Vorfreude

Liebe Leser,

das Schuljahr ist noch nicht herum, aber ich kann schon ein paar Noten fertig machen und bin recht zufrieden. Wenig Überflieger, aber doch viele, viele gute Schüler. Inzwischen weiß ich auch, dass uns Ronja und Fabrice verlassen werden und ich bin ehrlich überzeugt, dass das für das Wohl dieser Kinder die beste Entscheidung ist, die die Eltern haben treffen können. Jetzt haben beide die Chance, auch einmal gelobt zu werden für etwas, was sie leisten. Fabrice hat am Ende nur noch Vierer von mir bekommen und das schon mit Augenzudrücken, dabei hat er sich angestrengt. Wenn sich einer wirklich anstrengt, tut mir die Vier dann selbst leid. Aber mehr als ausreichend ist sein Ergebnis eben nicht gewesen.

Vielleicht liegt es daran, dass ich mit den Noten einen Schlussstrich unter zwei Jahre mit dieser Klasse setze, dass ich mich emotional schon verabschiede. Jetzt, wo sie als Klasse zusammengewachsen sind, wo ihre aufgeweckte Art produktiv in den Unterricht einmündet, jetzt wo es rund läuft, müssen wir sie abgeben. Das ist schade und irgendwie trotzdem richtig, denn anstatt mich irgendwelchen Reflexionen hinzugeben, freue ich mich auf die neuen Fünfer! Ich plane, wie ich die Klassengemeinschaft fördern, wie ich differenzieren, wie ich Rituale festigen kann. Ich überlege, wie ich endlich das Klassenzimmer gemütlicher gestalte und bestelle mir das neue Lehrbuch, das wir seit einem Jahr benutzen, für mich aber ganz neu sein wird, weil die Sechser noch das alte hatten. Am liebsten würde ich morgen anfangen…

Die schöne Vorfreue zeigt mir, dass ich noch gerne Lehrer bin, dass ich nicht urlaubsreif über die letzten Wochen krauche, dass meine Lebensfreude nicht so leicht auszumerzen ist, weit weg vom Burnout. Meine Sechser haben mir zwei aufregende und schöne Jahre beschert. Eine Inventur steht noch aus. Aber dazu ein andermal. Jetzt will ich lieber auf den Dachboden gehen und gucken, ob ich nicht ein altes Möbelstück für das neue Klassenzimmer finde…

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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3 Kommentare zu „Vorfreude“

  1. Sehr schöner Eintrag. Und ja, das ist ein sehr gutes Zeichen, dass du dich bereits auf die kommenden Schüler freust. Das musst du dir bewahren.
    Und deine aktuellen Sechser, die werden dir sicherlich dankbar sein für die eingeübten Rituale und dein Engagement. Vielleicht nicht sofort, aber sie werden immer mit Freude an dich denken. Jede Wette. 🙂

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    1. Auf alle Fälle macht es auch das Unterrichten in der Oberstufe leichter – ich gewinne zu den Schülern, die ich schon als kleine Dreikäsehochs kannte, schneller eine gute Beziehung und somit auch Arbeitsbasis. Schade nur, dass sie zwischendrin manchmal so pubertär ignorant sind und so tun, als kennen sie einen gar nicht. Aber vielleicht ist das wie beim eigenen Kind: Man muss sich erst einmal abnabeln und dazu gehört Abstand.

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