Halbjahr!

Liebe Leser,

das erste Halbjahr ist schon wieder geschafft, ab nächste Woche gilt der neue Stundenplan, der aber zum Glück nur marginale Veränderungen bringt. Viel interessanter ist das erste Halbjahreszeugnis!

Selbst wenn das eigene Kind in der Grundschule wenig Schwierigkeiten hatte, weiß man als Eltern nicht hundertprozentig, wie das eigene Kind sich nun an der weiterführenden Schule schlägt. Natürlich ahnt man es, schließlich muss man ständig irgendwelche Noten unterschreiben. Und ich durfte dieses Halbjahr nur Einsen und Zweien unterschreiben und eine Zweibisdrei. Es läuft also. Lucy gehört zur Leistungsspitze der Klasse, aber sie ist nicht die beste Schülerin, was auch gut ist, wie schnell bekommt man von neidischen Mitschülern sonst den Streberstempel auf die Stirn gedrückt. Es ist also alles in Butter.

Wenn… ja wenn da nicht diese Drei auf dem Zeugnis prangte. Obwohl Lucy immer eine Zwei in schriftlichen Arbeiten in Mathe mit nach Hause gebracht hat, steht auf dem Zeugnis eine Drei.

Hat sich der Mathelehrer verrechnet? Unvorstellbar.

Ist Lucy im Mündlichen so eine Niete, dass das durchschlägt, obwohl in Mathe das Mündliche recht wenig zählt? Hm?

Ist das eine pädagogische Entscheidung, die Lucy anspornen soll, nicht nachzulassen, damit am Ende eine Zwei dasteht? Vorstellbar, aber seltsam, denn davon fühlt sich Lucy nun ganz und gar nicht motiviert.

Ich suche nach weiteren Gründen, aber mir fällt nichts Vernünftiges mehr ein. Bekommt Lucy absichtlich eine schlechtere Note, damit niemand glaubt, Lehrerkinder werden bevorzugt? Absurd! Eher glaube ich, dass der Mathelehrer noch Noten gemacht hat, von denen ich nichts weiß und vielleicht sogar Lucy nichts ahnt. Bei Gelegenheit werde ich den Mathelehrer ansprechen, bei Gelegenheit, wenn er sich von der Grippe erholt hat, die gerade einen Teil unserer Lehrerschaft lahmlegt und wenn ein wenig Gras darüber gewachsen ist. Ich will nämlich nicht als Löwenmutter kämpfen, weil ich zu nah an den Kollegen dran bin, aber ich will schon wissen, wie es zu dieser Note kommt. Aber es soll nicht vorwurfsvoll rüberkommen, sondern ehrlich interessiert und ein bisschen beiläufig. Es ist ja eh nur eine Halbjahresinformation…

Würde ich auch so handeln, wenn ich keine Lehrerin wäre? Ja, ich denke schon. Denn am Ende sind die Kinder doch abhängig vom Wohlwollen des Lehrers – und nervige Mütter hinterlassen keinen guten Eindruck, das steht mal fest. Und was am Jahresende auf dem richtigen Zeugnis steht… werden wir sehen und überhaupt, wen interessiert schon die Mathenote in Klasse 5?

Lucy! Mit dieser Note steht und fällt die Motivation, die sie endlich aufgebaut hatte.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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16 Kommentare zu „Halbjahr!“

  1. Und wenn du deinen Mann das Gespräch führen lässt?
    Es ist immer schwierig mit den eigenen Kollegen. Hier wälzen wir gerade ähnliche Gedanken. Der Sohn – auch auf meiner Schule – bringt das dritte Jahr am Gymnasium in Deutsch schriftlich ausschließlich 1,0 nach Hause. Mit der bisherigen Deutschlehrerin war das Verständnis und alles in Butter. Deutsch 1, ganz klar. Mit der jetzigen wohl nicht. Mündlich 4. Heute stand eine 2-3 auf der Halbjahresinformation. Rechnerisch korrekt. Aber was macht das mit seiner Motivation zu schreiben, zum Beispiel? Bisher war er gesuchter Autor der Schülerzeitung, er schreibt wirklich richtig gut. Jetzt aber …?
    Auch hier also: Wie können wir ihm seine Motivation bewahren, wie ihm helfen bei seinem Beziehungs?-Kommunikations?-Disziplin?-Aufmerksamkeits?-Problem mit der Deutschlehrerin? Verweigert er sich? Er selbst verneint das. Aber wenn doch? Wie kommt er da wieder raus? Warum hat sie nie mit ihm gesprochen? Oder mit uns?
    Ich finde es noch erschwert, weil sie Referendarin ist, ich möchte ihr jetzt nicht in ihre Lehrproben hineinfunken, und ich möchte auch keine bessere Note erfechten. Aber irgendwie bewirken, dass der Sohn versteht, was vorgeht … und vor allem eben, dass er seine Motivation nicht verliert.
    Erzähl bitte, wie es bei euch weitergeht.
    (Und ehrlich: bei s:m = 2:1 müsste da bei Lucy mündlich eine 5 stehen – das KANN doch nicht sein. — Oder hat er sich einfach nur vertippt? Das gibt’s ja auch.)

