Weibchen und so

Liebe Leser,

es ist diese kurze Szene des Films, den Lucy und ich in den Fastnachtsferien gedreht haben, die mich irritiert, nicht mal eine Sekunde dauert es, aber ich lege plötzlich den Kopf schief und lächele. Es ist diese Geste der weiblichen Unterwürfigkeit, die wir seit Jahrhunderten trainiert haben und inzwischen völlig unbewusst ausführen, diese Geste, die ruft: „Hab mich lieb, tu mir nix, ich bin doch nur das schwache Geschlecht!“ Gegen diese Geste haben – wie man sieht – völlig erfolglos die Feministinnen gekämpft. Dabei halte ich mich doch für emanzipiert und nun das, ich verhalte mich in Wirklichkeit wie ein Weibchen!

Montags habe ich meine jungen Weibchen als abschreckendes Beispiel vor Augen. Kursstufe. Grundkurs. Lange, blonde Haare. Eine von ihnen beherrscht das Weibchenschema ganz besonders gut. Helena. Sie sieht nicht nur zart und damit beschützenswert aus, die Natur hat ihr auch noch eine viel zu hohe Stimme beschert, die ich nervig finde, aber bei der Männerwelt im Kurs den großen Mann weckt. Wenn Helena dann auch noch den Kopf schief legt, die Augen leicht kullert und eine absurde Frage stellt, dann lacht da keiner. Nein, Helena darf die dümmsten Sachen sagen, die Männerwelt himmelt sie an.

Vielleicht hat Helena eine ganz normale Stimme und spricht nur so, weil sie in ihren sechzehn Jahren Leben eben schon eines gelernt hat: damit kann man als Frau Erfolg haben. Noch immer. Schließlich ist sie auch nicht mit schiefem Hals geboren. Auch das ist abgeguckt, angewöhnt, internalisiert.

Gut, das ist Helena, aber bei Frau Henner! Bei Frau Henner sieht das doch dümmlich aus, voll peinlich – finde ich jedenfalls. Und überhaupt, so eine überkommene Geste darf doch nicht sein!

ODER?

Aus Helena werde ich sowieso nicht schlau. Manchmal sagt sie die dümmsten Sachen, dann hat sie wieder recht gute Ideen. Die letzte Klausur war erstaunlich gut für ihr Weibchen-Getue. Was nun, wenn Helena gar nicht so dumm ist, aber gemerkt hat, dass man sich im Leben viel harte Arbeit ersparen kann, wenn man sich schwach darstellt und die Männer dann zu Hilfe eilen? Könnte ja sein? Ist ja eigentlich schlau. Mache ich das nicht auch manchmal? Ein bisschen blöd tun und hübsch lächeln, dann fühlt sich das Gegenüber geschmeichelt, bietet Hilfe an und ist zu erstaunlichen Kompromissen bereit. Das ist eine Strategie, mit der viele Frauen an ein Ziel gelangt sind, was ihnen sonst verwehrt geblieben wäre. Nicht sehr modern, ich weiß, aber die neue Generation der Frauen beherrscht dieses intuitive Strategiespiel der Frauen schon ganz gut.

Wir sind noch lange nicht aufgeklärt und emanzipiert.

Denkt Frau Henner und – legt den Kopf schief und lächelt.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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7 Kommentare zu „Weibchen und so“

  1. … Hat funktioniert: Ich biete dir hiermit offiziell an, deine Stunden bis zu den nächsten Ferien vorzubereiten!
    Eigentlich hätte ich in dem schönen Bericht noch ein Beispiel für eine dumme Frage erwartet. Ich hatte im Englischstudium ein solches Kaliber. Allerdings wurde da definitiv gelacht. Beispiel? Fragen aus dem Hauptstudium (ca. 7 Semester): „Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Substantiv und einem Subjekt?“ Oder im Hauptseminar über Shakespeares Tragödien: „Was ist ein Lear?“ Auch legendär sind ihre Einstiege in die Referate, wenn sie als Referenz immer ihren Papa angeführt hat: „Also mein Papi sagt, dass Feminismus…“ Ich erzähl echt keinen Schmarrn. Die war so! Und bei der letzten Frage war sie ca. 24!!!

