Liebe Sophie!

Liebe Leser,

da einige von euch schon in den Ferien oder einfach nur im Urlaub sind, möchte ich ein kleines Büchlein empfehlen, was ich mit sehr viel Freude gelesen  habe, weil es mir aus dem Herzen spricht, aber keinen larmoyante Ton trifft, sondern ein sehr liebevoll geschriebenes Büchlein ist.  121 Seiten schafft man auch locker an einem Wochenende – und es lohnt sich. Henning Sußebach, einigen als Journalist der ZEIT bekannt, hat einen Brief an seine zwölfjährige Tochter Sophie verfasst, der sich zu diesem Text ausgewachsen hat und schlicht „Liebe Sophie“ heißt. Darin beschreibt er sein ungutes Gefühl, wenn seine Tochter länger als er an ihrer „Arbeit“ (Hausaufgaben) sitzt und keine Zeit hat, mit ihm unter der Woche spontan ins Schwimmbad zu gehen. Es ist ein Text, der über Kindheitsmodelle sinniert, sich an die eigene Kindheit erinnert, Fakten unauffällig einflicht und kein großes Brimborium macht. Ein Text, der tatsächlich der Tochter gewidmet ist und von Jugendlichen gelesen werden kann, aber vor allem für Eltern ist, die selbst so ein Grummeln im Bauch haben, wenn das eigene Kind mal wieder den Nachmittag im Hause hockt, weil kein anderes Kind Zeit hat zum Spielen.

Heute treffe ich die Mutter von einer von Lucys Klassenkameradinnen. Wir unterhalten uns ein wenig, natürlich auch über die Schule, mit der wir im Grunde zufrieden sind, über die nette Atmosphäre in der Klasse unserer Kinder, um dann festzustellen, dass unsere Kinder beide seit einigen Wochen keine Verabredungen mehr treffen. Sie sind nachmittags zuhause. Man muss schon ganz schön herumtelefonieren, um jemanden zu finden, der mit ins Freibad kommt. Die Auswahl im eigenen Dorf ist beschränkt und von Enttäuschungen begleitet. Die Kindheit ist definitiv eine andere, als ich sie selbst hatte. Ich hatte eine Straßenkindheit. Heute ist es eine Haus-und-Gartenkindheit. Die Wege zu den anderen sind lang, mal eben spontan mit dem Rad losdüsen, ist nicht. Deshalb genießt Lucy die Momente nach der Schule oder Freistunden, wenn sie mit den neuen Freundinnen ein wenig auf dem Schulhof herumhängen kann. Lucy muss für die Schule noch nicht übermäßig viel tun, sie hat viel Freizeit, viel Freiraum. Aber die verplante Kindheit der anderen trifft auch sie. Mit wem soll man sich treffen, wenn die anderen beim Reiten sind oder ihren Englisch-Vokabel-üb-Nachmittag haben?

Das zu dokumentieren und zu hinterfragen, ist ein Grund für diesen Blog. Henning Sußebach hat gleich ein Buch daraus gemacht. Wer hier gerne liest, wird das Buch auch mögen.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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