder jenes zuständig ist. Dann kommt der Stinker gerne an Frau Henners Platz. Manchmal setzt er sich auch einfach hin und will nur quatschen.

Momentan ist es besonders schlimm, obwohl wir wegen des schönen Wetters alle Fenster im Lehrerzimmer aufreißen. Keiner traut sich, mit dem Stinker über sein Problem zu reden. Die Schüler überlegen, ob sie ihm als Wink mit dem Zaunspfahl ein Deo zum Schuljahresende schenken sollen – den gleichen Gedanken hatten wir in der Oberstufe auch. Wir hätten es als respektlos angesehen, unsere Mathelehrerin auf unser Leiden anzusprechen. Wir, dachten, dass muss sie doch selbst merken! Das denken wir im Kollegium auch. Das muss der Stinker doch merken! Aber er tut nichts dergleichen.

„Schau mal Lilo, ich bin mir nicht ganz sicher, aber dieser Schüler hier ist doch versetzungsgefährdet, oder?“

Ein kurzer Blick auf die Noten. „Der hat leider keine Chance“, sage ich.

Der Stinker geht. Sein Gestank bleibt.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Immer wieder Nizza

Liebe Leser,

Donnerstagnachmittag: Herr Henner bucht ein Ferienhaus in der Nähe von Nizza. Für einen Baden-Württemberger liegt Frankreich so nahe. Es ist exotisch genug, um ein Urlaubsgefühl zu vermitteln, und nicht fremd genug, um sich nicht mehr wohlzufühlen. Diesmal wollten wir endlich mal wieder ganz in den Süden, vielleicht sogar ans Meer. Wir bestaunen die hübschen Poolfotos und träumen von mittelalterlichen Städtchen im Hinterland, kleinen Märkten mit eierförmigen Tomaten, frischem Baguette und Klosterkäse.

Donnerstagabend: Hollande verkündet, dass der Ausnahmezustand, in dem sich das Land seit den Attentaten in Paris befunden hatte, nun mit dem Nationalfeiertag beendet ist. Frau Henner bekommt ein flaues Gefühl. Hoffentlich macht nicht irgendein Idiot jetzt etwas Dummes, um das ganze am Köcheln zu halten.

Freitagmorgen: Frau und Herr Henner, die immer mit den Nachrichten geweckt werden, können es nicht fassen. Über 80 Tote bei einem Terroranschlag in Nizza. Dieser Gedanke lässt mich den ganzen Vormittag nicht los. Frankreich, ein gebeuteltes Land. „Idiot“ und „etwas Dummes“ ist viel zu verharmlosend, für das, was noch an dem selben Abend geschehen ist, nachdem der Ausnahmezustand aufgehoben wurde. Die Terrorakte in den letzten Jahren haben mich schockiert, aber diesmal empfinde ich noch mehr. Mitgefühl für ein Land.

Auch ich habe schon in Paris das Feuerwerk zum Nationalfeiertag angeschaut, zwischen tausenden von Menschen, zusammen mit Oberstufenschülern während einer Klassenfahrt. Wir verließen das Marsfeld noch vor dem Ende des Spektakels und bummelten freudig erschöpft bis zu der nächsten geöffneten U-Bahn. Unsere einzige Sorge galt damals dem Fahrplan, dass wir es auch rechtzeitig zum Youth Hostel schaffen. Wir machten uns lustig über die französische Lust an Militärparaden und die Handyfilmwut der Asiaten. Und wir genossen das Leben in einer pulsierenden Metropole. Wir Lehrer mussten uns keine Sorgen machen, dass alle wieder heil nach Hause kamen. Schließlich waren wir in Paris und nicht in Teheran.

Immer wieder muss ich an die Menschen denken, die sich in Nizza einfach nur das Feuerwerk zum Nationalfeiertag anschauen wollten. Wir haben Bekannte, die von dort kommen. Franzi, Lucys Freundin, fährt jeden Sommer dorthin, weil ihre Familie von dort stammt. Der Terror wird persönlicher. Die Betroffenheit nimmt zu. Der Terror zerstört mir mein Paradies.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner, die gerne tröstliche Worte schriebe, aber weiß, dass es sie nicht geben kann

Zurück in die Vergangenheit – Von Mädchen und Jungen

Liebe Leser,

obwohl man heutzutage gerne Unterschiede der Geschlechter negiert und darauf hinweist, dass auch Jungen sensibel und kommunikativ sein können und Mädchen gerne Fußball spielen, wenn man sie denn lässt, so zeigt folgendes Fundstück aus meiner Schatztruhe doch sehr gegensätzliche Tendenzen.

