Schuld ist immer die Badehose!

Liebe Leser,

die Lehrproben der Referendare häufen sich. Während wir uns um unsere Abiturienten sorgen, gehen die Referendare gerade durch ein unentwegtes, emotionales Auf-und-Ab. Man umarmt sich nach geglückten Stunden, Kuchen werden für brave Schüler als Dankeschön gebacken und Taschentücher bei Enttäuschungen gereicht. Und letztere gibt es leider doch einige. Schon eine Drei ist eine Niederlage, eine Vier die Katastrophe. Beides kommt vor. Und immer ist der Prüfer schuld.

Sicher gibt es Prüfer, bei denen der Referendar spürt, dass die Chemie nicht stimmt. Und nicht jeder Prüfer kann seine Bewertungskriterien wirklich transparent machen und gut begründen. Aber ich stelle mir das auch schwierig vor. Eine Vier gibt man schließlich nicht, weil einem eine Nase nicht passt. Da müssen schon wirkliche Gründe vorliegen.

Und dann sitzt da der nervlich bis aufs letzte angespannte Referendar vor einem und ist nicht mehr in der Lage der ausführlichen Notenbegründung zu folgen. Im Lehrerzimmer kommt dann unter Tränen nur noch an: „Der Prüfer hat gesagt, die Arbeitsaufträge waren nicht zielführend. Das kann doch nicht gleich eine Vier sind?!“

Ansonsten war die Stunde nämlich völlig in Ordnung – in den Augen des Referendars.

Nun will ich nicht behaupten, dass jede Note objektiv ist und das nie Fehler bei Bewertungen gemacht werden. Aber es ist auch nicht fair, die guten Noten mit der eigenen Leistung zu begründen und bei schlechten dem Prüfer Ungerechtigkeit vorzuwerfen. Das kann im Einzelfall zwar mal so sein, aber es ist ganz sicher nicht die Regel. In der Regel sitzen da zwei Prüfer, die sich einigen müssen auf eine Note und sie haben Kriterien, die sie beachten müssen und diskutieren. Und in der Regel war bei einer Vier nicht nur der Arbeitsauftrag wenig zielführend, sondern noch anderes nicht in Ordnung.

Als ich Kind war, hat man gesagt: Der Nichtschwimmer schiebt es auch auf die Badehose. Das empfindet man als Kind in einer Situation, in der man sich ungerecht behandelt fühlt, natürlich als Hohn. Als Referendar ist es bitter – aber hey: es kommen noch mehr Lehrproben, der Schnitt ist nicht so wichtig wie das Vorstellungsgespräch, das Leben ist ungerecht, später habt ihr eine nette Story fürs Lehrerzimmer… was soll ich sagen?

Ich schweige. Ich war nicht in der Prüfung dabei. Ich werde mir kein Urteil erlauben. Und ich werde nicht auf den Prüfer schimpfen, liebe Kollegen, das kann euch alle treffen. Ihr könnt alle einmal Prüfer werden.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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13 Kommentare zu „Schuld ist immer die Badehose!“

  1. Bei der momentanen Einstellungspraxis geht ohne mindesten 1, 5er-Lehrproben eben später gar nichts. (Weder Liste noch schulscharf. Mit D, E, G, Ek usw. schon gleich dreimal nicht) Das ist das Problem.

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    1. Ganz so schwarzsehen würde ich nicht. Schulscharf hat man immer eine Chance, wenn man bereit ist, auch in die Provinz zu gehen. Und das sind unsere Referendare, weil sie die Vorteile einer Landschule ja schon kennen lernen durften. Da haben alle in den letzten Jahren etwas bekommen. Und wer keine 1,5 vorzuweisen hat und das sind viele – wartet eben mit der lebenslangen Verbeamtung ein wenig länger. Da das aber sowieso heute viel schneller geht, als noch vor zehn Jahren, als ich eingestellt wurde, finde ich, ist das noch kein Grund, sich zu beklagen.
      Aber es stimmt schon, dass es mit diesen Fächern momentan etwas schwieriger ist, das rechtfertigt jedoch auch nicht das Vergeben von guten Noten, wenn die Leistung nicht dementsprechend war.

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  2. Eine Vier ist natürlich eine Katastophe.
    Aber die Vier und die Drei werden doch nur vergeben, wenn etwas wirklich nicht stimmt. Außerdem gibt es eine Prüfungskommission (in Bayern drei Menschen), und da relativiert sich doch manches.

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    1. Genau darauf wollte ich hinaus. Eine Vier ist ein deutliches Signal. Wenn ich ansonsten recht gut war, macht die eine Vier sowieso nicht so viel im Schnitt aus, aber ich muss vielleicht anerkennen, dass tatsächlich etwas nicht gestimmt hat. Jeder kann mal eine Stunde vergeigen und sich in der Konzeption verrennen. Shit happens.

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  3. Ich stürze mich dann mal auf den Strohhalm „der Schnitt ist nicht so wichtig“ … :mrgreen:
    Das Zentrum für Lehrerbildung klatschte uns schon vor dem ersten Semester Zahlen wie „mit einem 1. Staatsexamen ohne 1 vorm Komma haben Sie schon ernsthafte Probleme, bei allem unter 2,2 können Sie es ganz lassen, wenn Sie Sprachen studieren“ an den Kopf, fürs Ref wurde uns auch der magische 1,5 Schnitt genannt. Hach, nä, der Notendruck, das macht auch keinen Spaß. Das ist bei mir auch das Hauptproblem, ich will mir jetzt noch gar nicht ausmalen, unter was für einem Strom ich dann stehen werde…
    Aber nein, der Prüfer ist sicherlich nicht immer an allem schuld. 😉

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    1. Schulscharf gibt es auch in BaWü und heißt einfach, dass die Schule selbst eine Stelle ausschreiben darf und besetzen. Eine prima Sache, weil so Lehrer an die Schule kommen, deren Fächer gebraucht werden, und der Direktor bei mehreren Bewerbern den auswählen kann, von dem er glaubt, dass er das Kollegium sinnvoll ergänzt.
      Aber der Begriff ist tatsächlich zum Haaresträuben.

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  4. Überhaupt sind die KuMi sehr kreativ im erfinden neuer Begriffe:
    „Entwurf Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes für Baden-Württemberg und anderer Vorschriften:
    3b) In Absatz 1 Satz 1 wird das Wort „Förderschulen“ durch die Wörter „sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit Förderschwerpunkt Lernen“ ersetzt.“

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  5. Erfolgsorientiert (und misserfolgsorientiert)… Das trifft eben nicht nur auf Schüler zu. Ich versuche mich gerade an eine Studie zu erinnern. Ich meine, sie besagte, dass Jungen eher erfolgsorientiert und Mädchen eher misserfolgsorientiert sind. Interessant wäre es ja, ob das auf Referendare auch als Tendenz zu erkennen ist.

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