Nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit…

Liebe Leser,

heute Morgen hätte ich beinahe ein Auto gerammt. Ein aus einer Seitenstraße kommender Wagen hat mir einfach mal so die Vorfahrt genommen. Aber durch das Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Autos habe ich frühzeitig gesehen, dass der Fahrer mit seinem Handy beschäftigt war, und antizipiert, dass er eventuell unaufmerksam ist. Also bin ich rechtzeitig in die Bremse gestiegen. Er hat zwar nach rechts und links geguckt, aber – von der Situation wahrscheinlich mental überfordert – entschieden, dass das locker reicht. Reichte es auch, weil ich gebremst habe. Ich bremse auch für Handyidioten.

Heute Mittag hätte ich beinahe ein Schulkind überfahren. Als ich mich dem Zebrastreifen näherte, stand rechts und links niemand. Wen ich nicht sehen konnte, war der Grundschüler, der auf dem gegenüberliegenden Fußweg hinter den parkenden Autos entlangradelte und dann für mich wie aus heiterem Himmel mit voller Kanne auf den Zebrastreifen fuhr. Es ist nichts passiert, meine Bremsen hatten ja schon den morgendlichen Test gut überstanden. Interessanterweise blickten mich die Passanten dann zornig an. Es nützt mir wenig, dass ich weiß, dass das Kind hätte am Zebrastreifen anhalten und absteigen müssen und dass dann gar keine gefährliche Situation entstanden wäre. Wer ein Kind anfährt, wird nicht mehr froh, Schuldfrage hin oder her.

Zweimal Glück gehabt, puh!

Im Auto mit dem Handy zu telefonieren, wird inzwischen als kleine Nachlässigkeit angesehen und hat sich eingebürgert wie Popeln im Dunkeln. Macht man natürlich nicht! Dass man selbst von einer Freisprechanlage abgelenkt wird, will schon gar keiner wissen. Und meistens geht es ja gut, weil die anderen aufmerksam waren.

Kinder machen Verkehrsschulungen und das ist extrem wichtig und trotzdem bleiben Kinder Kinder – sie sind unberechenbar. Und meistens passiert nichts, weil die anderen aufmerksam waren.

Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn der morgendliche Handyfahrer und der radelnde Grundschüler aufeinandergetroffen wären. Es geht nur um eine Sekunde – ein Sekunde Unaufmerksamkeit. Und aus einer kleinen Nachlässigkeit wird eine große Katastrophe.

Liebe Erwachsene, sprecht mit Kindern, die sich im Straßenverkehr falsch verhalten, sie müssen es erst lernen, sie ahnen meist gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben. Und liebe Erwachsene, lasst das verd*te Telefonieren im Auto. Es ist es nicht wert!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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5 Kommentare zu „Nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit…“

  1. Mir ist vor einiger Zeit ähnliches passiert.
    Morgens dunkel, ich schleiche mit dem Auto eine 30er-Zone entlang, da springt ein dunkel gekleidetes Teenagermädel zwischen Autos hervor, in das Handy vertieft.
    Auch bei 30 kann es mal ganz knapp ausgehen. Ich musste dann stehen bleiben und durchschnaufen.

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  2. Gott sei Dank ist nichts passiert. Was für ein aufregender Tag. Solche Situationen hat wohl jeder von uns schon mal erlebt und kann nachvollziehen, wie es Ihnen geht. Und ich kann dazu mitteilen, mir hängt so was ewig nach. Ich rege mich meistens noch Tage später über solche Verkehrsteilnehmer auf, insbesondere, wenn es sich um Kinder handelt. Jedes Jahr im Herbst, wenn morgendliche Dunkelheit zum Alltag wird, denkt kein Kind daran, seine Fahrradlampe einzuschalten. Oder denkt vielleicht kaum ein Elternteil darüber nach, für sein Kind zu denken? Wird wohl in der Mehrheit eher so sein. Traurige Wahrheit. Und wenn dann was passiert, ist grundsätzlich der Autofahrer schuldig. Prävention Fehlanzeige, Schuldzuweisung klar geregelt. Aber solche Beiträge wie dieser rütteln auf. Ich glaube fest daran. LG Paula

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    1. Zumindest hoffe ich das.
      Du hast Recht, gerade jetzt in der morgendlichen Dunkelheit wundere ich mich immer wieder darüber, wie dunkel gekleidet die Eltern ihre Kinder aus dem Haus lassen. Die Grundschüler leuchten wenigstens noch durch die reflektierenden Ranzen – da ist es mal ganz gut, dass es in deutschland so eine Voerordnung gibt, wie viel Prozent eines Ranzens so eine Folie haben muss, aber sobald die Kinder in der weiterführenden Schule sind und cool, darf nix mehr reflektieren. Unsere Schulbushaltestelle hat noch nicht mal eine Laterne!
      Da ist es fast ein Segen, dass die Kinder morgens auf ihre leuchtenden Displays gucken – ich würde sie sonst nicht sehen können.
      Wenn es dann aber wie bei Hauptschulblues passiert, ist dieser Vorteil auch wieder hin…

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