Flüchtlingskaffee

Liebe Leser,

ich genieße die sonnigen Herbstferien, korrigiere fleißig meine Aufsätze und schlafe lange aus – herrlich! Und dann besuche ich das Flüchtlingstreffen der Gemeinde. Warum? Ich bin neugierig, ich will mir selbst ein Bild machen, ich will nicht nur von Nachrichten leben, ich will es selbst wissen. Außerdem – ich gebe es zu – möchte ich einen Gegenpol zu den Pegida-Demonstranten in Dresden und anderswo bilden, selbst wenn ich ganz und gar nicht der Gutmensch bin, von denen ich an diesem Nachmittag einige erwarte. Ich meine das nicht abfällig, es gibt sie, die Menschen, die von ganzen Herzen freundlich, offen, vergebend sind. Das ist gut so, aber ich bin anders. Ich bin freundlich und offen, aber ansonsten bin ich fordernd.

Welche Erwartungen habe ich? Ganz ehrlich? Nicht viele. Ich erwarte keine Dankbarkeit für die mitgebrachten Lebensmittel. Die Gemeinde hatte aufgerufen, besondere Lebensmittel zu spenden, die den Essgewohnheiten der Flüchtlinge mehr entsprechen als unsere deutsche Kost. Also hole ich vorher Couscous und Olivenöl und packe Kaffee aus dem häuslichen Vorrat ein. Aber Dankbarkeit? Das ist ein so dehnbarer Begriff.

Ein weitläufiger Bekannter aus einer anderen kirchlichen Gemeinde war vor kurzem sehr enttäuscht, als seine Gemeinde für Flüchtlinge einen Gottesdienst und ein anschließendes Treffen mit Bewirtung organisiert hatte und die Resonanz nicht so groß war, wie er erhofft, und vielleicht auch die Dankbarkeit nicht so offenkundig. In diese Falle will ich nicht tappen.

Was erwarte ich dann? Eigentlich sind es nur Informationen. Ich möchte wissen, wer in unserem Ort lebt, woher sie kommen, warum sie geflüchtet sind, was es für Menschen sind, was sie erwarten, was sie antreibt und auch wo ich helfen kann. Das ist alles. Ich will nicht Mitglied im Freundeskreis für Flüchtlinge werden, denn ich bin kein Blauäuglein. Ich freue mich nicht per se über einen Flüchtling und sehe den Zustrom so vieler Fremder auch nicht einfach als Chance. Schon einmal habe ich hier geschrieben, dass ich keine Gruppe als Bereicherung empfinden kann, sondern immer nur den einzelnen Menschen, der mir durch seine Art, seine Motivation, seine Taten sympathisch werden kann. Ich kann Muslime als Freunde haben, aber nicht weil sie Muslime sind, sondern weil es nette Menschen sind, die in ihren Einstellungen und Zielen zu mir passen. Andere Muslime, Christen oder Atheisten sind mir schnuppe. So ist es sicher auch mit den Flüchtlingen. Warum soll ich jemanden sofort mögen, weil er in Not war? Aber wenn jemand tatsächlich in Not ist, dann bin ich bereit zu helfen. Kein Mensch soll im Krieg leiden. Auch ich möchte in der Fremde aufgenommen werden, wenn hier ein Krieg ausbräche. Und wenn man mir dort freundlich begegnete und mir eine Chance böte, dann wäre ich auch bereit, dem Land etwas zurückzugeben. Soweit die Theorie.

Aber zurück zum Flüchtlingstreffen. Frau Henner mag es lieber ganz konkret. Es ist mein ganz persönliches Exempel.

Nun stehe ich etwas verloren in dem Saal, der den typischen Charme solcher evangelischer Gemeindehäuser ausstrahlt: viel Holz, abgerundete Ecken, naive, bunte Bilder mit glücklichen Tieren und Menschen unter einer riesigen Sonne. Es duftet nach Kaffee und leckere Kuchen stehen auf einem Buffet. Die Tasche mit dem Couscous wird schwer, aber ich weiß nicht, wohin damit. Ich komme mir etwas dämlich vor. Wieso bin ich bloß pünktlich?

Zum Glück trudeln nach einer Weile die Gemeindemitglieder ein. Man kennt sich, steht beisammen und redet über alles Mögliche. Immer wieder gehen die Blicke zum Kuchenbuffet. Aber anfangen ohne die Hauptgäste, das wäre unhöflich. Wir Deutsche empfinden es wiederum auch als unhöflich, nicht pünktlich zu sein. Aber in vielen anderen Kulturen spielt die feste Uhrzeit keine Rolle und so kommen die Flüchtlinge halt auch irgendwann. Das ist nichts, was mich verärgert. Ich kann es einordnen, aber an dieser Kleinigkeit merke ich, dass es Konflikte gibt, wenn unterschiedliche Kulturen aufeinander treffen. Und hier sind wir ja nun noch im ganz Kleinen.

In unserem Ort leben verschiedenste Flüchtlinge: Afghanen, Eritreer, Syrer und auch Menschen vom Balkan. Alle kommen sie. Das ist schön. Als es endlich losgeht, ist der Raum voll und laut und kunterbunt. Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Sie geben uns alle die Hand, auch wenn die Männer mich dabei nicht angucken. Nun ja. Immerhin habe ich eine Hand bekommen. Und um es gleich vorwegzunehmen, der Mann vom Balkan wird am Ende auch meinen Teller abräumen, auch wenn er kein einziges Wort mit mir gewechselt hat.

