Das Schullandheim – eine Bilanz

Liebe Leser,

heute, nachdem ich ausgeschlafen habe!, kann ich eine kurze Bilanz ziehen, die nötig ist, weil wir viele Fehler gemacht haben. Da man immer mit dem Positiven anfangen soll, aber erst einmal: es war wirklich schön („Mann, ist das ein Blick!“), es waren interessierte Kinder („Guck mal, wie ist denn dieser Bergsee entstanden, der ist doch voll rund?“), die Kinder mochten uns sehr („Herr Wolf, spielen Sie doch mit uns eine Runde Karten!“ „Frau Henner, ich weiß auch noch einen Witz… also…“), das Wetter war wunderbar, durch die Höhe und den Wind war die Wärme aushaltbar, es gab an einem Tag aufziehende Wolken, aber uns hat nie ein Regen erwischt, alle Wehwechen haben wir in den Griff bekommen, auch wenn wir einmal die professionelle Hilfe eines Arztes brauchten. Aber einige Probleme, und wir hatten derer genug!, waren unnütz, weil hausgemacht:

1. Die Sportlehrerin hatte im Alleingang die Planung übernommen, weil sie schon sooooooo oft dortgewesen war, und wir haben uns darauf verlassen. Sportlehrer sind sicher prima Lehrer für sportliche Klassen. Unsere Chaoten sind aber eher von der gemütlichen Fraktion, wie wir verwundert festgestellt haben. Ein Tag Pause mit einer nicht ganz so wilden, anstrengenden Aktion hätte ihnen so sehr gefallen, einen Tag nur in der Wildnis spielen, Hütten bauen, am Wasser planschen. Es sind noch Kinder, sie brauchen nicht jeden Tag volles Programm, sie schaffen sich in einer so anregenden Gegend ihr eigenes. Das will ich beim nächsten Mal gleich als Programmpunkt aufnehmen…

2. Die Sportlehrerin war recht hart, wenn es einem Kind nicht gut ging. „Die muss mit, das ist doch eh nichts weiter!“ Manche Kinder haben sich auch beim Wandern erholt. Andere haben sich den ganzen Tag mit Übelkeit durchs Gebirge geschleppt. Das ist für mich keine wirkliche Option. Aber die Sportlehrerin hatte insofern Recht, dass wir ein Kind nicht allein in der Jugendherberge lassen können. Was also tun?

Ich würde es mal damit versuchen: Es gar nicht erst zu massiven Übelkeiten kommen lassen. Schon am ersten Morgen fällt mir auf: viele Kinder haben keinen Sonnenschutz auf. Die Sportlehrerin formuliert dazu: „Also, wer von euch was mithat, dann wäre es schön, wenn ihr es aufsetzt.“ Sie selbst trägt nichts. Sonnenschutz ist ja eher was für Memmen. Und so formuliert haben die Jungs und Mädchen, die Wert auf einen coolen Style legen, natürlich gar nicht erst was mit.

Hochgebirge + ungewohnte Sonneneinstrahlung + Wind, der die Hitze kaum spürbar macht = ?

Richtig: Sonnenstich!

Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Fieber – alles hatten wir dabei, gerne auch in Kombination.

Pistorius, der ein uraltes Hütchen aufhat, schaut mich Sonnenhutträgerin an und raunt mir zu: „Also, das ich das gleich mal sage, mit dir würde ich gerne wieder ins Schullandheim fahren!“

Ich nicke und antworte: „Gerne, und dann gehen wir nicht los, ehe jeder was auf dem Kopf hat – und wenn es ein verknotetes T-Shirt ist.“

Jetzt nickt Pistorius.

Natürlich kann ich nicht alles auf die Sportlehrerin schieben. Ich ermahne meine Schülerchen zwar, aber ich bestehe auch nicht auf einer Kopfbedeckung. Viele haben nichts mit. Das stand zwar auf der Mitzunehmen-Liste, aber ich hätte im Vorfeld rigoroser darauf bestehen müssen. Ich kann nunmeine Klasse nicht zwingen, wenn die Paraklassen kopfbedeckungslos rumrennen.

Und überhaupt: es waren zuviele Kinder, das ist 3.: Mit allen drei sechsten Klassen, das war Wahnsinn! Das dynamisierte sich, zumal in der Jugendherberge noch mehr Klassen untergebracht waren, die auch alle Bedürfnisse hatten. Die Anzahl der Problemchen steigt mit der Anzahl der Kinder leider nicht linear. Drei Klassen sind fünffache Vorfälle – geschätzt. Also, mit fast hundert Kindern an einen Ort zu fahren, das war bequem, aber saublöd.

