Unterschiedliche Wahrnehmung

Liebe Leser,

der Mathelehrer ist genesen und Lucy hat nun erfahren, warum auf der Halbjahresinformation eine Drei in Mathe prangt. Der Mathelehrer hat ihr mündlich eine 3-4 gegeben und die Gesamtnote dann aufgerundet. Das mit dem Aufrunden verstehe ich nicht, denn genau dafür haben wir ja in der Halbjahresinformation die Viertelnoten. Und überhaupt: aufgerundet werden doch nur die x,5-Schnitte? Aber sei es drum, Lucy hat gefragt und hat Antwort bekommen, das ist schon mal was.

Ich gebe eine solche Note (3-4) in Klasse Fünf eigentlich nur, wenn ein Schüler stumm drinhockt und auf Fragen Minimalantworten gibt. Kann er dann auch kaum etwas sagen, erteile ich eine Vier. Sagt er gar nichts Richtiges, kommt eine Fünf – ist aber noch nie vorgekommen, weil ich Schüler ja so fragen kann, dass schon irgendwas Richtiges dabei ist. Aber ich bin wahrscheinlich zu gutmütig.

Lucy beteiligt sich am Unterricht. So sieht sie es. „Ich melde mich mehrmals in der Stunde, wirklich. Aber meist komme ich nicht dran.“ Das ist ihre Wahrnehmung.

„Lucy beteiligt sich zu selten“, das ist die Wahrnehmung des Lehrers.

Ich kann das nicht beurteilen und denke, der Lehrer wird schon Recht haben. Kinder können sich eben noch nicht richtig einschätzen. Die 3-4 schmerzt mein Mutterherz. Völlig normal. Zumal das kein anderer Lehrer so sieht. Lucy ist im Mündlichen der typische Einser- und Zweier-Kandidat. Aber auch das ist kein Argument. Mathe ist etwas anderes als Deutsch oder Biologie.

Und Lucy? Sie ist ein wenig schockiert. Interessanterweise gibt sie sich nicht bockig. Sie ist ziemlich gelassen. Vielleicht schöpft sie sogar Motivation daraus und lernt, dass sie nicht hinterm Berg halten darf? Also wegen des Mündlichen will sie sich ja nicht die Mathenote verderben. Auf ins nächste Halbjahr!

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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21 Kommentare zu “Unterschiedliche Wahrnehmung”

  1. Puh, ja, mündliche Noten, das ist immer eine heikle und so subjektive Sache. Was habe ich da viel Ärger und Energie reingesteckt in meiner Schulzeit *seufz* Ganz schlimm war immer, dass wir uns in Latein zuerst selbst einschätzen mussten. Und Menschen wie ich, die setzen dann eher tiefer an, als es eigentlich sein sollte… Ich habe mich zum Beispiel nie getraut, zu behaupten, ich würde eine 1-2 verdienen, also zumindest nicht bis zur achten Klasse oder so. 😉

    Aber müsst ihr den Schülern nicht jede Note mitteilen, also eben auch die mündliche? Bei uns wurde das entweder immer verlesen oder sogar schriftlich ausgeteilt, Mitteilungspflicht und so, deshalb konnte das bei uns gar nicht passieren, dass man nicht um seine mündliche Note wusste.

    Das nächste Halbjahr wird bestimmt besser! 🙂

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    1. Es gibt eine Transparenzpflicht, aber das bedeutet nur, dass jeder Schüler die Noten erfragen können muss. Viele Kollegen – so auch meinereiner – schreiben die mündlichen Noten aber zur Information unter die Klassenarbeiten. War in Mathe bis jetzt nicht der Fall und wir dachten, es sei alles in Ordnung. Naja – jetzt weiß Lucy, dass sie da mal nachfragen muss, aber für kleine Schüler ist das natürlich eine große Hürde. Und manchen Lehrern gefällt es natürlich, dass man über die mündliche Note am Ende noch ein wenig tricksen kann.

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      1. Ja, das ist doof. Bei uns muss die Note meines Wissens nach wirklich mitgeteilt werden, also ja, oftmals stand das dann auf der Arbeit mit drauf, manchmal wurde es aber auch einfach nur verlesen/vor der Tür unter vier Augen besprochen. War ganz gut, da wusste man immer, woran man war und musste nicht selbst den Schritt machen als junger Schüler, den Lehrer mal nach der mündlichen Note zu fragen… 😉

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  2. Gerade als (ehem.) Mathelehrer muss ich sagen: Noten aufrunden geht gar nicht; es sind ja keine Zahlenwerte sondern normierte Ziffern! Im übrigen würde die mathematische Rundungsregel dazu führen, dass in der Grundschule und in der Mittelstufe das Aufrunden zu einer schlechteren Note führen würde und in der Oberstufe (im 15-Punktesystem) zur besseren. Wo soll denn da der Sinn sein? In Hessen ist/war die Regelung so, dass die schriftliche Leistung max. 50 % der Endnote ausmachen darf, das Endergebnis eine pädagogische Entscheidung ist und nicht Resultat einer arithmetischen Operation.
    Im Endergebnis, wenn so die Informationen des Lehrers stimmen, hätte ich wahrscheinlich auch eine 3 gegeben. Begründung: Schriftliche Leistung: 2; mündliche Leistung nicht glatt 3, macht also eine 3 im Zeugnis.

