Vorweihnachtsüberforderung

Liebe Leser,

ich jammere nicht, ich stelle vielmehr nüchtern fest, dass ich mich überfordert fühle. Wie jedes Jahr vor Weihnachten. Es ist in diesen Wochen so viel zu tun, dass ich tatsächlich eine To-do-Liste brauche, sonst würde ich im Meer des Chaos‘ versinken, dabei mag ich To-do-Listen überhaupt nicht. Das ist eher was für Kontrollfreaks.

Trotzdem hier meine Liste: Ich muss

  • dringend Klausuren korrigieren, da jede Woche ein neuer Satz hinzukommt (ohne Ausnahme jede Woche),
  • bis morgen mal eben Diktate korrigieren und für die Hälfte meiner Klasse einen persönlichen Förderplan erstellen (Hilfe!),
  • Projekte bewerten, die wegen Sperrigkeit noch in der Schule herumliegen, aber bis Freitag versprochen waren (Welcher Teufel hat mich da bloß geritten?),
  • einen Arbeitskreis vorbereiten, weil Frau Henner ja so super strukturieren kann (Echt super!)
  • den Elternsprechabend nachbereiten, da meine Termine am Dienstag natürlich alle ausgebucht waren und ich nun die anderen Eltern, die nicht zum Zuge kamen, einzeln anrufen muss, um einen Einzelgesprächstermin auszumachen (muss sein, aber frisst sehr viel Zeit, die ich eigentlich für die Förderpläne siehe oben besser gebrauchen könnte, denn meist kommt die Frage: „Was kann ich tun, damit mein Kind besser wird?“),
  • Mein erbetenes Gespräch mit Elifs Eltern vorbereiten, das am Elternsprechabend nicht zustande kam, weil Elifs Eltern das Reglement unserer Schule zur Anmeldung zum Elternsprechabend nicht verstanden haben (heikel),
  • meinen Unterricht vorbereiten (Ich gebe zu, dass ich mich durch die letzten Wochen durchlaviere, Arbeit mit dem Lehrbuch steht bei mir grad hoch im Kurs, gerne lasse ich auch Plakate erstellen – da habe ich nicht so viel Vorbereitungsarbeit. Asche auf mein Haupt!)

Das ist das natürliche Tagesgeschäft eines Lehrers, ich beschwere mich nicht. Aber ich sehe die Last der Menge, spüre die schlechte Laune im Kollegium, die mal wieder hochkocht, und ärgere mich ganz ehrlich, dass das alles immer im Advent stattfindet. Und es geht nicht nur mir so. Die Kinder schreiben jede Woche mehrere Arbeiten.

Wo ist Raum für Besinnlichkeit? Wir haben das Haus geschmückt, es aber nicht auf den Weihnachtsmarkt zum ersten Advent geschafft. Wir haben alle Weihnachts-CDs ins Wohnzimmer geräumt, aber noch kaum eine angehört. Komme ich mittags nach Hause, falle ich entweder komatös aufs Sofa und wache nach zwei Stunden mit Kopfschmerzen auf, oder ich fange gleich an mit Arbeiten, zur Entspannung blogge ich zwischendurch. Das kann es nicht sein!

Die Woche habe ich Adventsbasteln eingeschoben. Es war schön, aber es war zu sehr eingetacktet: anderthalb Stunde basteln mit Lucy zwischen der Arbeit und Abendbrot. Wir hätten gerne noch weitergemacht, aber die Zeit lief uns gnadenlos davon. Das Kind muss ja ins Bett, morgen wird eine Erdkundearbeit geschrieben!

STOPP! REIßLEINE! AUSZEIT!

Ich weiß nur nicht, wie. Am besten ich fange ganz schnell an, meine To-do-Liste abzuarbeiten, dann kann ich vielleicht heute noch etwas Schönes machen. Plätzchen backen zum Beispiel…

 

viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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5 Kommentare zu “Vorweihnachtsüberforderung”

  1. Das klingt alles andere als besinnlich. 😦
    Ich verstehe übrigens das Tempo auch nicht, meine Schüler schreiben bereits jetzt vor Weihnachten die zweite und damit letzte Mathearbeit für dieses Halbjahr. Wo ist darin der Sinn zu erkennen? Die Zeit nach den Weihnachtsferien, die spielt keine Rolle mehr? Der Stoff kann vergessen werden? Anstatt es etwas zu entzerren und dafür nicht jede Woche eine bis drei Arbeit zu schreiben, was sicher auch auf viele Schüler zutrifft. Weißt du, warum diese Eile herrscht, Lilo?

    Und dann frage ich mich, wie wir es früher geschafft haben, sechs Arbeiten pro Schuljahr in den Hauptfächern zu schreiben.

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    1. Wir haben an unserer Schule die Regelung geschaffen, dass in der Unterstufe maximal zwei Klassenarbeiten pro Woche geschrieben werden sollen. Das funktioniert. Aber da in den ersten Schulwochen logischerweise nichts geprüft werden kann, weil ja erst einmal ein Thema behandelt werden muss, ballt sich alles zwischen den späten Herbstferien und Weihnachten. Bei uns herrscht die Eile, weil jeder weiß, nach Pfingsten kann ich nichts mehr schreiben, da fällt ständig was aus (oft wegen schöner Dinge wie Sportfest, Projekttage usw.). Also will jeder so schnell wie möglich seine Zensuren.
      Und auch die Eltern wollen das ja! Beim Elternsprechtag wird man ständig nach den Noten gefragt. Keiner fragt mich: „Haben Sie den Eindruck, dass mein Kind etwas versteht?“ Nein, die Eltern fragen: „Auf welchen Note steht mein Kind momentan genau?“

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      1. Das finde ich eine sehr gute Regelung! Das nimmt doch noch Druck von den Kleinen, die echt keine Woche mit drei oder mehr Arbeiten brauchen.
        Hm, ok, stimmt, Pfingsten ist oftmals die Deadline, daran dachte ich nicht mehr. Und natürlich muss jeder Lehrer auch darauf achten, seine Noten zusammenzubekommen, keine Frage.
        Gut, dass die Eltern da ständig nachfragen und Terz machen, das ist leider mehr und mehr so. Schade, dass es nur noch um die bloße Ziffer als Einstufung der Leistung geht, und nicht um Verständnis, das sehe ich wie du. Wo das aber noch enden wird?

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  2. Liebe Frau Henner,
    wie sagt man so schön, geteiltes Leid ist halbes Leid. Ich teile es mit Ihnen und kann Ihnen sagen, dass sich meine wachkomatösen Zustände bereits im Auto zelebrieren, wenn ich auf dem Schulparkplatz in mein Auto einsteige.
    Kopfschmerzen – ein gutes Stichwort. Darunter leide ich in solchen Hochphasen fast täglich. Ich weiß natürlich, wie sie abzustellen wären: viel trinken (keine Zeit), viel schlafen (keine Zeit), entspannen (ein Witz, wann denn?), spazieren gehen (in der Nacht?). Ein Blick ins Arbeitszimmer reicht mir, um aus Kopfschmerzen einen Migräneanfall werden zu lassen, wenn ich sehe, welche Korrekturen zeitnah zu erledigen sind und welche Konzepte/Arbeitspläne/andere sinnige bzw. unsinnige Schriftstücke mehr als zeitnah bei der Schulleitung einzureichen sind.
    Aber was solls, wir kommen aus dieser Tretmühle irgenwie nicht raus.
    Adventliche Grüße (ich trinke jetzt erstmal einen Weihnachtstee), Paula

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