Fehlerhafte Arbeitsblätter

Liebe Leser,

ein Affenhitze liegt über Süddeutschland, selbst im Schatten glaubt man zu zerschmelzen. Lucy stapelt sich mit einer Freundin gerade im öffentlichen Freibad in der – wie sie es nennt – Menschensuppe. Das ist der richtige Moment, um drinnen im Kühlen noch ein bisschen Unterrichtsvorbereitung zu machen. Während anderswo in Deutschland schon mit den Sommerferien geliebäugelt wird, steht im Süden ja der große Endspurt an.

Im Grundkurs muss ich noch eine Klausur schreiben. Aber wer hat dazu bei dem Wetter in der neunten/zehnten Stunde Lust und Kraft? Ich bin ja kein Unmensch. Aber ich muss… Und korrigieren muss ich das auch noch. Und überhaupt, vielleicht erst einmal die Klausur konzipieren…

Ach und Abitursprüfungen, siedend heiß fällt mir ein, dass ich mich ja auch da noch ein bisschen vorbereiten sollte. Ich kenne mich zwar grob aus, aber hey, die Schüler haben doch sehr spezielle Themen gewählt. Also ran an die Recherche…

Meine Sechser muss ich noch motivieren, die fiebern dem Schullandheim entgehen – Oh Schreck, das Schullandheim, sollte ich da nicht noch etwas organisieren?… Brauche ich bei denen nicht noch eine Note fürs Zeugnis? Ich bin wahnsinnig motiviert…

Lucy ist im Freibad, das Wasser ist schön kühl…

Und wenn ich ein paar Arbeitsblätter aus der Wundertüte der Verlagswelt herausziehe und mich so die nächsten Tage über Wasser halte?

Boah, nee – Arbeitsblätter. Ich krame im Klett-Grauen. Früher war ich Cornelsen-Fan. Als Referendarin. Lang ist es her. Heute ist mir kaum noch eine Schulbuchverlag Recht. Überall sind Fehler in den Arbeitsblättern. Die Macher scheinen nicht wirklich tief in der Materie zu stecken, sonst müssten sie doch merken, dass viele Aufgaben mit dem Wissen der Schüler nicht eindeutig oder auch gar nicht richtig zu lösen sind.  Besonders bei Grammatik fällt mir das immer wieder auf.

Wenn ich als Lehrer die Lösung brauche, um die Lücken auszufüllen, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Ich habe selbst keine Ahnung,

2. das Arbeitsblatt ist fehlerhaft oder nicht gut durchdacht.

Und liebe Verlage, Frau Henner hat Ahnung! Also setze ich mich an den Computer und stelle sie doch wieder selbst her, die Arbeitsblätter. Dann weiß ich genau, was drin steht und dass es funktioniert. Und ihr habt mal wieder nichts an mir verdient. Denn ich kaufe kaum mehr etwas. In den kostenlosen Probeexemplaren sind schon zu viele Fehler oder unangemessene Aufgaben. Dabei machen die Verlage so einen Wind drum.

Hach ein schöner Wind… nichts wie raus in die Menschensuppe!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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22 Kommentare zu “Fehlerhafte Arbeitsblätter”

  1. Ohja, ich weiß noch gut, wie wir uns gefühlt alle 2 Wochen aufgeregt haben, weil Fehler im Lehrbuch waren. „Ich schreib‘ an Cornelsen, so geht das doch nicht!“, hat die Englischlehrerin immer gewettert. Tja. Und dann, naja dann, dann saß ich in der Uni quasi in einer Werbeveranstaltung für Cornelsen. Ein nicht unwichtiger Mitarbeiter des Verlags war nämlich mein Dozent. Nä, gar nicht angenehm…
    Wenn man will, dass was richtig gemacht wird, macht man’s eben doch am besten selbst. 😉

    Genieß die Sonne, Frau Henner! Hier in UK dümpeln wir bei 15-20 Grad rum.

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  2. Ich hoffe, du hast es dir heute gutgehen lassen und eher ein leckeres Eis gegessen! 🙂

    Die Schulbücher, die ich durch die Nachhilfe zu sehen bekomme, die sind auch nicht immer das Gelbe vom Ei. Fragwürde Formulierungen, fehlende Aufgabenstellung („Herr XYZ legt 10.000€zu 2% für acht Jahre an.“) oder gar fehlende Zahlenangaben, ohne die man die Aufgaben gar nicht erst bearbeiten kann. Schrecklich. Und die lieben Lambacher Schweizer, die die Aufgaben aus dem regulären Schulbuch ins Arbeitsheft outourcen, ganz toll!