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  2. Habt ihr alle gelesen, was Herr Mess mir angeboten hat?! Jaja, sagst du nur, weil wir uns so gut in der Anonymität verstecken können. Bei meinen Kollegen in der Schule zieht das nämlich leider nicht – auch nicht mit Weibchengetue und so. Irgendwas mache ich doch anders als meine Helena!
    Deine Beispiele sind übrigens: 😀 erste Sahne! „Was ist ein Lear?“ – Ich glaub es nicht… aber immerhin kommt man auch so durch ein Studium, wie es mir scheint. Tipp einer Frau zu mir vor der Prüfung: „Zieh auf alle Fälle ein Kleid an mit Ausschnitt – am besten Rot. Hat bei mir Wunder gewirkt.“ Aber keine Angst, auf dieses Niveau habe ich mich dann doch nicht eingelassen und mir gedacht, ich mach das lieber mal souverän mit Fachkenntnis.
    Hätt ich mal lieber auf die Frau mit dem roten Kleid gehört…

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    1. Hab es genau gelesen! 😀

      Machst du denn auch große Augen, wenn du den Kopf schief legst? So, wie der gestiefelte Kater? Das hilft nämlich auch.

      Und solche Mädchen hab ich in der Nachhilfe auch. Ich muss mal darauf achten, ob da meine Reaktion unterschiedlich ausfällt, ich bin da eigentlich immer nur im Thema und schau, dass ich das vermittelt bekomme.
      Aber gelacht wird da auch, z.B. wenn eine Schülerin, die nächstes Jahr ihr Abi machen mag und 7-3 nicht sofort hinbekommt, naja, da kommt halt der Hinweis, dass nebenan der Grundschulkurs ist. Sorry, aber das nehm ich mir raus.

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      1. Nee, das mit den großen Kulleraugen kriege ich nicht hin.
        Und übrigens ist 7-3 auch wirklich schwierig, wenn man das so aus dem Kalten heraus gefragt wird. Da bin ich ja stolz auf meine Siebener, die vor einer Weile mal den Taschenrechner rausgeholt haben, um rauszufinden, wieviel 42:7 ist. Die waren da zumindest im Schwierigkeitsgrad schon um einiges weiter.

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  3. Ein Lear ist eine Maßeinheit für dramatische Spannung, wusstet Ihr das denn nicht?

    (NB: bei uns treten die Weibchen in zwei Versionen auf:
    a) blond, schön, etwas kicherig, die lange Mähne werfend und Signale weiblicher Hilflosigkeit um sich streuend, in der Hoffnung, dass ein Retter naht

    b) schwarzhaarig, schön, mysteriös, still und abweisend, ebenfalls die lange Mähne werfend, aber auf eine sehr mysteriöse Art und Weise. Channelt „Die Nebel von Avalon“ oder die Präraffaeliten.

    Während a) ab und zu mal eine annehmbare Antwort rauswürgen, gefallen sich b) in zenartigem Schweigen, auch, wenn sie direkt angesprochen werden, wobei das Werfen ihrer Mähnen ausdrücken soll, dass sie zu geheimnisvoll und otherworldly sind, um über so banale Dinge wie das Grundgesetz nachzudenken.

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    1. Während ich genügend von der Sorte a) habe, sind die b)-Damen kaum bei mir vertreten. Dafür sitzen in der ersten Reihe die fleißigen Immer-Mitmacherinnen und die sind – das muss jetzt aber Zufall sein – fast alle ziemlich braunhaarig – ohjeh – hier sollten wir mit einer Typologie aufhören, sonst werden wir in die ganz falsche Ecke gesteckt! 😉

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