Das Männlein in dir

Liebe Leser,

es soll ja Menschen geben, die können einfach nix tun und das auch noch genießen. Leider gehöre ich nicht zu dieser Sorte Mensch. Gut, ich kann mir unseren Weihnachtsbaum angucken und vor Freude in mir versinken, auch kann ich in freier Natur mein Dasein ganz existentiell genießen, die Luft spüren, den Geruch… alles aber sehr aktiv und intensiv. Wenn ich vor mich hinträume bin ich mords beschäftigt. Und nur das macht mich glücklich – etwas tun.

Und aus diesem Grunde sitze ich zu diesem Zeitpunkt vor dem Computer und verfasse einen Post… nachdem ich den ganzen Abend mich mit Prüfungsaufgaben beschäftigt habe und auf dem Landesbildungsserver herumgeirrt bin. Außerdem habe ich mir Gedanken über den Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule gemacht, bin dabei aber nicht wesentlich schlauer geworden. Ich hätte auch einfach auf dem Sofa herumhängen können. Aber in mir sitzt so ein Männlein, ein ganz gemeines, das sagt Sachen wie: „Du musst noch die Prüfungsaufgaben überarbeiten! Schieb es nicht raus, mach es jetzt! Du musst auch noch Aufsätze korrigieren, wann willst du denn das machen, hä? Geht gar nicht, alles auf den letzten Drücker erledigen, wenn dann was dazwischen kommt! Entspannen ist später, jetzt ist Pflichterfüllung!“ Solche netten Sachen flüstert das Männlein, bis ich mich an die Arbeit mache. Und es muss gar nicht lange flüstern, es hat mich schon gut erzogen. Dieses fiese Wesen heißt Selbstdisziplin und hat zwei Gesichter.

Das gute Gesicht ist, dass es das Leben wirklich meistern hilft, das Männlein strukturiert mir über Wochen meine Aufgaben und selten überrennt mich ein Berg angestauter Aufgaben. Danke! Aber die andere Seite des Januskopfes ist dunkel. Für mich gibt es kaum geistige Ruhe, denn mein Männlein findet immer eine Aufgabe, die noch ansteht, die noch zu erledigen ist, die das Leben interessanter gestalten könnte. Und ich gehorche und schaffe mir selbst Aufgaben, die mein Leben bereichern und gleichzeitig einengen. Interessanterweise macht gerade das glücklich – wie in einer guten Sucht.

Meist bin ich tatsächlich glücklich, gut strukturierte Menschen werden ja eher beneidet. Und da ich überhaupt nicht hippelig bin oder Unruhe ausstrahle, hält mich meine Umwelt für ausgeglichen. Bin ich, solange ich eine Arbeit habe, aber wenn ich mit der fertig bin, sucht mein Kopf nach Neuem und findet auch noch. Und ich fange wieder etwas an und wieder etwas an und zwinge mich, das alles auch zuende zu bringen. Erst dann bin ich zufrieden mit mir und… was könnte man noch alles tun?

Nun ist das Jahr nur noch einen Tag lang und die Menschen rund um den Erdenball machen Inventur. Man stellt Mängel fest und vertagt ihre Behebung aufs nächste Jahr. Mir etwas vornehmen? Pah, das ist was für Menschen, die genau das Gegenteil von mir sind. Und mir einfach vornehmen, mir nichts vorzunehmen? Sehr dialektisch…

Also wünsche ich euch und mir fürs neue Jahr die Gesundheit, dem Tatendrang folgen zu können, und weiterhin viele gute Ideen, mit unserer Welt umzugehen, und den Glauben an das Gute, ohne den wir voneinander wahrscheinlich nichts wüssten, denn viele Lehrerblogger verbindet doch nicht das Jammern, sondern das Visionäre.

Viele Grüße aus der Provinz und ein gutes Jahr 2015 von eurer Frau Henner!

Und was mache ich jetzt? Ich gehe zufrieden ins Bett, wieder viel geschafft heute. Und Silvester? Silvester wird nur gefeiert. Obwohl…vielleicht könnte ich doch… wenigstens mal reingucken in die Aufsätze… Sei still!

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13 Kommentare zu „Das Männlein in dir“

  1. Ach Frau Henner, das Männlein kenne ich auch. Aber noch schlimmer ist der kleine Stiefbruder, genannt „Gewissen“. DIESES kleine Männlein ist besonders viel und kommt immer mit einer richtig großen Keule um die Ecke, um mir um die Ohren zu hauen, was noch alles aussteht bis Mitte nächsten Monats. Ganz verzagt versuche ich dann, mich zu rechtfertigen, dass Weihnachten ja aber eine besinnliche Zeit sein sollte und die ganzen Feiertage, also eben halt auch Silvester und… Und dann macht es schon wieder *wuuuusch* und ich sehe Sternchen. 😉

    Ihnen auch einen guten Rutsch und ein großartiges Jahr 2015!

    Liebe Grüße,
    Tinalise

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    1. Hui, da bin ich aber froh, dass ich nur das Männlein Selbstdisziplin bei mir wohnen hab – das Gewissen kommt so kaum zum Zug – so, wie du (ich bietet dir mal offiziell das Du an;))es beschreibst, klingt es fast belastender als mein kleines Männlein. Du schaffst das eigentlich ja auch ohne, denn du scheinst sehr viel Energie über zu haben – ebenfalls ein großartiges Jahr – ich bin gespannt auf Berichte von der Insel!

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      1. Na fein, dann du 🙂 (kompliziert, dieses Deutsche, da lob ich mir ja das Englische…)
        Na, sei froh, das Gewissen macht echt keinen Spaß. Hmpf. Wieso wirke ich denn, als hätte ich viel Energie über? *grübel*
        Dankeschön, ich bin auch schon ganz gespannt. 🙂

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    1. Also manchmal würde ich das Männlein auch gerne mal loswerden… aber in diesen Ferien habe ich es sogar mal besiegt – die Aufsätze liegen immer nur und mir geht es wirklich gut! Ein frohes Jahr auch ohne Männlein zurück!

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  2. Oh ja, das Männchen hat mich heute auch gezwungen, mich meinen Prüfungsaufgaben zu widmen. Die LK Klausuren habe ich schon vor Weihnachten korrigieren müssen und für den Fall, dass ich noch Zeit habe, steht noch die Überarbeitung der didaktischen Jahresplanung auf dem Plan. Manchmal nervt es, dass ich nicht lange abschalten kann, aber eigentlich ist es schön, weil es eben Ruhe in die gesamte Arbeit bringt. Ich freue mich, dass Sie umgezogen sind und ich jetzt auch mal kommentieren kann, denn oft sitze ich heftig Nickend auf dem Sofa. Danke für Ihren Blog und ein frohes neues Jahr.

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    1. Und dabei glauben viele Menschen in Deutschland, Lehrer hätten in den Ferien frei. Wie lange man an Klausuren sitzen kann, ist für viele unvorstellbar. Aber wenn es dann getan ist – selbst in den Ferien – ist wirklich Freude da 😉

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