Und da sind wir schon beim Hauptproblem. Wir können uns nicht unterhalten. Zwar sitzen wir gemeinsam an Tischen und essen Kuchen und trinken Kaffee, aber wir können nicht die einfachsten Floskeln austauschen. Bis auf einen Flüchtling spricht keiner Deutsch – obwohl sie schon eine Weile, mehrere Monate hier sind und auch Deutschunterricht bekommen. Nur die Kinder sprechen ein bisschen und verschwinden recht schnell zum gemeinsamen Ballspiel auf den Hof.

Die Frau mir gegenüber sagt immer wieder: „Nix sprechen gut“, und sie hat auch Recht damit. Aus ihren Gesten entnehme ich, dass sie auch zuhause nicht Schreiben und Lesen gelernt hat, wahrscheinlich fällt es ihr deshalb besonders schwer, unsere Sprache zu erlernen. Sie kommt vom Balkan und ich bezweifle, dass sie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung erhalten wird. Aber die Gutmenschen um mich herum sagen immer wieder: „Das wird schon. Das lernst du schon noch. Deutsch ist eben eine schwierige Sprache.“ Es erscheint mir wie ein Mantra. Danach unterhalten sie sich darüber, wie schwierig das Deutsche ist.

Nun gut, Deutsch ist schwierig, sicher. Aber nach einem halben Jahr kann man definitiv mehr sprechen können als „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“ und „Nix sprechen gut“. Vor allem wenn man soviel Unterstützung bekommt wie in unserem Ort. Wir sind das Musterörtle, was die Betreuung von Flüchtlingen anbelangt. Es wird gemeinsam gebacken, alle möglichen Wünsche werden durch Spenden erfüllt, es gibt Sprachangebote, der Sportverein will die fussballwilligen Eritreer mit zum Training nehmen, kurzum, man hilft, wo man kann.

Aber ohne die Sprache sehe ich wenig Integrationsmöglichkeiten und kann das Schlagwort „Chance“ auch nicht bedingungslos teilen. Die Frau mir gegenüber hat viele Kinder. Die Mädchen sitzen beisammen und schwätzen munter mit anderen Kindern. Ihr größter Sohn sitzt kaugummikauend mit Basecap an einem anderen Tisch und spielt die ganze Zeit mit seinem Smartphone. Von seiner Art her lässt er den Macho raushängen. Und jetzt blicke ich mal durch die Brille eines skeptischen Deutschen. Tun wir das mal, sind wir mal ehrlich. Was denkt der Durchschnittsdeutsche da?

Denkt er: „Schön, dass dieser Junge hier eine ehrliche Chance auf ein besseres Leben erhält!“ oder denkt er: „So ein Smartphon hat mein Kind aber nicht! Wie können die sich das leisten? Der surft die ganze Zeit im Internet, wer zahlt denn das?“ Ich tippe auf Letzteres.

Die Frau neben mir kommt aus Afghanistan. Sie ist noch nicht lange hier. Vielleicht kann sie deshalb noch kein einziges Wort. Sie lächelt nur. Einen syrischen Arzt sehe ich nirgendwo. Englisch spricht auch niemand. Die Eritreer vielleicht in Brocken. Deshalb erfahre ich an diesem Nachmittag nichts, denn auch die deutschen Gemeindemitglieder haben keine Informationen. Wir haben einfach gemeinsam Kaffee getrunken und uns angelächelt. Den Couscous lasse ich am Ende einfach stehen, die Tasche ist zu schwer und wird schon Abnehmer finden. Die Menschen hier sind nicht undankbar, sie sind sehr glücklich, hier zu sein. Sie sitzen in diesem sonnendurchfluteten Raum mit fremden Menschen und spüren den Frieden, das Wohlwollen. Sie können nur nichts sagen. Und das macht es so schwierig, einer Gesellschaft etwas zurückzugeben.

Ohne die Sprache wird nichts, da dürfen wir uns nichts vormachen. Nach diesem Nachmittag spüre ich, dass das mit der Chance nur etwas wird, wenn wir als Gesellschaft ganz klare Forderungen an die Flüchtlinge stellen. Sonst sehe ich genügend Konflikte. Denn an diesem Nachmittag sind ja nur die Gutmenschen anwesend, die gerne bereit sind, über Defizite hinwegzusehen, weil sie eine Vision, eine Mission haben.

Aber das ist nur ein kleiner Teil unserer Gesellschaft. Sobald es Probleme gibt, denkt der Durchschnittsmensch an sein eigenes Fortkommen. Ich habe nette, einfache Menschen getroffen, leider habe ich sie nicht kennen gelernt und damit haben sich meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich weiß genauso wenig wie zuvor. Aber ich habe eine klarere Vorstellung davon, was als Gesellschaft auf uns zukommt, was wir leisten müssen, was wir fordern sollten.

Das ist eine riesige Herausforderung und sie wird nicht ohne Konflikte zu meistern sein. Ich werde wieder zu einem Flüchtlingstreffen gehen, vielleicht an einem anderen Ort. Erfahrungen sind immer gut, das hilft mir, eine eigene Meinung zu bilden. So wie die Flüchtlinge die Gutmenschen brauchen – es ist bewundernswert, wie ihr euch für Fremde einsetzt! – so braucht unsere Gesellschaft dann die Realisten, die das Große und Ganze im Blick haben, die vermitteln zwischen Positionen, die sowohl das einzelne Schicksal als auch die Notwendigkeiten einer Kultur im Auge behalten, damit unser Land eine Zukunft hat.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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35 Kommentare zu “Flüchtlingskaffee”

  1. Denkt er: “Schön, dass dieser Junge hier eine ehrliche Chance auf ein besseres Leben erhält!” oder denkt er: “So ein Smartphon hat mein Kind aber nicht! Wie können die sich das leisten? Der surft die ganze Zeit im Internet, wer zahlt denn das?” Ich tippe auf Letzteres.

