Die neue Stille – eine Metamorphose

Liebe Leser,

woran erkennt man, dass die eigene Tochter in die Pubertät kommt?

Am Türenknallen? Am Gezicke? Am neuen Interesse für Haarstyling?

Weit gefehlt! Es ist die Stille, die uns auf einen neuen Schritt im Leben unserer Tochter hinweist. Zum Glück war Lucy nie ein Kind, das morgens früh um 4.30 Uhr aus dem Bett krakeelte. Da wir damals in einem Mietshaus wohnten und die Familie unter uns ein eben solches Exemplar hatte, weiß ich, wovon ich rede. Niklas war spätesten um 5.30 auf – jeden Tag und verlangte von seinen Eltern das gleiche. Lucy hingegen war ein Langschläfer – gerne bis acht Uhr – herrlich! Dann kam sie, setzte sich zu uns ins Bett und guckte Bücher an. Wir hatten vorsorglich einen Stapel Bilderbücher in Reichweite und konnten so das wochenendliche Ausschlafen noch um gut eine Stunde verlängern. Als Lucy größer wurde, stand sie immer noch um acht auf, ließ uns aber in Ruhe und spielte in ihrem Zimmer. Wir hörten ihr Trapsen, die Türen, die Klospülung und waren beruhigt.

Ab diesen Ferien ist das anders. Wenn ich jetzt ausgeschlafen in ihr Zimmer komme, liegt sie völlig unter der Decke verschwunden im Bett, noch verquollen von der Nacht und sagt: „Ich steh noch nicht auf, ich bin müde!“ Aha, der Biorhythmus verschiebt sich. Aus Lerchen werden Eulen. Aus dem Kind wird eine junge Dame.

Bis jetzt haben wir keinen Streit deswegen. Lucy ist mit dem Frühstück noch relativ leicht aus dem Bett zu locken. Immerhin sind Ferien und es gibt Nutella. Wenn ich jedoch an unsere frühen Anfangszeiten in der Schule denke und das kommende Winterhalbjahr, dann werde ich einmal mehr unser deutsches Pflichtbewusstsein verfluchen, dass uns Eltern dazu zwingt, unsere heranwachsenden Kinder zu unmenschlichen Zeiten aus dem Bett zu werfen. Klassenarbeiten in der ersten Stunde kann ich möglicherweise gleich in den Wind schreiben, die Laune am Frühstückstisch auch…

Ach vielleicht wird das gar nicht so schlimm, wie ich es bei Bekannten erlebt habe. Jetzt genießen wir erst einmal das gemeinsame Ausschlafen. Sind ja Ferien…

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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4 Kommentare zu “Die neue Stille – eine Metamorphose”

    1. Jau!
      Aber in dieser Beziehung mache ich mir keine so großen Sorgen. Lucy hat halt andere Eltern, wir dulden von vornherein nicht soviel.
      Aber du hast schon Recht, ich habe keine Ahnung, wo unsere Grenzen liegen.
      Es bleibt spannend.

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