Zur Vorgeschichte: der Junge galt in der Klasse als Außenseiter, was in dieser Klasse allerdings nicht schwer war. Er war älter als die anderen und man hielt ihn für pervers. Mit gebührendem Abstand betrachtet, würden die Mädchen der Klasse das sicher jetzt anders sehen. Damals schrieben sie ihm Folgendes. (Die hingekritzelten Antworten des Jungen sind fett immer genau an der Stelle mit Klammern eingefügt, die auch er gewählt hatte.)

Hallo D.!

Sag mal, was ist eigentlich mit Dir los? Warum bist Du einfach in unseren Umkleideraum (keine Ahnung) gekommen? Schämst Du Dich dabei denn nicht? (Nein) Oder hast du einfach keine Ahnung von Mädchen und versuchst alles darüber zu erfahren? (eigentlich auch nicht) Genauso die Sache mit dem B-H. Mit deinen 16 Jahren müßtest Du wirklich aufgeklärt sein und wissen, daß normale Mädchen nicht solche B-Hs in der Schule tragen. (sehr interessant) Oder bist du wirklich so unwissend? (glaube ich nich (Bio-Vortrag)) Hattest Du denn überhaupt schon mal eine Freundin? Hat sie Dir nichts beigebracht ? (doch) Ich meine, Du bist ja immerhin schon 16, (richtig) auch wenn ich nicht genau weiß, warum Du dann hier bist. (ist ja auch egal)

Bitte antworte auf diesen Brief! Und denk‘ mal darüber nach! Und sag uns dann wie Du die ganze Angelegenheit siehst! Aber sei bitte ehrlich!

Oh Mann! Haben wir echt gedacht, wir könnten mit einem solchen Brief einen 16jährigen dazu bringen, uns sein sonderliches Verhalten zu erklären? In seinen knappen Sätzen steckt so viel Ironie. Er hat sich einfach nur über uns lustig gemacht, und wir haben das, fürchte ich, nicht mal gemerkt. Weil wir Mädchen diese Sache klären wollten. Ernsthaft.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer amüsierten Frau Henner

Begüms Entschuldigung

Liebe Leser,

Begüm  ist ein Mädchen, ein türkisches, eines mit Kopftuch. Warum ich das letztere erwähne, hat einen Grund. Begüms Eltern sind sicher stark im Kontext ihrer Religion und ihrer kulturellen Herkunft verwurzelt. Das Mädchen selbst hat diese Normen und Werte verinnerlicht, sie trägt das Kopftuch mit stolz und schaut auf die anderen muslimischen Mädchen der Klasse herab. Vielleicht ergibt sich diese Erhabenheit aber auch aus dem Mangel an Intelligenz. Vorsicht, ich will hier nicht Religion mit Vorurteilen vermischen. Es gibt keinen ursächlichen Zusammenhang, zwischen dem Kopftuch und dass Begüm mit einer Hauptschulempfehlung an unser Gymnasium kam.

Aber möglicherweise gibt es einen kulturellen Zusammenhang zwischen den katastrophalen Noten und der Reaktion der Eltern darauf? Zwei Jahre lang wurde den Eltern versucht zu vermitteln, dass Begüm durch ihre großen Rückstände kaum etwas Neues lernen kann, dass Begüm es momentan nicht schaffen wird, dass zumindest der Besuch der Realschule eine Option wäre, dem Mädchen Bildungschancen zukommen zu lassen. Aber die Eltern haben das nicht eingesehen. Begüm lerne zu wenig, sie müsse sich mehr anstrengen, dann würde das schon klappen.

Aber mit Hauptfachfünfern klappt es eben nicht mehr. Selbst eine einzige Hauptfachfünf führt in Baden-Württemberg schon zur Nichtversetzung, wenn ansonsten nur Vierer vorhanden sind, ein Ausgleich in den Hauptfächern also nicht gegeben ist. Das ist Begüms Schuld, deshalb muss sie jetzt auch die Lehrer um Entschuldigung bitten. Und Begüm tut das. Sie geht von Lehrer zu Lehrer und entschuldigt sich für ihre schlechten Noten. Das wird ihr allerdings nichts nützen, denn die Lehrer können sie nicht entschuldigen. Schließlich hat es nie eine Schuld gegeben – nur schlechte Noten, weil ein Kind völlig überfordert war.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Eine Lehrerin und Mutter berichtet aus dem täglichen Schulwahnsinn

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