Von Kindergeburtstagen

Liebe Leser,

 

Lucy ist zu einem Geburtstag eingeladen. Die Einladung lässt auf einen durchgeplanten Nachmittag schließen inklusive Übernachtung. Wir sind es ja inzwischen gewöhnt, dass die Konkurrenzgeburtstage auch hier auf dem platten Land Einzug halten. Einfach ein schöner Nachmittag mit Spielen, Schnitzeljagd, Kuchen und kleinen Geburtstagsgeschenken ist hier auch immer seltener drin. Zumindest eine von den Eltern gesteuerte Bastelaktion steht auf dem Plan, gerne etwas Außergewöhnliches. Laternelaufen und Freizeitbad im Grundschulalter, Eislaufen in der fünften Klasse. Da wir auf dem Land leben, bleiben uns zum Glück die bildungsbeflissenen Geburtstage im Museum mit anschließender Selbsterfindung im Kinderatelier erspart. Es ist ein Kindergeburtstag! Dafür legen sich die Eltern, was die kindliche Wohlfühl-Ausstattung des Geburtstags anbelangt, mächtig ins Zeug.

So nun mal wieder bei Lucys Klassenkameradin. Da werden alle zehn Mädchen nach Kakao und Kuchen ins Kino kutschiert und mit einer XXL-Tüte Popcorn ausgestattet. Dann ist es schon Zeit fürs Abendessen (Bockwurst im Brötchen) und den anschließenden Film per DVD im Heimkino. Lucy hat bei solch einer Gelegenheit auch schon einmal DREI Filme am Stück angeguckt. Dabei futtern die Kinder natürlich Unmengen von Süßigkeiten. Gut, es ist nur ein Tag… und eine Nacht…

Am nächsten Morgen bekommt Lucy beim Verabschieden noch ein nettes Giveaway, ein Parfum für junge Mädchen.

Was soll das?

  1. Warum werden die Kinder fast die ganze Zeit mit Filmen zugeballert, so dass sie sich nicht mit sich beschäftigen können?
  2. Ein Geburtstag soll schmecken, aber es gab NICHTS Obstiges oder Gemüsiges und im Prinzip auch keine Essenspausen.
  3. Wozu bekommt meine Tochter ein Geschenk, wenn sie auf eine Geburtstagsfeier geht? Das ist absurd.

Natürlich gibt es Gründe:

  1. Die Eltern erfüllen ihrem einzigen Kind seine Wünsche zum Geburtstag, um so ihre Liebe zu zeigen. Filmgucken kommt immer gut an und ist gut planbar und sehr einfach auszuführen.
  2. In der Familie wird allgemein sehr viel Wert auf Essen gelegt, was man sehen kann. Ich vermute, es ist den Eltern gar nicht aufgefallen, dass es Kinder geben könnte, die ein Stück Gurke oder einen Obstsalat als etwas Leckeres empfinden bzw. das Fehlen von Frischem bedauern. Macht auch wieder Mühe.
  3. Der Geburtstag soll bei allem in guter Erinnerung bleiben, Freundinnen sollen gewonnen werden – macht man das nicht über Geschenke?

Ergebnis: Lucy will dort nicht wieder hin. Sie mag das Mädchen sowieso nicht so. Und jetzt nach der Feier, weiß sie auch besser, warum.

Das Parfum möchte sie aber behalten. Darf sie. Meinetwegen soll sie eine Weile beduftet durch die Wiesen stromern. Der Geburtstag wird so schnell verblassen wie das billige Parfum, denn Filmgucken kann man auch zuhause – schöne Momente mit Freundinnen erlebt man anderswie…

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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9 Kommentare zu „Von Kindergeburtstagen“

  1. Solche Abschiedsgeschenke haben immer einen sehr bitteren Beigeschmack. Hat was von „Erkaufen“. Sei froh, dass sich Lucy von solchen Äußerlichkeiten nicht locken lässt. Gibt genug, die auf sowas anspringen!

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  2. Oh ja, wie ich das kenne. Wir haben mit Absicht gegengesteuert. War hart, aber es hat sich gelohnt. Topf schlagen, Eierlauf, Stuhltanz und Sackhüpfen – das hat uns als Kindern gefallen und das gefällt auch der heutigen Generation noch genauso. Alle Kinder sind immer mit leuchtenden Augen nach Hause gegangen. Heute sind unsere 15 und 18 Jahre alt, da gibt’s schon Party’s 🎉 und jede Menge neuen Irrsinn mit Kopfschütteln auszugleichen.

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  3. Abschiedsgeschenke? Die zeigen, wie froh das Kind ist, die Gäste los zu sein, oder wie? Nee, ich merk, dass das mal so gar nicht passt. Früher, da war das Geburtstagskind dasjenige, welches beschenkt wurde. Es gab Spiele, blinde Kuh und Topfschlagen, Fangen und Verstecken, und abends dann was zu futtern, und das höchste der Gefühle waren Würstchen im Schlafrock.

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  4. Heute ist Lucy wieder zu einem Kindergeburtstag eingeladen und es gibt nur ein Lagerfeuer und Schlafen im Zelt – das wird ein Erlebnis, an das sie später noch denken wird. Schön, dass es auch noch euch und die anderen Eltern gibt, die diesen Irrsinn der Elternkonkurrenz nicht mitmachen.

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  5. „Party bags“ sind im südlichen Afrika üblich, also kleine Geschenktüten, die die Gäste nach Hause nehmen. Ich kann mich aber nicht entsinnen, dass da irgendwie konkurriert wurde oder geschaut wurde, auf welcher Feier es welche gab und auf welcher nicht. Meistens waren Süßigkeiten drin, manchmal auch kleines Spielzeug (ein Kreisel oder so).
    Aber stimmt, jetzt wo ich darüber nachdenke, hat meine Schwester (hier in Deutschland) noch nie einen party bag mit nach Hause gebracht…

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