Liebster Blog Award

Liebe Leser,

Hohlstunde, endlich ist die Pauenschlange am Lehrerklo verschwunden! Als ich erleichtert wieder in den leeren Schulflur trete, sehe ich einen Abiturienten, der mich noch nicht bemerkt hat. Er hat mir den Rücken zugewandt und pfeift ein kleine Melodie vor sich hin. Jetzt streckt er die Arme auf beiden Seiten aus, lässt die Hüften kreisen, macht einen kleinen Ausfallschritt und tanzt zu der Musik in seinem Kopf. Drei Sekunden Lebensfreude pur. Auch das ist Abitur!

Ich schleiche mich heimlich davon, die Freude soll nicht in Peinlichkeit umschlagen, wenn er bemerken würde, dass ich ihn beobachtet habe. Aber zu Peinlichkeiten weiter unten noch.

Wenn ich das richtig verstanden habe, hat mich die liebste Bloggerin für den liebsten-Blog-Award nominiert und fragt an, ob ich die Nominierung annehme. Auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, was das genau ist, nehme ich die Nominierung an und freue mich – wer freut sich nicht über wohlmeinende Leser – also vielen Dank für die Nominierung liebste Bloggerin! So lernt man immer wieder kleinere Blog kennen, liest eine Weile mit, steigt wieder aus oder bleibt auch hängen und erweitert seinen Horizont. So ganz umsonst gibts diese Nominierung nicht, also beantworte ich die elf Fragen, die mir gestellt wurden, sehr gerne:

1. Vier Wochen Bahamas im Doppelbett mit einer (für dich) extrem nervigen Person deiner Wahl oder 1 Jahr lang deine/n Liebste/n nur 1 mal im Monat sehen?

Wer denkt sich so eine Frage aus? Doppelbett? Mit Frau Ratzke? Dann lieber Herrn Henner nur einmal im Monat sehen, die Liebe hält das aus. Wenn wir zwischenzeitlich telefonieren könnten… aber Bahamas und nur einen Monat? Vielleicht kann ich die Ratzke abends mit Kokosschnaps abfüllen…

2. Was ist das langweiligste Buch, dass du jemals gelesen hast?

Ich bin ganz ehrlich, wenn Bücher sehr langweilig werden, lege ich sie weg. Ich habe jahrelang mit meiner Mutter einen kleinen Streit geführt, weil sie mir eines ihrer Lieblingsbücher (Franz Werfel: Die vierzig Tage des Musa Dag) ans Herz gelegt hat mit den Worten: „Ab Seite fünfzig kannst du es dann nicht mehr weglegen!“ Wenn ich nur bis Seite fünfzig gekommen wäre. Wahrscheinlich ist es ein großartiges Buch, allein, ich fand keinen Zugang. Kurz gesagt: Ich habe kein langweiliges Buch zuende gelesen.

3. Denk mal an deine Schulzeit zurück: Wer war deine/dein liebster Lehrer/in und was hat sie/ihn ausgemacht?

Einen wirklichen Lieblingslehrer hatte ich nicht, aber meinen Deutschlehrer in der Oberstufe behalte ich in guter Erinnerung, weil er viel gefordert und auch kreativen Unterricht gemacht hat und dabei die Nixblicker und Luschen mit ganz trockenem Humor auf ihre Plätze verwiesen hat. Diese kleinen, sarkastischen Seitenhiebe haben mir imponiert. Andere Lehrer haben sich immer nur aufgeregt, seine Nadelstiche waren viel wirkungsvoller. Er wurde ernst genommen.

4. Wenn dein Leben verfilmt würde, welche peinliche Szene wäre dann das Highlight des Filmes und welche/r Schauspieler/in würde dich dabei spielen und mit dir über dieses Erlebnis sprechen?

Peinliche Szenen? Zum Glück bin ich anonym! Meine peinlichen Szenen haben seltsamerweise immer mit einer Bühne zu tun. Als Jugendliche ein Pups beim Auftritt in der propper gefüllten Stadthalle einer kleinen Großstadt (Ja, jetzt wisst ihr es, ich war es, auch wenn ich genauso erstaunt und unschuldig geguckt habe wie alle anderen!), das Zittern meiner Beine bei einem Gesangsauftritt in der randvoll gefüllten Schulaula, mein Stolperer als Studentin beim Auftritt im Musiksaal der Musikhochschule… sonst stürze und falle ich selten, ich bin kein Tollpatsch, aber Bühnen versetzen mich in Panik, mein Lampenfieber ist unglaublich. Also müsste diese Rolle eine Schauspielerin übernehmen, die genau das kennt: trockene Kehle, unkontrollierbare Gliedmaßen, schweißgebadete Hände. Doch welche Schauspielerin würde das zugeben? Sie wäre dann ja nicht mehr anonym.

