Unvorbereiteter Unterricht

Liebe Leser,

vor einiger Zeit las ich in einem Lehrerblog, dass eine gute Vorbereitung zum A und O eines guten Lehrers gehört. Schlechte Stunden seien oftmals die unvorbereiteten. Da muss ich zugeben, ich bin ab und zu ein miserabler Lehrer – nämlich völlig unvorbereitet. Und jetzt kommt’s: das werden meine besten Stunden!

Heute zum Beispiel musste ich soviel Nebenbeikram erledigen, dass ich selbst für die Toilette keine Zeit hatte – geschweigedenn mir darüber Gedanken zu machen, was ich heute mit den Sechsern mache. Ja, das am gleichen Tag zu planen, ist zeitlich riskant, ich weiß, aber so spielt das Leben manchmal. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinen Schülern machen sollte, und dachte in der Pause: Dann nehme ich halt meinen Bilderordner und lasse die Kinderlein ein paar nette Geschichten schreiben.

Als es jedoch zur Stunde klingelt, denke ich: Nö, das ist doch lullibulli, mach ordentlichen Unterricht, Frau Henner! Und meist kommt mir in solchen Momenten ein Geistesblitz. Splash und bling! Da ist er schon. Wow, genau, das mache ich heute – passt prima an die letzte Stunde, macht meinen Rackern sicher Spaß und sie merken nicht mal, dass sie was lernen.

Beschwingt gehe ich in die Stunde und unterrichte. Die Unterrichtsphasen schnurren herab, als hätte ich als Referendarin zwei Nächte dran getüftelt. Die Sechser haben tatsächlich Spaß, Hannah hat einen Aha-Effekt, es ist kurzweilig und lehrreich und sogar das nebenbei entstehende Tafelbild wirkt wie aus dem Lehrbuch. Als die Kinder rausrennen, mault niemand über die Hausaufgaben, die die Stunde wunderbar abrundet. Heute am Mittagstisch werden ein paar vom coolen Unterricht bei Frau Henner erzählen. Yeah!

Ganz ehrlich – hätte ich diese Stunde geplant, ich bezweifle, dass sie so lebendig geworden wäre. Da mir solche Geistesblitze regelmäßig kommen, merke ich – und bin froh darüber, dass ich in diesem Beruf richtig bin. Ich bin auch unvorbereitet ein guter Lehrer. Nicht perfekt – nein bei Weitem nicht – aber gut. Und das gibt mir wieder Kraft. Nicht aufgeben, Frau Henner! Weitermachen! Es lohnt sich!

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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9 Kommentare zu „Unvorbereiteter Unterricht“

    1. Neulich hatte ich ein Mäuschen hintendrin und die Austauschlehrerin war recht beeindruckt, wie aktiviert die Kinder gewesen waren – aber ich habe ihr nicht gesagt, dass das eine spontane Aktion war, fiel mir halt so ein, mit ein bisschen mehr Publikum werde ich sogar zum Entertainer. Hätte ich früher nie von mir selbst gedacht.

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  1. Das sehe ich auch so, an solchen Stunden merkt man, dass man ein guter Lehrer ist. Und es fühlt sich toll an, eine schöne Stunde unterrichtet zu haben und zu sehen, wie die Schüler das auch Aufnehmen.
    Einer Freundin geht es aktuell ähnlich, zwischen Abi und persönlichen Sorgen eher weniger Zeit, aber der Unterricht läuft.
    Ich merke da immer wieder, bzw. immer wieder aufs Neue, dass ich das nicht könnte.

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    1. Ja, das ist absolut Typsache. Ich bewundere schon die akuraten Kollegen mit ihren ausgefeilten Entwürfen. Das bin ich einfach nicht – ich bin der Aus-dem-spontanen-Chaos-entwächst-die-Stundenstruktur-Typ. Das Schöne ist, das beides zu funktionieren scheint, wenn man ein guter Lehrer ist. Es gibt nicht den einen Weg.

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  2. Auch schön: Man hat am Vortag eine Unterrichtsstunde vorgeplant und aus einer Laune heraus dann alles im Unterricht umgeschmissen – und es hat dennoch funktioniert! (30 Jahre Erfahrung stehen allerdings dahinter).

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    1. Kenne ich gut, passiert mir meist dann, wenn ich eine fertige Stunde von Vorjahren nehme und dann merke: Heyho, das funktioniert hier aber gar nicht! Zum Glück kann ich mich dann auf meine Intuition verlassen, die die Stunde dann trotzdem noch umbiegt. Du hast aber Recht – es gehört schon Erfahrung dazu. Das würde ich nicht machen, glaube ich, wenn ich etwas zum allerersten Mal unterrichte.

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  3. Zu sowas bin ich leider noch zu feige. Ich hab immer das Gefühl, dass man mir meine Unsicherheit anmerkt, wenn ich plötzlich ohne Konzept vor der KLasse und den nächsten 45 Minuten stehe. Aber vielleicht ist’s wirklich mal einen Versuch wert. Am Besten bei einer Klasse, wo’s es egal ist 😉

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    1. Probier es aus, dann merkst du, ob es funktioniert, denn ich glaube, das ist wirklich Typsache. Ich merke halt für mich, dass mich fertige Unterrichtskonzepte zu sehr einschränken, weil ich viel mehr auf das Unterrichtsgeschehen reagieren will.

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