    Ich frage mich beim Lesen, ob daraus für dich irgendwas folgt, und falls ja, was.

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    1. Ich versuche bei dieser Betrachtung zu verstehen, warum die Menschen in Deutschland wie reagieren. Dabei geht viel über Psychologie. In unseren Köpfen bedeutet Flüchtlingssein oft Besitztlosigkeit und Lebensbedrohung. Dann springt unser Mitleid an und wir geben und helfen (natürlich ist das verallgemeinert).
      Modernes Flüchtlingstum sieht aber anders aus. Die Flüchtlinge haben nichts, wenn sie kommen, das Smartphone ist eines der wenigen Ausnahmen. Da es aber ein teurer Gegenstand ist, wird unser Blick überverhältnismäßig darauf gelenkt. Und Unverständnis entsteht.

      Der Junge kommt zudem vom Balkan und war in seinem Leben nicht bedroht – es handelt sich bei dieser Familie vermutlich um Wirtschaftsflüchtlinge. Diese siebenköpfige Familie ist mindestens ein Jahr in Deutschland und wird komplett von unserem System getragen. Die Eltern sind so schwach gebildet, dass es kaum möglich scheint, sie hier zu integrieren und in ein Selbstversorgungssystem zu überführen. Und nun steht die Frage und ich halte es nicht für kaltherzig, wenn unsere Gesellschaft sie sich stellt: Können wir das tragen? Wenn ja, in welchem Maße hält unser Sozialsystem das aus? Wenn nicht, wie gehen wir dennoch menschenwürdig mit diesen Menschen um?

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      1. Ich fürchte, so ganz verstehe ich noch nicht. Geht es dir um die psychologische Reaktion, oder die Fragen am Schluss? Und dann würde ich eben gerne wissen, was du meinst. Beantwortest du dir die Fragen irgendwie, oder möchtest du auf irgendwas Bestimmtes hinaus? Hast du den Eindruck, dass diese Fragen nicht gestellt werden? Oder worum geht’s dir?

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        1. Zum einen geht es mir darum, meine Mitmenschen zu verstehen, von denen viele Angst vor den Fremden haben, die verbunden ist mit der Angst vor dem eigenen sozialen Abstieg in einer ungewissen Zukunft. Ich teile diese Angst nicht, aber ich kann sie so verstehen.
          Zum anderen stelle ich mir natürlich auch die Frage, was denkst du selbst? Ich neide dem Jungen sein Smartphone nicht, das ist mir ziemlich egal. Was ich im Anblick dieses Jungen sehe, ist die Gefahr einer Parallelgesellschaft. In ihm zeigte sich sinnbildlich eine wachsende Menge an Menschen, die natürlich materielle Bedürfnisse haben und deren Befriedigung auch nicht einfrieren möchten, die zu ihrer Erfüllung aber von selbst nichts beitragen können. Je größer diese Menge wird, desto mehr gerät eine Gesellschaft aus dem Gleichgewicht. Der Junge geht zur Schule, er könnte gut deutsch lernen, eine Ausbildung machen, Geld verdienen. Könnte er – es gibt Erfolgsgeschichten. Aber was ist, wenn er nicht gut genug ist, wenn sein Deutsch holprig bleibt, wenn er keine seinen Wünschen entsprechende Stelle findet? Und bis dahin vergehen Jahre. Jahre, in denen unser Staat diese Familie unterstützen muss – komplett, denn die Eltern sind nicht in der Lage, Geld zu verdienen. So, will ich das?
          Und jetzt kommt noch ein Gedanke dazu – ich kann nicht nur an das Schicksal dieser Familie denken. Im Einzelfall sagt man schnell, das schaffen wir schon. Wie viele Menschen mit einem ähnlichen Schicksal suchen in Deutschland Zuflucht? Ich weiß es nicht, aber diese Familie vom Balkan und andere kann unser Land nicht über Jahre finanziell unterstützen, ohne das an anderer Stelle gespart wird. Und will ich das? Und da bin ich an dem Punkt, dass ich sage, ich würde es sehr bedauern, wenn wir Leistungen in unserem Land kürzen, wenn wir Theater schließen, Straßen nicht sanieren, Schulklassen bis an die Obergrenze auffüllen… Als letzte Konsequenz muss ich dann sagen, nein, wir können nicht jeden aufnehmen und sollten diesen Menschen keine Hoffnung machen und sie zügiger abschieben.
          Ein Bekannter lebt im Ausland, aber es war ein langer Weg, bis er eine Arbeitsgenehmigung hatte, obwohl er ein Universitätsstudium hinter sich hatte und den Sprachtest dieses Landes bestanden hatte und viele weitere Hürden durchlaufen war und obendrein einen dort gesuchten Beruf ausübt. Verachten wir dafür andere Nationen? Nö. Bis vor kurzem hielt ich das sogar für normal. Ein andere Bekannter beispielsweise hat eine Frau aus dem Ausland heiraten wollen und ist schier verzweifelt, wie streng die Behörden mit ihnen umgegangen sind und wie lange es gedauert hat, bis sie endlich nach Deutschland einreisen durfte. Sie kam aus dem sogenannten westlichen Ausland.

