Vorurteile

Liebe Leser,

heute finde ich die Liste der Namen mit den neuen Fünfern in meinem Fach. Das sorgt bei den dabeistehenden Kollegen natürlich wieder für ein bisschen Erheiterung, aber im Großen und Ganzen kann die Klischeekiste zubleiben. Viel interessanter finde ich, dass die Kinder nicht alphabetisch, sondern nach ihren Wohnorten geordnet sind. Sofort klingen mir die Worte der Grundschullehrerin aus einem der Orte im Ohr: „Also, was da zu Ihnen kommt, das wäre früher alles Hauptschule gewesen!“

So eine Pauschalisierung ist schwierig, das weiß jeder. Und damit diskreditiert sich die Aussage von selbst. Aber wie das so mit den Klischees und Vorurteilen ist, sie entstehen nicht aus heiterem Himmel – auch das weiß ich. Will ich das eigentlich wissen? Will ich nicht völlig unvoreingenommen an die Kinderleins herangehen? Kann ich überhaupt unvoreingenommen sein? Kann es mir nicht völlig wurscht sein, was eine Grundschullehrerin sagt?

Auf der anderen Seite ahne ich so, dass ich von Anfang an sehr kleinschrittig und fördernd vorgehen muss. Ich könnte nun vielleicht noch einmal gezielt mit der Lehrerin sprechen – ohne dass sie mir Namen nennt, mir aber schon sagt, welche Gebiete in ihren Augen besondere Beachtung geschenkt bekommen sollten.

Ich bin hin- und hergerissen. Ich kann mich nicht freimachen von dem Gesagten, will aber den Kindern nicht mit Vorurteilen begegnen. Es ist manchmal wirklich schwierig, ein guter Lehrer zu sein!

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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7 Kommentare zu “Vorurteile”

  1. Aber ein guter Lehrer zeichent sich dadurch aus, dass ihm – oder in diesem Fall ihr – das bewusst ist. 😉
    Sicher, es werden genug Schüler dabei sein, die eigentlich nicht aufs Gymnasium gehören, aber du kannst nur offen an die Sache herangehen und jedem seine Chance gewähren, ohne dabei das Tempo zu sehr rauszunehmen.

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        1. Ich habe mich heute dazu entschlossen, die Kinderleins erst einmal gern zu haben. Klingt seltsam, aber ich habe mir die Namen noch einmal durchgelesen und sie vor mich hingesprochen (sofern mir die Aussprache bekannt ist 😉 ) und gemerkt, dass das hilft. Es sind ein paar sehr hübsche Namen dabei und – VORURTEIL! – das gibt mir das Gefühl, dass das schon irgendwie klappen wird.

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          1. Ach, wieso seltsam? Ich finde das gut, dass du die Kinder trotz ihrer Stärken und Schwächen als Mensch wahrnimmst und schätzt! 🙂
            Und vielleicht, ach was, sicher wird es die ein oder andere positive Überraschung geben. Garantiert!

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              1. Ah, ok, jetzt komme ich mit, bitte entschuldige die lange Leitung! 😳
                Naja, irgendwann ist man angesichts der tatsächlichen Umstände auch ein wenig gefrustet, weil Klischee/Vourteil und Realität oft doch zusammenpassen.

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