Bedrohliche Nachrichten

Liebe Leser,

die Ferien habe ich schön verteilt das Abitur korrigiert, Unterricht vorbereitet und mir Klausuren ausgedacht und es blieb noch viel schöne Zeit der Muße, um zum Beispiel mal wieder regelmäßig Zeitung zu lesen. Das vernachlässige ich sonst. Einen kurzen Überblick gibt mir morgens das Radio. Dann fühle ich mich informiert und habe keine schlimmen Bilder im Kopf. Fernsehen gucke ich nicht und Zeitung wie gesagt… oh je. Dabei bin ich gar nicht ignorant oder desinteressiert.

Aber jetzt nach zwei Wochen regelmäßigem Zeitungskonsum merke ich, wie mich diese Flut von bedrohlichen Nachrichten und kaum zu ertragenden Bildern verändert. Ganz besonders mitgenommen hat mich neben allen Terrormeldungen ein Bericht über die Menschenjagd auf Albinos in Tansania. Es gibt diese Erbkrankheit in Tansania recht häufig und die Bevölkerung hängt dem Irrglauben nach, dass ein Stück eines Albinomenschen Glück brächte, was zu grausamen Verstümmelungen führt. Kleinen Kindern werden die Gliedmaßen gewaltsam abgetrennt, von Wunderheilern in Stücke geschnitten und an gutbezahlende Kunden im Innland verkauft. Das zu wissen, ist wichtig und schlimm gleichzeitig, denn was kann ich denn tun? Es aber nur zu wissen – wie von vielen anderen Grausamkeiten auch – aber nichts tun zu können, versetzt mich in einen Alarmzustand, der aber zwangsläufig ins Leere laufen muss.

Meine Umwelt mitgestalten, ist kein Dauerhilfsmittel. Es gibt mir zwar ein gutes Gefühl, wenn ich helfen kann. Ich freue mich, dass „unseren“ syrischen Flüchtlingen viel Gutes getan wird, vielleicht könnte ich Sprachunterricht erteilen oder mich anderweitig nützlich machen?, aber das ändert nichts daran, dass anderswo Menschen Menschen töten. Wir wissen es.

Wenn nächste Woche die Schule wieder losgeht und die neuen Klausuren auf meinem Tisch liegen, werde ich weniger Zeit für die Zeitung haben. Es wird mir dann besser gehen. Auch wenn es vielen anderen Menschen auf der Welt immer noch genauso schlecht geht. Das ist eine bloße Feststellung, nicht zynisch gemeint. Ich bin nur ehrlich.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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Ein Gedanke zu „Bedrohliche Nachrichten“

  1. Sehr schön geschrieben! Mir ging es diese Woche genauso, mehrfach, eine Mischung aus Hilflosigkeit, Wut darüber und dem schlechten Gewissen, angesichts so vieler Missstände nichts tun zu können, um diese aus der Welt zu schaffen. Polizeigewalt in den USA, das, was der IS den Menschen, aber auch den Kulturgütern antut… Und wir können nur tatenlos dabei zusehen.

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