          Aus einer Kriegsregion zu fliehen, ist jedoch etwas anderes. Diese Menschen können wir nicht zurück schicken. Und mir ist völlig klar, dass das schwierig ist, das genau zu unterscheiden – denn der Einzelfall ist eben doch differenzierter. Und deshalb gibt es auch hier keine kurze Ja – Nein- Antwort.
          Denn wenn wir weiterdenken, muss man (rein in der Theorie) den Gedanken zulassen: können wir tatsächlich alle Kriegsflüchtlinge dieses Erdteils aufnehmen? So leid mir das menschlich tut, nein. Was aber dann? Eine bessere Verteilung in der EU? Bomben gegen den IS? Eine Mauer um Deutschland erscheint mir ausgeschlossen, ich bin froh, dass wir die Mauer eingerissen haben. Und jetzt gebe ich zu, dass ich ein viel zu kleines Licht bin, um hier in dieser komplexen Situation noch etwas Erhellendes beizutragen.

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  2. Danke!
    Ich finde, du beschreibst sehr gut, was momentan überall gescheiht und was in der „öffentlichen“, sprich in der von Medien verbreiteten, Wahrnehmung zu kurz kommt. Nämlich den Umstand, dass wir auch fordern müssen, damit die Integration gelingen kann – wobei sich manchmal auch die Frage stellt, ob es so sinnvoll ist, Menschen ohne Chance auf Asyl auf Teufel komm raus integrieren zu wollen. So hart das im Einzelfall ganz sicherlich ist.

    Ich frage mich nur in letzter Zeit häufiger, wie das weitergehen soll. Die momentane Kopflosigkeit angesichts der Menge an Menschen, die täglich kommt, und die auch im nächsten Jahr kommen wird, und demgegenüber der zunehmende Unmut in der Gesellschaft auch und gerade von denen, die abgehängt sind oder sich so fühlen, das macht mir Sorgen.

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  3. Ich bin auch kein Gutmensch, engagiere mich nirgendwo ehrenamtlich.
    Allerdings wende ich mich vehement gegen das Sorgengesäusel „Wie soll das denn wieter gehen?“ und rechte Äußerungen.
    Das ist Aufgabe der Politik, sich Programme zu überlegen, Verpflichtungen, Deutsch zu lernen verknüpft mit materiellen Zuwendungen.
    Es gibt übrigens kaum deutsche Familien, die nicht Fluchterfahrungen haben. Man muss nur zwei oder drei Generationen zurück gehen.

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    1. Ich find es schade, Sorgen und rechte Äußerungen in dieselbe Ecke zu stellen. Das unterbindet nämlich von vornherein jedwede Form von Diskussion, und führt, wenn man konsequent folgert, letztendlich zu Denkverboten.
      Davon ab sieht man doch aktuell, dass sich die Politik rein gar nichts überlegt und weder Konzept noch Ansätze hat. Alle Unterkünfte sind überfüllt, die Menschen sitzen bei Minusgraden in Zelten und täglich werden es mehr. Einfach weiter so?
      Außerdem ist es in meinen Augen Bürgerpflicht, sich mit Politik auseinanderzusetzen und das nicht einfach nach dem Motto „Die werdens schon richtig machen“ laufen zu lassen. Alleine schon, um bei Wahlen eine informierte Entscheidung treffen zu können.

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      1. Leider ist meine Erfahrung der letzten Wochen, dass es einen Teil Menschen gibt, die sich sorgen und sich dann von rechten Gedanken vereinnahmen lassen, oft ohne es zu merken.
        Ganz ehrlich, ich glaube, die Politiker rotieren momentan bis zur menschlichen Belastungsgrenze. Es gibt keine Universallösung. Und schon gar keine Meinungseinheit. Und da sind wir am Punkt.
        Wie sollen Politiker entscheiden, wenn wir als Gesellschaft zerrissen sind? Es geht hier nicht nur um handfeste Politik, es geht hier um die große Frage, welche Gesellschaft wir in der Zukunft sein wollen.

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        1. Das stimmt, leider. Aber das macht die Situation momentan leider auch so gefährlich, weil viele Menschen unzufrieden mit der Situation sind und zugleich signalisiert bekommen, dass das alles „alternativlos“ ist und Kritik unerwünscht. Da ist es zu leicht – auch wenn es schlimm ist, das zu schreiben, denn denken und zwischen den Zeilen lesen sollte jeder können – den Rattenfängern auf den Leim zu gehen.
          Ich mag mir jedenfalls nicht zu genau vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn man den Bückling beim Amt machen muss, um das mikrige Hartz4 zu bekommen oder trotz Volleitjob aufstocken muss und dennoch kaum was übrig hat, und aus dieser Perspektive die Flüchtlingskrise sieht. Und wie heute zu lesen war, sind 20% der Bevölkerung (16 Millionen Menschen) „armutsgefährdet“, sprich als Single mit weniger als 987€ netto unterwegs. Das sind sehr viele Menschen, die von der achso tollen Wirtschaftslage rein gar nichts haben…

          Ich hoffe, dass die Politiker rotieren und daran arbeiten, die Krise zu bewältigen. Ich hoffe es wirklich, denn die Folgen, die eine planlose und verfehlte Politik in der aktuellen Situation nach sich ziehen wird, die werden die Politiker ganz sicher nicht ausbaden müssen.

          Die Frage nach der Gesellschaft ist richtig und wichtig. Darauf habe ich auch keine Antwort, außer den Minimalkonsens: Das Grundgesetz muss weiterhin gelten, ohne Wenn und Aber. Inklusive Rechte für Frauen und Homosexuelle, aber auch Meinungsfreiheit.

          Letztlich alles sehr unbefriedigend.

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        2. naja, ich wäre gern teil einer gesellschaft, die den begrff „gutmensch“ ganz schnell wieder aus ihrem vokabular streicht. der begriff ist ein unding. er wird vor allem von „besorgten bürgern“ vom rechten rand verwendet. würdest du dich da einordnen? doch wohl nicht, oder? warum dann der begriff?

