Männer mit Stöcken

Liebe Leser,

wenn ich laufe, bin ich schnell fernab der Zivilisation. Das genieße ich eher, als das ich mir Sorgen mache. Ich bin in Deutschland! Gut, ich laufe nicht regelmäßig die gleiche Strecke, man könnte mich also nur zufälligerweise überfallen, frau will ja niemanden herausfordern.

Herr Henner erzählte mir einmal, wie unangenehm es ihm sei, wenn er joggend eine Frau träfe, da er meist die Nervosität der Frau spüren würde. Dabei wolle er doch nur joggen. Deshalb bemühe er sich dann, die Frau möglichst schnell zu überholen, damit sie merke, dass von ihm keine Gefahr ausginge. Und weil die meisten Männer doch nur joggen wollen, will ich gar nicht groß nervös werden.

Aber zugegeben, wenn man als Frau so ganz allein durch den tiefen Wald läuft, dann wundert man sich schon, wenn man auf einen Mann trifft, besonders wenn er keine Sportkleidung anhat und kein Förster ist. Und überhaupt, ich treffe unter der Woche vielleicht zweimal im Jahr jemanden im Wald.

Vor ein paar Wochen kamen mir zwei junge, sehr attraktive Männer entgegen – gleich zwei – das ist in meinem Umfeld ein Erlebnis! Es waren zwar zwei, aber sie machten von Weitem schon so einen sympathischen Eindruck, dass ich kaum nervös wurde.

Heute nun stutze ich wieder. An einer Stelle tief im Walde kommt mir ein Mann entgegen, an dem mehrere Dinge seltsam sind. Er trägt keine Sportkleidung, sondern Jeans und Anorak, hat dunklere Haut, hört eine Musik, die ich als arabischen Gebetssingsang identifizieren würde, und in der Hand hält er einen großen Knüppel. Wahrscheinlich soll das ein Wanderstab sein, aber wer läuft mit einem so monströsen Teil durch die Gegend? Und dann diese mullahartigen Gesänge. Mir wird mulmig.

Oha, Frau Henner greift tief in die Klischeekiste! Ich bin nicht fremdenfeindlich. Dass der Mann wahrscheinlich ein Muslime ist, macht mir keine Angst. Ich werde mich möglicherweise sogar an diesen Singsang gewöhnen, auch wenn ich den in meinem Wald als sehr deplaziert empfinde, aber Leute, nur so als Integrationshinweis:

Männer, lasst eure Knüppel zuhause, wenn ihr ausgeht. Allein herumlaufende Frauen können das missverstehen.

Ich mache mich groß – so gut das geht – und blicke dem Fremden fest in die Augen. Natürlich lässt er den Knüppel unten und wandert munter weiter. Wer weiß, was ihn hierher getrieben hat und wohin er will…

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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