Also fahren wir das nächste Mal alleine oder höchstens mit einer Parallelklasse und wir planen gezielten auf die Bedürfnisse unserer Klasse und am besten fahren die Kollegen zusammen, die diesmal gemerkt haben, dass sie, was die grundsätzlichen Dinge anbelangt, gut harmonieren. Jetzt müssen wir nur noch ein neues, attraktives Ziel finden. Denn die Sportlehrerin will bestimmt wieder an diesen, durchaus geeigneten Platz fahren. Und eh wir uns streiten… Falls jemand wirklich gute Erfahrungen mit einer Jugendherberge im Süddeutschen Raum gemacht hat, ich bin offen für Tipps. Und auch für Vorwarnungen.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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14 Kommentare zu „Das Schullandheim – eine Bilanz“

  1. Also ich selbst war in der 6. Klass in Breisach am Rhein im Schullandheim. Wir hatten da irgendein Erlebnisprogramm mit Hochseilgarten, Teamtraining, Floßbau mit anschließender Überquerung des Rheins usw., das irgendwo in der Nähe war (ich erinnere mich nur an eine Busfahrt). Außerdem hatten wir irgendeine historische und ziemlich gruselige Stadtführung und ein Tagesausflug nach Freiburg würde sich auch anbieten (wenn man nicht eh aus der Gegend kommt).

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  2. Unsere Tochter war jetzt mit dem Zug in Aschau im Chiemgau in dieser Unterkunft http://aktivhotelaschau.de/aktiv-hotel/, gebucht hat der Klassenlehrer über alpetours, da gibts dann auch mögliche Pakete mit Ausflügen etc.
    Meiner Tochter hat es sehr gut gefallen, vom Programm her hielten sich action und Freizeit (v.a. zum Kicken) ins Grenzen, auch der Lehrer war hinterher sehr begeistert von der Fahrt.

    Gruß Caro

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  3. Sehr schön ist auch die Jugendherberge auf der Burg Trausnitz, früher konnte man dort auch ein Programm buchen (zumindest für Kinder im Grundschulalter) – ich erinnere mich noch an Tipis bauen, Pfeile basteln, Indianerschmuck u.ä.

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  4. Ich kann das Naturfreundehaus Bodensee sehr empfehlen! Dort kann man ganz gute Programme buchen, Ausflüge nach Konstanz machen (Sealife, Bootsfahrt, Stadt), eine Wanderung zum Tierpark Allensbach machen (schattiger Wanderweg am See entlang) usw. Die Zimmer sind sehr schön, das Essen ganz ordentlich und das Haus liegt direkt am See und hat einen eigenen Strand.

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  5. Ein sehr bedachtes Fazit, und ich denke, du liegst definitiv richtig mit deiner Einschätzung. Zu viele Schüler auf einmal, viel zu straffes Programm. Gerade für die jüngeren Schüler sind Pausen unerlässlich, und gerade in der Natur sollte man sich auch mal die Zeit nehmen, zu verschnaufen, die Landschaft zu bestaunen und ein wenig zu stromern.
    Einen Tipp hab ich leider nicht für dich, so richtig tolle Ziele waren bei mir nicht dabei.

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  6. Speyer ist ganz nett, als sowohl die Jugendherberge, als auch das Städtchen und natürlich der Rhein. Ist ja aber allerdings nicht BaWü, ich weiß nicht, inwiefern ihr da gebunden seid. 😉 Klingt aber auch nicht ganz so toll wie da, wo ihr wart, um ehrlich zu sein…

    Achja, immer die Sportlehrerinnen. 😉 Irgendwie kann ich mir das bildlich vorstellen :mrgreen: , alle Betroffenen mögen es mir verzeihen.

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  7. Ihch hab nie verstanden, warum man hierzulande immer im Pulk auf Klassenfahrt geht – lauter kann man doch gar nicht „Hier, ich will Ärger!“ schreien. Wir sind immer mit einzelnen Klassen gefahren, und das nahm im Vergleich zu diesem Massenalmauftrieb so viel Stress raus…

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  8. Ich find’s immer schade, dass Dinge wie die Planung und Durchführung einer Exkursion, Studienfahrt oder Klassenfahrt zu den Sachen gehört, auf die man nie vorbereitet wird. Da lernt man von Mal zu Mal immer mehr. Trial and error.
    Glücklicherweise mach ich das auch schon ein paar Jahre, hab aber jetzt auch wieder einen netten Kniff rausbekommen und Klassen vorm Schlafen ruhig zu bekommen. Wenn die Kleinen in einem Zimmer zu laut sind, lässt man einfach die Türe auf und stellt sich demonstrativ in den Türstock (bestenfalls mit Buch, weil man das durchaus etwas dauern könnte 😉 und entfernt sich immer mehr, wenn’s leise wird und macht schließlich die Türe zu. Hat dreimal super geklappt an diesem Wochenende!

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