Lernstand 2015 – das Ergebnis

Liebe Leser,

ein Korrekturwochenende später halte ich die Analyse der Lesefähigkeiten meiner fünften Klasse in den Händen. Schwarz auf weiß – bzw. bunt auf weiß, es geht doch nichts über farbige Statistiken.

Beim Korrigieren dachte ich noch: „Oh mein Gott, das wird ein Desaster!“ Jetzt sehe ich, dass viele Kinder im grünen und blauen Bereich liegen. Das lässt sich aber nur so begründen, dass allein die Kinder rot gekennzeichnet werden, bei denen Förderalarm ausgelöst wird. Und das geschieht erst, wenn man weniger als 40% richtig gelöst hat. Nun kann ich mich also an vielen grünen und blauen Kindern erfreuen.

Aber mein flaues Gefühl, was meinen Adam anbelangt, hat sich bestätigt. Adam kann Informationen aus einem Text nur dann richtig herausfiltern, wenn diese wortwörtlich und möglichst an exponierter Stelle genannt werden. Alles andere überfordert ihn momentan. Das merke ich zum Beispiel auch bei den Hausaufgaben. Adam versteht nicht, was man tun muss, wenn der Arbeitsauftrag mehr als einen Satz beinhaltet oder gar in Nebensätzen erklärt wird. Dann macht Adam halt irgendetwas. Immerhin macht er etwas, könnte man meinen. Immerhin verweigert er sich noch nicht.

Und dann sind da ja noch die Kinder, die es zwar in den blauen Bereich geschafft haben, aber in Noten übersetzt irgendwo zwischen 4- und 4+ herumtingeln. Diese Kinder können dann schon erste Verknüpfungen zwischen einzelnen Informationen herstellen – aber mehr eben nicht. Und es sind viele, die auf dieser Niveaustufe stehen. Auffällig viele der stillen Mädchen.

Zuguterletzt gibt es noch eine kleine Gruppe von Kindern, die gute Ergebnisse erzielen, aber viel zu langsam sind. Der Test war so konzipiert, dass die Fünfer viel Zeit hatten – fast alle haben hinterher gemalt, geschrieben, Flugzeuge gebastelt oder einfach nur geschlafen. Hätte ich in dieser Phase schon eingesammelt, wären die Langsamen nicht fertig geworden. Aber um sie mache ich mir wenig Sorgen. Das Arbeitstempo zu steigern, dass wird mit der Zeit von alleine kommen. Nun ahne ich, dass Hendrik zwar verwuschelt und verpeilt ist, aber ein kluger Kopf sich hinter diesem Gesamtchaos verbirgt.

Nach drei Schulwochen stecken alle Kinder schön in ihrer Schublade!

Halt… Tom, der kleine, schlaue Tom aus der ersten Reihe, der motiviert mitmacht und immer eine Antwort hat, der hat bei Lernstand 15 total versagt. Das passt so gar nicht in das Bild, was ich mir gemacht habe. Dafür hat Franca, die eigentlich nur Kauderwelsch erzählt und NIE mit etwas fertig wird, ziemlich viele Punkte eingeheimst – auch so ein Rätsel! Was sagt das jetzt über die schlechten Ergebnisse von Elif und Keran aus? Oder über das erstaunlich gute von Hendrik?

Zwei Dinge kann ich aus diesem Test mitnehmen:

  1. Ich muss fördern, fördern, fördern – denn meine Klasse liegt im Gesamten kaum über dem Leistungsniveau einer völlig durchmischten Grundschulklasse, die als Referenzgröße der Auswertung beigelegt war. Das Gymnasium ist somit auch auf dem Papier die neue Gesamtschule.
  2. Was das einzelne Kind anbelangt, bietet mir der Test zwar Hinweise, aber ich werde mich hüten, die Schubladen zuzumachen. So sehr vertraue ich nicht auf diesen Test. Warten wir ab – den ersten Aufsatz, die Rückmeldungen der Kollegen, das, was wir sowieso jedes Schuljahr machen.

Aber sollten sich die Bedenken bei einzelnen Schülern häufen, dann habe ich etwas, was ich den Eltern vorlegen kann. Das ist viel konkreter als ein „meinem Eindruck nach tut sich XY schwer am Gymnasium“. Alle anderen niederschmetternden Testergebnisse kann ich unter den Tisch kehren, wenn die Ergebnisse des „normalen“ Unterrichts passabel sind. Soweit der Plan. Ich fürchte nur, dass die Eltern eine Rückmeldung zeitnah wünschen und diese auch bekommen sollen.

Aber was nützt Eltern die Aussage: „Ihre Tochter hat in drei Minuten 43 von 65 richtig beantworten können und 63% der zu bearbeitenden Aufgaben richtig gelöst“? Fragen sie dann nicht zurecht: „Und nun?“

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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