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          1. Die einfache Antworf auf Ihre Frage lautet: Weil in Deutschland noch immer Meinungsfreiheit herrscht – deren Grenzen bestimmt der Gesetzgeber und nicht selbsternannte Debattenhygieniker. Man kann und muss über den Sinn und Unsinn von Schlagworten und zugespitzten Wertungen (siehe auch „Pack“) streiten. Ihre Verwendung aber einfach auf den Index zu setzen, läuft nicht.

            Mit Ihrem „Argument“ könnte man z. B. auch das Essen mit Messer und Gabel gesellschaftlich ächten wollen. Denn das tun „besorgte Bürger vom rechten Rand“ schließlich auch – wer auch immer und aus welchem Grund zu diesem Kreis gehört.

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            1. hallo? selbstverständlich können sie diesen begriff nutzen. nur begibt man sich damit in geistige gesellschaft, gewollt oder auch nicht, die manchem sicherlich unangenehm ist. und mir wäre eine gesellschaft mit weniger menschen rechten geistes, die jetzt wieder aus ihren löchern gekrochen kommen, sehr viel lieber. nicht mehr, nicht weniger. ich mag nun mal keine leute, die „sorge“ nennen, was ressentiment ist, und nazi-haltungen vertreten, aber meinen, deshalb noch lange kein nazui zu sein. wehret den anfängen.

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          2. Den Begriff Gutmensch habe ich schon lange im Vokabular und zwar überhaupt nicht negativ besetzt. Er meint tatsächlich die Menschen, die zuerst immer das Gute an einer Sache sehen und schneller bereit sind, sich aufzuopfern, als andere. Momentan wird dieser Begriff leider viel zu oft despektierlich gebraucht, das tut mir leid. Möglicherweise muss ich ihn aus meinem Sprachgebrauch auch streichen, wenn es noch mehr überhand nimmt. Schade, weil ein Gutmensch zuallererst ein guter Mensch ist, das wollte ich nicht streichen und hoffte, dass das in meinem Text auch deutlich wird.

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    2. Die Politik tut das aber offensichtlich nicht.
      Ich hatte bis vor kurzem mit jungen Flüchtlingen deutsch geübt, ehrenamtlich, und mein Fazit ist: ein paar gutwillige Ehrenamtliche reichen NICHT AUS! Und wenn man diese Arbeit professionell machen lässt und bezahlt, kostet das immense Massen an Steuergeldern. Da rede ich aber noch nicht von Schulunterricht, denn selbst mit wahnsinnig viel gutem Willen, Schulerfahrung (die man nicht voraussetzen darf!) und hoher Intelligenz kann jemand, der nicht Deutsch kann, nur auf Basis von Schulunterricht richtig vernünftig Deutsch lernen. Meine Nachhilfeschüler wurden auf den deutschen Hauptschulabschluss vorbereitet – schon mal versucht, jemandem, der nach 2 JAhren Unterricht nur sehr gebrochen deutsch spricht, die jüngere deutsche Geschichte nahezubringen? Oder Ethik? Ohne Sprachkenntnisse wird Integration nicht gelingen! Und ich fürchte, die Regierungsriege hat KEINEN TAU von der Situation an der Basis.

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      1. Entschuldigung, es muss heißen, …kann auf der Basis von Schulunterricht NICHT richtig deutsch lernen. Die Schule war rein für Flüchtinge, es gab keine deutschen Schüler. Letztlich ist das auch ein realistisches Szenario – kleinere Kinder kann man im deutschenSystem mitnehmen, und dann lernen sie über ihre Mitschüler deutsch, aber für den Rest wird es gemischte Lerngruppen nicht geben.

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        1. Beim Flüchtlingstreffen fand ich es sehr schön, wie die Kinder verschiedenster Nationen Ball spielten – bei ihnen war die Motivation groß, deutsch zu lernen, um sich untereinander verständigen zu können. Die Jugendlichen hielten sich zum Teil eher an die Kommunikation mit ihrem Handy und das sicher nicht auf deutsch und dort gehen die Probleme schon los. Die Kleinen kann man leichter integrieren, die Größeren brauchen schon mehr Motivation, aber auch da sehe ich in unserem System noch Möglichkeiten. Nur müssen wir uns eingestehen, dass das tatsächlich viel Geld kostet, was uns anderswo fehlen wird. Wenn wir das akzeptieren, wird sich unsere Gesellschaft verändern – wohin, kann keiner sagen. Meine Befürchtungen liegen bei den vielen Erwachsenen, die eine niedrige Bildung haben. Sicher, einige hatten auch einfach keine Gelegenheit zu lernen und werden ausbildungsfähig werden, weil sie die nötige Motivation haben. Aber was macht unsere Gesellschaft mit denen, die sich als nicht ausbildungsfähig erweisen?

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          1. Der Anteil ist bereits mit der Zuwanderung diesen Jahres erschreckend hoch, denn die Aussage der Kanzlerin „Wir sind 80 Millionen“ ist ja eine bewusste Irreführung, da die Altersstruktur nicht berücksichtigt wird. Da kommt man dann schon auf ca. 10% der entsprechenden Jahrgänge, davon ein erheblicher Männerüberschuß und ein Ende des Zustroms liegt ja laut Regierung nicht in unserer Hand.
            Ich frage mich ja nur, ob die Regierungsmitglieder noch Personenschutz haben, eigentlich müssten sie den ja ablehnen, Gewalt darf ja nicht eingesetzt werden. Ich befürchte aber, wenn in DE jemand sein Steuern regelmäßig nicht bezahlt, wird es nicht bei einem unverbindlichen Wunsch, das doch bitte bei Gelegenheit nachzuholen bleiben.