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    1. Ist bei uns anders. Die Klassenarbeiten müssen mindestens 50% zählen und das rein Mündliche mindestens 20-25%. Der sich daraus ergebende Rest ist für kleinere schriftliche Arbeiten, Hausaufgabennoten, Projekte, Präsentationen… In Mathe ist es aber etwas anders, weil es da oft den Rest nicht gibt, dann nehmen die Klassenarbeiten den Raum ein, denn es gilt bei uns: Das Schriftliche muss das Mündliche überwiegen.
      So unterschiedlich ist das! Neulich hörte ich, dass in einigen anderen Bundesländern gerade das umgekehrte Prinzip gilt: das Mündliche überwiegt das Schriftliche.

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  3. Das Runden ist wirklich sehr ungewöhnlich, vor allem ja auch im Halbjahreszeugnis, sowas hab ich noch nie gehört! Ich mein, wozu runden, anders als im Endjahreszeugnis stehen doch sowieso meist irgendwelche Viertel- oder Halbnoten drin, macht also keinen Sinn.
    Gut, immerhin weiß Lucy jetzt, dass sie in Mathe mehr tun müsste. Solange sie daraus einen Ansporn zieht, sich mehr anzustrengen, solange ist noch alles in Ordnung. Der Lehrer muss ihr aber auch diese Möglichkeit einräumen, d.h. sie auch drannehmen.

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    1. Wie, BaWü hat Viertel- und Halbnoten auf Zeugnissen?! Wenn auch „nur“ im Halbjahr? Das gab es bei uns nicht. Man konnte sich entsprechend immer wahnsinnig über die „2 mit dem ganz dicken Plus“ freuen, weil bei so einer Note genau wie bei einer ganz knappen 2 so oder so einfach nur „gut“ auf dem Zeugnis stand. 😉 Und das gilt für alle Zeugnisse, also auch fürs Halbjahr… Da fand ich das 15-Punkte-System der Oberstufe sehr viel besser und gerechter.

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      1. Naja, auf den Halbjahreszeugnissen steht eben 3-4 oder 2+ drauf und jeder weiß, dass das eben 3,5 bzw. 1,75 bedeutet. Und wie Frau Henner (glaube ich) bereits schrieb, es ist doch eine genauere Rückmeldung als halt einfach nur „3“, wenn man dafür doch irgendwo zwischen 2,5 und 3,4 stehen kann.

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          1. Da merkt man doch mal wieder, wie „sinnvoll“ es ist, sich 16 verschiedene Bildungssysteme zu leisten, was? Jedes Land kocht sein eigenes Süppchen, kosten tut es auch noch, immerhin braucht es ja 17 Bildungsministerien, und die Frage nach der Sinnhaftigkeit wird nie gestellt.

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    1. Ja, im Halbjahr gibt es Viertelnoten. Aber da steht dann 2+ oder 3- oder 1-2 oder eben 4. Das ist insofern wirklich gut, weil es die Tendenz zeigt: bei einer 2+ kann eben noch eine 1 drinsein, was bei einer 2- eher unwahrscheinlich ist, da geht es eher darum, das Abrutschen zu vermeiden. Bei ganzen Noten stände im Halbjahr in beiden Fällen einfach nur 2 da, und es ist ein großer Unterschied, ob jemand eine 1,6 hat = 2 oder eine 2,4 = 2. Als Mutter befürworte ich dieses ausgefeiltere Informationssystem.
      Im Endjahr ist alles wie bei euch – nur ganze Noten.
      Als Lehrer kann man mit diesen + und – Noten auch sehr gut pädagogisch arbeiten. Also weniger scharf, dafür sehr praktisch – kann ich nur empfehlen!

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      1. Sehr gut zu wissen. Selbst Halbnoten sind, sofern ich weiß, in Bayern verboten. Auch wenn man auf diese Weise in der Tat, wie du auch völlig richtig sagst, entsprechende Tendenzen in der Leistung viel deutlicher machen als es die Zahl 4 je machen könnte. Zwischen 3,6=4 und 4,4=4 ist nämlich tatsächlich ein himmelweiter Unterschied…

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      2. Ah, gerade weitergelesen und gesehen, dass du darauf eingehst. Ja, genau das hat mich in RLP all die Jahre bis zur Oberstufe gestört: Ich hatte dann genau so eine glatte 2 („gut“) auf dem Zeugnis stehen (oftmals eben mit 1,5, weil 1,5 offiziell mein Lieblingsschnitt ist (nicht wirklich, ich ende einfach total oft bei diesem Schnitt, eben auch regelmäßig in der Mittelstufe)), während jemand mit 2,4 ebenso ein „gut“ da stehen hatte. Richtig mies und unmotivierend, das. Da lobe ich mir euer System, auch wenn ich nicht verstehe, wieso man dann nicht gleich das 0-15 Punkte-System einführt und sich die Noten 1-6 nicht einfach ganz schenkt…

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    1. Ich rechne immer mit Viertelnoten – bzw. mein Notenprogramm macht das für mich – für Lucy, die das schon aus der Grundschule kennt, ist eine 1- auch etwas anderes als eine 1. Die Kinder machen da richtig Unterschiede.

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