LHS – Leeres-Hirn-Syndrom

Liebe Leser,

einen kurzen Augenblick habe ich überlegt, einfach hier ein leeres Feld stehen zu lassen. Zusammen mit der Überschrift wäre das völlig ausreichend. Aber das LHS betrifft nicht mich, sondern Lucy.

Wir haben beide unser erstes gemeinsames Schuljahr hinter uns gebracht. Lucy mag unsere Schule, liebt die meisten Lehrer, hasst mit gleicher Leidenschaft eine Kollegin und mit ihr dieses Fach, interessiert sich ansonsten für fast alles und kommt mit fast jedem in der Klasse gut aus. Lucys Start war in vielerlei Hinsicht erfolgreich. Selbst in Mathe hat sich ein Licht am Horizont aufgetan. Statt Nachhilfe traf sie sich ab und zu mit einer Oberstufenschülerin und die zwei haben ein bisschen zusammen gerechnet. Das war vielleicht der größte Erfolg. Schade in dieser Bilanz ist nur, dass ihre Nachmittage vom Alleinsein geprägt sind. Manchmal trifft sie sich mit Carlotta, ganz selten mal mit Beckie aus der Grundschule. Die neuen Freundinnen, die sie viel interessanter findet, wohnen leider alle weit, weit weg. Aber damit ist Lucy nicht allein. Es geht sehr vielen Kindern so, für sie ist es Normalität. Ich habe nicht den Eindruck, dass Lucy leidet. Lucy weitet dafür immer mehr die Zwischenzeiten aus (neulich las ich den Ausdruck „Scharnierzeiten“), in denen die Schule schon vorbei ist, aber das Zuhause noch nicht erreicht, sprich: Lucy liebt Freistunden und die Zeit nach der Schule, wenn manche Kinder noch auf den Bus warten müssen und sie zusammen spielen, rumhängen, quatschen. Lucy hat also wenig Interesse daran, wenn ich mich nach der Schule beeile. Bald wird es so sein, dass vielleicht ein paar Kinder bewusst entscheiden: „Du, ich fahr heute einen Bus später, dann haben wir noch Zeit.“ Kinder sind erfinderisch.

Und jetzt hat Lucy LHS. Kein Witz. Lucy hat ein erlebnisreiches Jahr hinter sich, sie war manches Mal sehr motiviert und manchmal natürlich auch faul, hat aber gerade in den letzten Schulwochen zahlreiche Aufgaben übernommen, aber seit heute ist der Kopf so was von leer…

„Lucy, schreibst du bitte auf die Einkaufsliste noch Gummihandschuhe dazu?“

„Ja, was soll ich draufschreiben?“

„Gummihandschuhe.“

„Hm, ach so.“

Was steht dann auf dem Zettel?

GUMMISTIEFEL

Das ist nur ein Beispiel. Lucy schafft es, innerhalb eines halben Vormittags an ihrem Verstand zweifeln zu lassen. Es sind Ferien! Wieso soll man da denken, bevor man was tut… Fehlt nur noch, dass ich ihre Turnschuhe in unserem Kühlschrank finde – oder die Gummistiefel, wer weiß?!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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4 Kommentare zu „LHS – Leeres-Hirn-Syndrom“

  1. Ach, nach Schulschluss noch stundenlang mit meinen Freunden im Foyer sitzen zu bleiben und zu quatschen, das habe ich auch lange gemacht. 🙂 Das ist schon eine schöne Zeit, da werde ich glatt nostalgisch!

    LHS erwischt doch jeden Mal… 😉

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  2. Ahahaha, ja, das kommt mir bekannt vor, auch wenn ich die lieben Schülerlein ja privat nicht erlebe. 😀

    Das gemeinsame Verbringen von Zeit nach – gerne auch vor – dem Unterricht ist eine schöne Sache. Toll, dass Lucy das für sich entdeckt hat! 🙂

    PS: Falls der Gummistiefel mal doch seinen Weg in den Kühlschrank findet, daraus kann man sicher ganz toll Abendbrot für kleine Kinder machen. 😈 😉

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