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      2. Ich fürchte, der Regierung ist es schlichtweg egal, die haben Angst vor den Konsequenzen, wenn sie die Situation realistisch einschätzen müssen, also wird so getan als sei alles in Ordnung. Das kann man sicher noch einige Zeit durchhalten. Es wird halt immer teurer und der Zusammenstoß mit der Realität heftiger.

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  4. Die Sprache ist das A und O. Daher finde ich, sollte das Erlernen einer Landessprache auf alle Fälle eine legitime Forderung an die Leute bleiben dürfen.
    Ich habe in jungen Jahren mal vier Monate in Spanien gelebt und konnte mich mit Hilfe eines Spanischbuches, Kontakt zu den Leuten dort und notfalls mit Hand und Fuß verständigen. Daher frage ich mich auch, ob man so talentfrei sein kann, nach 20 Jahren in einem Land die Sprache immer noch nicht mal halbwegs zu beherrschen, oder ob man einfach keine Lust dazu hat, weil man eh in seinem kleinen Ghetto lebt.
    Das ist nicht böse gemeint, aber das, was ich beobachte.

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    1. Das ist ja nicht unbedingt eine Frage von Lust, sondern von Zeit & „brauch ich das“? Wenn eine Frau vier kleine Kinder großzieht in einer Ghettosituation, alle ihre täglichen Besorgungen in der Muttersprache erledigen kann, zur Not die Kinder als Übersetzer mitnehmen kann – wird sie dann Zeit und den Drive haben, sich dann um 20 Uhr in einen Volkshochschulkurs zu setzen? In vielen Fällen wohl nicht.

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        1. Ich erlebe immer häufiger Eltern, die nur gebrochen deutsch sprechen – meist die Mutter, obwohl sie seit Jahrzehnten in Deutschland leben. Niemand erwartet ein geschliffenes Hochdeutsch, aber ich denke auch, dass unsere Gesellschaft fordern kann, dass jemand, der in unserem Land lebt, durchaus aktiv Sprachbemühungen nachweisen muss. Sonst kommt man nie raus aus diesen Ghettoisierungstendenzen. Dass das natürlich auch eine vorhandene Infrastruktur voraussetzt, ist wieder etwas anderes.

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  5. „Ich find es schade, Sorgen und rechte Äußerungen in dieselbe Ecke zu stellen.“
    Ich stelle sie sehr bewusst dorthin.
    Die Steuereinnahmen laufen auf ein Rekordhoch hinaus, laut Schäuble.
    Und in unserem politischen System haben wir uns darauf geeinigt, Verwaltung zu delegieren. Deswegen muss die Politik sich verschärft Gedanken machen.
    „Wirtschaftsflüchtlinge…“
    Millionen Deutsche und Bewohner Bessarabiens wanderten im 19. Jahrhundert nach den USA aus, aus rein wirtschaftlichen Gründen (Martin Pollack, Kaiser von Amerika. Die große Flucht aus Galizien. Zsolnay, Wien 2010, ISBN 978-3-552-05514-8).
    Dass es bildungsferne und -unwillige Familien gibt, ist klar. Da brauche ich in meiner Nachbarschaft gar nicht so weit zu gucken.

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    1. Das bedeutet ganz konkret, dass du mich in die rechte Ecke stellst? Harter Tobak. Wenn du so argumentieren möchtest – was ich sehr schade fände, denn so habe ich dich bisher nicht erlebt – dann ist jede Diskussion am Ende.

      Hohe Steuereinnahmen sind schön. Was kommt bei den bedürftigen Menschen – den 16 Millionen Deutschen, die armutsgefährdet sind, denn „arm“ ist in Deutschland ja per Definition niemand – denn davon an? Bei denen wäre nichts angekommen, weil bei denen seit Jahren nichts ankommt. Kommt eben dabei heraus, wenn man darauf vertraut, dass die Politik schon weiß, was sie da tut.
      Zugleich leisten wir uns eine enorme Staatsverschuldung, marode Infrastruktur und den Luxus, reiche Leute und Unternehmen steuerfrei zu mogeln. Das Klima ist explosiv. Und je mehr Menschen realisieren, dass an ihnen gespart wird, während überall sonst Geld da ist – Diäten der Abgeordneten, Berliner Flughafenruine, Stuttgart 21 etc. – desto stärker kocht es.

      Dein Vergleich mit der Emmigration in die USA hat einen gewaltigen Haken, den du vermutlich nicht beabsichtigt hast. Was ist denn mit der amerikanischen Bevölkerung passiert? Die hat die Kolonisierung nämlich oft genug nicht überlebt. Wenn das die Marschroute ist, die dein Verweis andeuten sollte, dann gute Nacht.

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      1. Das ist eben ein typisches Kennzeichen der politischen Diskussion: Wer keine oder nur schwache Argumente hat (siehe den schon ins Abstruse gehenden Vergleich mit der Einwanderung in die USA im 19. Jh.), stellt Probleme einfach in Abrede, verhängt Diskussionsverbote und diffamiert alle, die nicht der gleichen Meinung sind, einfach als „Rechte“ oder gleich als Nazis.

        Dabei ist all das das Dümmste, was man in dieser Situation überhaupt tun kann. Denn so bekommt man am Ende genau das, was man vorgeblich so vehement bekämpft. Man stärkt entweder Rechtspopulisten und noch Schlimmeres (wie in Dänemark, Österreich, Frankreich, den Niederlanden oder Belgien). Oder man züchtet sie sich sogar dort, wo es sie vorher noch gar nicht gegeben hat (so etwa die Schwedendemokraten oder die „Wahren Finnen“).