Seltsamerweise habe ich dieses Gefühl in der Schule nie – nicht mal, wenn der große Chef hintendrin sitzt und der Overhead nicht funktioniert. Wahrscheinlich habe ich doch die richtige Berufswahl getroffen.

5. Welche Serie sollte dringend mal abgesetzt werden?

Serie? Ich gucke kein Fernsehen – gar keins.

6. Wenn du in einer anderen Zeitepoche/ Gesellschaft/ Kultur leben könntest, welche würdest du wählen?

Sehr spannend finde ich das 19. Jahrhundert, weil sich dort so viel entwickelt, aber auch noch so viel offen ist – und weil es da medizinisch nicht mehr ganz so schlimm ist wie im Mittelalter! Ganz ehrlich, wer will schon auf moderne Zahnmedizin verzichten?!

7. Welchen Cocktail oder welche (zufällige) Küchenkreation willst du deinen Lesern gerne präsentieren und warum?

Wollte ich eine Küchenkreation präsentieren, würde ich mich auf chefkoch.de engagieren.

8. Wenn du dich ein Jahr lang nur von einer bestimmten Landesküche ernähren könntest, welche wäre es?

Italienische Küche – Ich liebe thailändisches Curry, aber kann es nicht jeden Tag essen – Pasta hingegen geht immer!

9. Welches Hobby kannst du uns wärmstens empfehlen?

Stricken hält doppelt warm, einmal wenn man es tut und das Produkt hinterher sowieso. Wenn man Bloggen als Hobby bezeichnen kann, dann auch das, vorausgesetzt man hat Freude am Schreiben. Bloggen bringt den Verstand auf Temperaturen. Und dann natürlich das Singen, das ist etwas, um dann auch noch das Herz warm zu halten.

Kopf, Herz und Hand!

Bloggen, Singen und Stricken – yeah!

10. Auf welches deiner bisher halbwegs erfolgreich in die Tat umgesetzten Projekte (z.B. DIY, handwerkliches …) kannst du ziemlich stolz sein – auch wenn andere das vielleicht nicht so sehen.

Als meine Tochter Lucy klein war, hat sie keine fertigen Möbel bekommen, sondern ich habe alte „restauriert“: geschliffen, in verschiedenen Farben bemalt, Farbschichten wieder abgeschliffen, Mit Schablonen Tiere darauf gemalt, Kalenderbilder ausgeschnitten und daraufcollagiert und das Ganze lackiert. Ich liebe diese Möbel noch immer, auch wenn Lucy inzwischen ein modernes Jugendzimmer hat. Sie warten auf dem Dachboden auf einen neuen Einsatz in fünfzehn bis fünfundzwanzig Jahren! Und wenn Lucy dann da selbst nochmal drüberstreichen will, gerne, dann wäre das eine neue Familientradition.

11. Gibt es ein Blog-Thema, über das du gerne mal schreiben würdest, von dem du aber denkst, dass es so gut wie niemanden interessieren würde?

Jedes Thema findet seine Leser, so absurd es auch ist. Ich empfinde zum Beispiel manchmal gezähmte Triebe und würde gerne mal darüber schreiben, aber es passt nie in den Lehrerblog.

Kennt das jemand? Du sitzt im Theater oder Opernhaus und das Licht geht aus, alle räuspern sich noch mal und in diesem Moment habe ich den Drang, ganz laut etwas absolut Unflätiges in die Stille des gespannt wartenden Saales zu rufen. Das ist ein sekundenlanger Kampf, den ich immer gewinne. Aber warum will ich so etwas Absurdes überhaupt tun?

Interessiert das jemanden?

Meine Nominierung folgt in Kürze.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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8 Kommentare zu „Liebster Blog Award“

  1. Danke für die Annahme der Nominierung! Auch wenn ich Liebste Bloggerin heiße (selbsterfüllende Prophezeiung 😉 ), habe ich mir den „Award“ nicht ausgedacht. Der Sinn des Ganzen ist es, dass sich kleinere Blogs untereinander empfehlen können und die Leser die Blogger vielleicht mal von einer ganz anderen Seite kennen lernen können.

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  2. Schreib den Eintrag doch einfach einmal, wenn er dich reizt! Vielleicht findet er nicht den Anklang deiner übrigen Einträge, aber es ist ja auch dein Blog, und wenn es dich beschäftigt, hat es auch seinen Platz verdient. 😉

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