Ordnung in der Grundschule

Liebe Leser,

Woche vier ist rum, langsam bekomme ich einen Überblick über die neuen Fünfer und erkenne, was sie so alles nicht können. Von den Leistungen reden wir mal lieber nicht, das ist nicht die große Stärke meiner Klasse. Ebensowenig wie das Siezen, das Nicht-Reinrufen und vor allem das Wenn-ich-ein-Problem-habe-melde-ich-mich-und-laufe-nicht-alle-anderen-störend-im-Klassenraum-umher. Bis zu den Herbstferien gebe ich ihnen noch Zeit, dann sollten es auch Elif und Franca kapiert haben, dass hier nicht mehr die Grundschule ist, in der sie vielleicht tatsächlich immer rumlaufen durften? Elif steht auch mal auf und „klärt was“ mit einem Jungen – mitten im Unterricht. Franca steht sowieso die ganze Zeit. Laura, Melanie und Lissy begreifen jeden Arbeitsauftrag als Gruppenarbeit, reagieren aber wenigstens auf den bösen Blick. Jan steht gerne unvermittelt neben dem Pult. Keran lässt sich von Elif und Franca anstecken. Sie meinen es alle nicht böse – sie kennen es nicht anders.

Neulich berichtete ich über den zum Teil naiven Wunsch einiger meiner Bekannten, Grundschullehrerin zu werden. Auslöser für den Blogbeitrag war die leider unbefriedigende Arbeitssuche einer Freundin. Und nun ist das gar nicht mehr nötig, denn sie hat ganz plötzlich ein gutes Angebot in ihrem alten Beruf erhalten und ist glücklich. Ich freue mich für sie, eine neue Arbeitsstelle, öffentlicher Dienst mit guter Bezahlung und vor allem guten Rahmenbedingungen, ein annehmbarer Fahrtweg, hoffentlich nette Kollegen und neue Herausforderungen. Ich bin gespannt. Ehrlich.

Sie erzählt mir von diesem Angebot. Ganz am Ende sagt sie: „Aber du, ich glaube, mich hat am Grundschullehrersein die Ordnung gereizt. Weißt du, ich bin doch so ein strukturierter Typ. Und wenn ich mir vorstelle, wie die Kinder alle so ordentlich in einer Reihe in den Bänken vor mir sitzen…“

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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10 Kommentare zu “Ordnung in der Grundschule”

  1. Öffentlicher Dienst, hoffentlich nette Kollegen und gute (fixe) Bezahlung hört sich jetzt aber nicht als Herausforderung an.
    Ich kenn das eher so, dass herausfordernde Stellen zwar eine gute Bezahlung haben, diese aber an Zielerreichung gekoppelt ist.

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    1. Das war genau mein Gedanke!
      Viele Eltern glauben aber, dass Schule so aussieht, wie sie es von früher kennen, gemischt mit netten Werbebildern und den Vorführstunden, die sie bei der Einschulung oder ambitionierten Elternabenden erleben 😉 .
      Ich selbst bin, wenn ich die Grundschulen in unserer Umgebung besuche, immer wieder erstaunt, wie anders jede einzelne von ihnen ist.

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  2. Hachja, wie lieb die Kleinen doch sind. 😀

    Ich stimme Scharfrichter übrigens zu, wer meint,Lehrer seien doch bloß faule Säcke, der sollte ruhig mal hospitieren und sich anschauen, was „Erziehung“ heutzutage so anrichtet, und wie anspruchsvoll die Lehrtätigkeit ist.

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