        Indem sie sich dieser entsetzlich einfachen Erkenntnis verschließen, werden hauptschulblues und seinesgleichen zu deren zuverlässigsten Wahlhelfern.

        Wir haben in D bislang einfach eine Menge Glück gehabt, dass sich als Vormann einer rechtspopulistischen Partei kein bedenkenlos-charismatischer Yuppie vom Schlage eines Jörg Haider oder einer Marine Le Pen hat finden lassen – und dass die anderen Versuche in dieser Richtung bloß lokale Aufwallungen (Schill), professorale Kopfgeburten (die AfD unter Lucke) oder geistlose Pampe (DVU/NPD u. Co.) hervorgebracht haben.

        Das muss nicht immer so bleiben. Im kommenden Frühjahr stehen hier einige Landtagswahlen an. Ich kann micht gut an 1992 erinnern, wo – ebenfalls während einer Asyl-Debatte, aber bei weitaus geringerem Problemdruck – kein Mensch vorher einen Anteil von 10% Republikanern auf der Rechnung hatte. In den Umfragen sieht man Ähnliches jetzt kommen.

        Darauf, dass es bei 7-8% AfD bleibt, möchte ich nicht wetten. Auf zweistellige Werte schon viel eher. Und möglicherweise braucht die hohe Politik tatsächlich einen lauten Warnschuss.

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        1. Ich glaube, Haupschuelblues ist da übers Ziel hinausgeschossen, wie ja auch sein letzter Beitrag zeigt. Und ich habe ihn bisher auch als sehr reflektierten Menschen kennengelernt, weshalb ich ihm keine so naive Weltanschauung unterstelle. Das Thema ist nun einmal sehr heikel, und da kochen die Emotionen schnell hoch. So lange man sich noch verständigt und Missverständnisse aus dem Weg räumt, geht das aber in Ordnung.

          Die angesprochenen Probleme sehe ich auch, insbesondere was das Auftauchen eines Charismatikers rechts der CSU betrifft. In Frankreich ist Le Pen eine ernstzunehmende Kandidatin auf das Präsidentenamt, die es zudem geschafft hat, den FN aus der Schmuddelecke herauszuholen. Ich hoffe, dass es in Deutschland nicht eine ähnliche Figur bis ganz nach vorne schafft. Denn sosehr ich finde, dass die Politiker eins aufs Dach benötigen, so wenig mag ich mir eine NPD/AfD/whatever im zweistelligen Prozentbereich im Bundestag vorstellen.

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      2. @pimalrquadrat
        Ich wollte nicht Sie persönlich in die rechte Ecke stellen. Ich kann nur die vorsichtigen Klagen nicht mehr hören, die dann sehr schnell in Richtung Pegida abdriften.
        Sie haben sicher recht, es gibt sehr viele Arme im Land. Aber das ist ein anderes Thema; gegen Armut kämpfe ich auch an.
        Die Menschen, die vor Wochen sofort angepackt haben, oder jetzt die ZOB-Angels, oder meine Freundin C., die als Refu-Doc zweimal die Woche arbeitet, wenn die klagen und Bedenken äußern, dann ist das was anderes.
        Ich wollte Ihnen wirklich nicht zu nahe treten. Aber ein Blog ist auch dazu da, mal den Dampf abzulassen.
        Die galizischen und schlesischen und bukowinischen Einwanderer wurden alle in die USA gelassen, wenn auch mit Wartezeit auf den Inseln vor New York. Klar, ohne Unterstützung. Viele hatten aber schon Verwandte, andere zogen nach Westen und nahmen den Ureinwohnern dort ein Stück Land weg.

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        1. Kein Problem, das hätte mich auch gewundert. Missverständnisse kommen vor. Wie gesagt, bisher war mein Eindruck ein anderer, weshalb mich das doch gewundert hätte. Insofern: Für mich erledigt, alles in Ordnung.
          Und ja, manchmal muss man auch Dampf ablassen, das stimmt. Dass die Freundin C. sich persönlich engagiert, das finde ich toll und respektiere ich sehr. Ohne Menschen wie C. sähe die Lage nämlich noch einmal ganz anders aus.

          Von Pegida und der AfD halte ich auch nichts, aber die erhalten momentan so viel Zulauf, weil sie einfache Antworten bieten – und weil vielerorts Kritik an der aktuellen Situation nicht so gern gesehen wird bzw. dann schnell in die rechte Ecke gesetzt wird. Was auch der Grund ist, aus dem ich so reagiert habe. Ich finde, dass wir definitiv Verantwortug haben und Flüchtlinge aufnehmen müssen, dass sich das aber so, wie es jetzt läuft, nicht fortsetzen lassen kann, und es auch das Eingeständnis einer Obergrenze braucht, so hart das im Einzelfall ganz sicher ist.

          Die Situation mit Amerika sehe ich sehr zweischneidig, denn Ellis Island (Island of Tears) möchte heutzutage glaube ich auch niemand mehr sehen. Und die USA haben doch sehr rigoros ausgesiebt, wer letztlich reindurfte und wer nicht, und große Hilfe vom Staat gab es auch nicht. Und es gab deutlich mehr „unbeanspruchtes“ Land als es das in Deutschland gibt. Sehr schwierig.