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    1. Mündlich eine Vier hieße bei uns eigentlich: Hier macht einer fast gar nicht mit und gibt auf Nachfrage auch nur Minimalantworten. Eine Fünf gebe ich eigentlich nur, wenn ein Schüler dann auch noch ständig pampig wird – aber in dieser Situation war ich noch nie. Vierer schon, ja, das gibt es. Ich habe derzeit eine Schülerin, die keinen Ton sagt – keinen, nur wenn ich sie auffordere, eine Aufgabenstellung vorzulesen oder die Hausaufgaben, also etwas, was schon dasteht, dann antwortet sie. Aber in der sechsten Klasse gebe ich darauf eben eine Vier, die Schriftlichen Leistungen sind in Ordnung. Ich fürchte, das Mädchen hat irgendwelche Hemmungen. Aber die hat sie leider im Mündlichen in jedem Fach. Es geht hier also nicht um Intelligenz, sondern um eine psychische Barriere. Hat dein Sohn ein Problem mit der Referendarin oder sie mit ihm? Eine Vier im Mündlichen muss ein Lehrer schon den Eltern erklären können.
      Ich werde berichten, wie es weitergeht, aber erst muss der Mathelehrer wieder gesund werden und erst soll Lucy die Gelegenheit bekommen, selbst nachzufragen. Je nachdem, was sie berichtet, werde ich nachfragen, ganz nett, ganz diplomatisch, vielleicht ein bisschen weiblich naiv. Herrn Henner lass ich mal lieber außen vor 😉

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  2. Ich hab da immer meinen Mann vorgeschickt ;-)) Der war oftmals diplomatischer als ich.
    Aber wie so oft habe ich beim Lesen gedacht, dass wir uns und unsere Kinder sehr ähnlich sind.

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  3. Puh, also ich würde da auch nachhaken, so wie Hauptschulblues. Oder Lucy soll selbst mal nachfragen, vorsichtig natürlich, wie die Note denn zustande kommt, weil sie sie sich nicht erklären kann. Ehrlich, auch wenn es nur eine Halbjahresnote in Klasse 5 ist, sowas würde ich immer klären.
    @ „Hat sich der Mathelehrer verrechnet? Unvorstellbar.“ 😆 Du willst nicht wissen, wie oft sich meine Mathelehrer verrechnet haben. Schulterzuckend hat der eine Mathelehrer dann stets gesagt, dass Mathematiker oft nicht rechnen können, weil sie so komplexes Buchstabensalat-, äh, Algebra-Zeugs gewohnt sind. :mrgreen:

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    1. Lucy anfragen zu lassen ist vielleicht wirklich die diplomatischere Option, weil da die Schülerin Interesse zeigt, und nicht gleich die Mutter/Kollegin.

      In meinem Mathestudium haben wir übrigens wirklich nur selten „gerechnet“, und waren jedes Mal froh, wenn wir Zahlen zu sehen bekamen. Den Löwenanteil machten mathematischen Beweisen aus. War eine ziemliche Umstellung, aber joa, die Fähigkeit, zu rechnen, die kann einem da schon abhanden kommen. ^^‘

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        1. Aber vielleicht wäre das eine Möglichkeit, den Lehrer noch als Menschen zu erleben? Klar, wenn Lucy sich nicht traut, dann soll sie sich nicht dazu zwingen oder so.
          Ich kenne das ja auch noch, alleine mit einem Lehrer zu reden, der so viel geballtes Wissen besitzt – und, in meinen augen eben auch noch so viel Autorität! – das ist nicht ohne. Aber man kann daran auch wachsen. 🙂

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    2. Aber wer rechnet denn heute noch Noten mit dem Taschenrechner aus – das machen doch bei den meisten Programme. Und ganz ehrlich, wenn da nur Zweien stehen, brauche ich überhaupt keine Rechnung, um zu sehen, dass das keine Drei ist. Also denke ich, da muss noch ein Haken sein…

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  4. Ich hab ja jetzt schon mehrmals miterlebt, dass die Noten je Bundesland auf völlig unterschiedliche Weise gebildet werden. Bei uns wäre es ganz schön schwer von 2 glatten Zweiern auf eine Zeugnis-Drei zu kommen. Schulaufgaben zählen bei uns doppelt und werden mit den kleinen Leistungsnachweisen (Ausfragen, Unterrichtsbeitrag, schriftliche Stegreifaufgaben) verrechnet. So viel ich weiß, gibt es bei euch Stegreifaufgaben überhaupt nicht, von daher müsste Lucy im Mündlichen tatsächlich irgendwo auf einer glatten Vier stehen. Ist das realistisch?

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    1. Nö, überhaupt nicht. Lucy ist zwar zurückhaltender als in der Grundschule (will nichts Falsches sagen), aber sie meldet sich sicher mehrfach die Stunde und da wird auch etwas Richtiges bei den Antworten dabeisein. Also eine Vier kann eigentlich… nun ja, wer weiß?
      Stegreifaufgaben gibt es bei uns tatsächlich nur bei ganz wenigen Lehrern, das ist hier einfach nicht verbreitet. Aber die Klassenarbeiten zählen auch bei uns doppelt bzw. 50% (außer in den Sprachen, wo das Mündliche anfangs überwiegen sollte).
      Ich bin ganz froh, dass es unangekündigte Leistungskontrollen (das sind wohl die Stegreifaufgaben?) hier nicht in dem Maße gibt, weil es wirklich Druck wegnimmt. Ich selbst habe das als Schüler erlebt, diese ständige Angst, ob der Lehrer was schreibt? und erinnere mich daran, dass das etwas war, was ich als absolute Erleichterung empfunden habe, als das nach der Schule wegfiel. Diese Stegreifaufgaben, in welchem Umfang/Häufigkeit habe ich mir das vorzustellen?

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