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    1. Lambacher Schweizer… Ich kann ein Lied davon singen. In Kombination mit einem anscheinend stinkfaulen Mathelehrer, der mit 100%iger Sicherheit nie länger als 10 Minuten braucht um eine Doppelstunde bei uns zu planen, ist das echt alles Andere als spaßig… Die Texte mit so unpassenden Beispielen, dass er sie selbst nicht mal versteht, Begriffe in erklärenden Texten, die man normalerweise noch nicht einmal in der Oberstufe zu wissen braucht und einem Lösungsheft, in dem man nach Aufgaben mit richtigen Lösungen quasi suchen muss…

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      1. Deckt sich mit meinen Erfahrungen und dem Fazit meiner Lehrerfreunde. Aber ja, was soll man da machen? Wenn ich da an meine alten Schulbücher denke, da taugten auf jeden Fall die Aufgaben, von denen es reichlich gab, und die Erklärungen waren auch ganz ok.

        Schwarze Lehrerschafe machen es dann natürlich definitiv nicht besser.

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    2. Das ist allgemein die Masche: Arbeitshefte bringen mehr Umsatz und uns fehlen die Übungen in den Büchern – auch in Deutsch. Kein Fünftklässler kapiert, was eine Präposition ist, wenn ich sie auf einer Schulbuchseite abhandele mit einer Markierungsübung!

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  3. Das Problem ist, dass die Verlage alle immer schneller publizieren und ein fachliches Lektorat dabei auf der Strecke bleibt bzw. gar nicht mehr gemacht wird.
    Bei unserer jährlichen Tagung sind die großen Schulbuchverlage auch immer am Start. Deren Vertreter sind mir eigentlich alle gleich unsympathisch, genauso wie die Schulbücher. Die sind zumindest was meine Fächer angeht zu bunt und sie „wachsen“ nicht mit den Schülern mit, denn ich kann nem 5.Klässler nicht dasselbe Buch in Latein zumuten wie einem 9.Klässler.

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    1. In Deutsch ist man von der ganz bunten Masche zum Glück gerade wieder weg, aber zuwenig Übungen (siehe oben) und oft ungenaue Aufgabenstellungen und auch nicht lösbare. Zum Beispiel: Den Schülern wird der Unterschied zwischen starken und schwachen Verben erklärt und der Übungstext ist a) voll Passivkonstruktionen, die die Schüler noch gar nicht kennen und nur verwirren und b) voll Verben, die weder stark noch schwach sind, sondern gemischt. Will man mich veräppeln?

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  4. Apropos Lambacher Schweizer: Bei uns an der Schule waren die Lösungsbücher und -hefte berüchtigt wegen ihrer Fehler. Ich habe mich auch schon vor Jahren darüber aufgeregt, dass der Verlag keine Platform anbietet, um solche Mängel abzustellen. Wieso gibt es keine Rückmeldefunktion für Lehrer und Lehrerinnen? Hat man da Angst zuzugeben, dass man fehlbar ist? Oder sind die Fehler so häufig, dass man das besser nicht öffentlich macht?

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  5. Liebe Frau Henner, ich finde es sehr löblich, dass du eigene Arbeitsblätter kreierst. Ich würde das gerne auch häufiger machen, aber mir fehlt dazu die Zeit. Schließlich habe ich nicht ein 30%-Deputat, damit ich mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung habe, sondern weil ich drei kleine Kinder habe um die ich mich kümmern möchte. Was ich aber eigentlich beitragen möchte: Ich finde es sehr schade, dass die Kollegen einer Fachschaft an einer Schule so wenig zusammen arbeiten und nicht ihre Materialien regelmäßig untereinander austauschen. Und über die Schulgrenzen hinweg, dass nicht mehr Kollegen Ambitionen haben, Netzwerke zu bilden. Das wäre so viel effezienter, als wenn jeder stundenlang eigene Arbeitsblätter macht…

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      1. Danke für den Hinweis.
        Ich glaube das Problem liegt im Lehrersein selbst. Ich tausche mich gerne mit zwei Kolleginnen aus. Sie geben mir was von sich, ich gebe ihnen meinen Kram. Wir stellen unsere Vorbereitungsordner so auf die Tische im Lehrerzimmer, dass jeder an den jeweils anderen rankann. Aber das ist eher die Ausnahme.
        Lehrer sind Eigenbrötler, Lehrer glauben eh, nur sie machen das richtige Arbeitsblatt, Lehrer sind Sammler, aber keine Abgeber, Lehrer haben am anderen immer was zu meckern – das ist natürlich provokant gemeint, aber es deckt sich auch mit den Erfahrungen. Bei den obigen Kolleginnen weiß ich, dass wir auf einer Wellenlänge liegen und ähnliche Ansprüche haben. Und ich weiß, wenn ich einen Fehler finde, kann ich hingehen und es ihnen sagen, ohne dass irgend jemandem eine Zacke aus der Krone fällt. Kritik ist nämlich auch nicht so Lehrersache – was das Selbsteinstecken anbelangt.

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