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          1. Das Problem ist, dass rechts mit böse gleichgesetzt wird, links mit gut, obwohl es bspw. bei der Gewaltanwendung völlig gleichgültig ist, ob es linke oder rechte Gewalt ist, beides hat nichts in der politischen Auseinandersetzung verloren. Bedauerlicherweise wird aber linke Gewalt als mehr oder minder legitimes Mittel angesehen, so hat sich sogar W.Thierse an Sitzblockaden beteiligt oder Heiko Maas tritt zusammen mit der Antifa auf, die sich letztendlich, außer im Ziel der Gewalt, nur unwesentlich von frühen SA Auftritten unterscheidet. (Bis hin zu Brandanschlägen auf die Polizei)
            Wenn man jetzt Fragen nach „Was wollen wir eigentlich schaffen“ oder die nach der Bezahlung als gefährlich nahe zum bösen rechts rückt, kommt man sehr schnell zu Denkverboten. Diese Fragen drängen sich aber für jeden, der über einen Grundschulabschluß im Rechnen verfügt auf. Deshalb hat ja auch der grüne Matematiklehrer so viel Probleme in seiner Partei.
            Die Aussage von Frau Klöckner, dass der Steuerzahler nicht für die Kosten aufkomme (https://www.facebook.com/juliakloeckner/posts/1001138283277083?fref=nf), kann man eigentlich nur mit sehr viel schwarzem Humor ertragen. Normalerweise gehört jemand, der das ernst meint unter Sachwalterschaft gestellt, da offensichtlich nicht das geringste Verständnis für Geld besteht, aber die hat tatsächlich gute Aussichten Ministerpräsidentin eines Bundeslandes zu werden. Insofern gehe ich mal eher von bewußter Irreführung aus. Ich weiß aber nicht was schlimmer ist.

            @pimalrquadrat, ich würde mir da keine Illusionen machen, dass die Politik ernsthaft an einer Lösung arbeitet. Wenn man die Lösungsmöglichkeiten außer der Pleite mit Selbstaufgabe durchdenkt, münden die alle in einer sehr schlechten Presse und wird bis zum bitteren Ende vermieden, also wird simuliert. Ich habe das im Grenzgebiet zu AT mitbekommen, die Grenzkontrollen verhindern keine einzige Zuwanderung, nein AT ist kein Staat, aus dem man fliehen müsste, sondern gaukeln der Bevölkerung nur Aktivität vor und behindern die lokale Bevölkerung.

            Die Verhandlungen über eine Verteilung sind müßig, erstens will die keiner, ich bin sehr viel im Ausland unterwegs, die Kommentare zur deutschen Politik sind keineswegs positiv, zweitens wollen die „Flüchtlinge“ auch nirgendwo anders hin. Sicher, man kann Leute auch zwangsweise nach Litauen bringen, haben wir zwischen 1942 und 1944 auch gekonnt, aber die schlechte Presse haben wir heute noch.
            Lustig ist auch, dass die Grünen zwar bei der Abschiebung auf Freiwilligkeit setzen, aber nicht bei der Steuerzahlung.

            Mir ist deshalb inzwischen die Gleichsetzung mit rechts und böse egal. Es gibt vernünftige Gedanken, wenn als einziges Gegenargument „rechts“ kommt, dann ist das ein Ausweichen und legt den Verdacht auf das Fehlen von inhaltlichen Argumenten nahe.

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    2. Vielleicht könnte man noch anführen, dass bei der Auswanderung in die USA keineswegs jeder ins Land gelassen wurde und die dortige Unterstützung für Neueinwanderer mit 0$ überschaubar ausfiel.
      Auch heute ist es so, wenn man bspw. als Inhaber einer nicht permanenten Aufenthaltsbewilligung die Arbeit verliert, hat man 6 Wochen Zeit, eine neue zu finden oder das Land zu verlassen. Diese Unterschiede sind sicherlich auch den meisten Linken (also den Guten) bekannt, werden aber nicht erwähnt.

      Es ist ja nichts gegen Zuwanderung einzuwenden, ich wohne selbst im Ausland, ich mußte aber nachweisen, dass ich niemanden auf der Tasche liege, um die Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

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    3. Naja, Herr Hauptschulblues, ich würde dann sagen, na gut, stellen Sie mich halt ins rechte Eck. Who cares. Das Einzige, was passiert, wenn auf Fragen und Kritik prinzipiell die Nazikeule geschwungen wird: sie verliert an Wirkung. Die Fragen und Probleme verschwinden nicht, nur weil man jemanden ins rechte Eck stellt.
      Das Beispiel mit den Wirtschaftsflüchtlingen hinkt übrgens massiv – die USA hatte im 19. Jh. jede Menge offene Jobs im Niedriglohnbereich für schlecht oder gar nicht Ausgebildete und waren eine rasant wachsende Volkswirtschaft. Soziales Netz gab es keines, d. h. eine Einwanderung in die Sozialsysteme fand – mangels Sozialsystem – nicht statt. Die USA kontrollierte Einwanderung z. Teil genau, siehe Ellis Island als „Transitzone“ – Gesundheit, Geld oder Verwandte im Land waren gefragt; wer damit nicht punkten konnte, wurde zurückgeschickt.

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  6. Auch wenn hier heftig gestritten wird, es bleibt eine offene, anregende Debatte und ich danke allen, die sich beteiligen und, wie mir scheint, trotz allen Meinungsverschiedeneheiten darauf achten, das Diskussionsniveau nicht zu senken. Ein kurzer Blick auf manche Internetseite belehrt uns nämlich, wie schnell jegliche Verbalschranken im Netz fallen können – gerade bei diesem Thema.
    Eine Lösung finden wir hier auch nicht, aber wir sehen die Gedanken des anderen, mit dem wir in einem Land leben, eine Gesellschaft bilden.

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