Winterfreuden

Liebe Leser,

„Ist Ihnen nicht kalt?“, fragen die kleinen Michelin-Männlein. Nö, wieso sollte mir kalt sein? Sehe ich so aus? Zum Beweis forme ich mit nackten Händen einen Schneeball und bewerfe Elif. Elif guckt verdutzt, dann wirft sie zurück. Vladimir hat nur darauf gewartet und stürzt herzu. Sekunden später habe ich meine Fünfer in eine lustige Schneeballschlacht verwickelt. Ganz spontan.

Das Geplante war längst gelaufen. Ordnungsgemäß hatte ich heute die Fünfer abgemeldet. „Ich geh mit meiner Klasse raus“, hatte ich im Sekretariat gesagt. So etwas muss notiert werden. Zur Sicherheit. Natürlich gehe ich raus, wenn endlich der heißersehnte Schnee auch bis in die Talniederungen gefallen ist. Dicke, weiße Flocken. Gibt prima Schneebälle.

Raus in den Park, weit weg von der Schule, wo der Park nicht mehr zum Schulgelände gehört, denn… richtig: Schneeballwerfen ist auf dem Schulgelände strengstens untersagt. Wir formen Schneebälle. Hinein packen wir unsere Sorgen, wie das knusprige Stück Brot, was in einen Kloß kommt. Und was alles hineingepackt wird. Angst vor Klimawandel, Terroranschlägen, schlimmen Krankheiten, Schmerzen, Streit. Alles rein in die Schneebälle und dann stellen wir uns in einer Reihe auf und schleudern die Sorgen weit fort. Die Kinder kreischen, werfen, machen neue Bälle. Die Wangen werden rot und die nicht behandschuhten Hände eiskalt. Herrlich, so ein bisschen Schnee!

Und dann machen wir die spontane Schneeballschlacht. Mit kaum etwas kann man Kinder glücklicher machen. Danke, Frau Holle!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

 

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7 Kommentare zu “Winterfreuden”

  1. Für solche Momente beneide ich die Leute auf dem Land dann doch. Parks sind von Schulen in der Stadt gerne mal ein paar Kilometer entfernt und selbst wenn man es dorthin schafft, kann man sicher sein, dass es hinterher Ärger gibt, weil irgendjemand solches Herumtoben gleich wieder als kritisch erachtet…

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    1. Jau, kann es mir momentan auch gar nicht anders vorstellen. Wenn es geht, gehe ich raus in den Park, in den Wald, steige auf den Berg. Da fühlt man ganz anders, dass man lebt. Und ja, da meckert niemand. Im Gegenteil, wenn dann die Schüler fröhlich Wanderer grüßen, sind die immer ganz baff, weil sie so nett sind. Gut, Landkinder wie unsere sind auch noch recht naiv und grüßen jeden, weil man es auf dem Dorf halt so macht 😉

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  2. Des einen Freud, des anderen Leid… Sturmtief Emma und Gudrun haben leider nicht nur Schnee und den damit verbundenen Spaß im Gepäck, beide bereiten wetterfühligen Menschen leider heftige Gesundheitsbeeinträchtigungen. Bereits am Mittwoch und am Donnerstag habe ich in meinen Klassen beobachtet (wohl bemerkt, ich habe ausschließlich mit erwachsenen SchülerInnen zu tun), dass einige ziemlich neben der Spur waren. Auf Nachfrage kamen Antworten wie: „…schlecht geschlafen, Kopfschmerzen, allgemeines Unwohlsein, kein Antrieb…“. Am Freitag betrat ich eine Gesundheitsklasse und sah auf einigen Plätzen Packungen bekannter Schmerzmittel, eine Schülerin hatte sogar ein so starkes Migränepräparat liegen. Ich habe mich mit diesen SchülerInnen dann doch mal intensiver ausgetauscht, wie, wann und warum diese Beschwerden auftreten. Am häufigsten wurden Wetterfühligkeiten benannt. Ich habe die Stunde schlagartig umgestellt – Jacken und Handschuhe an, Mützen auf, eine dreiviertel Stunde Spaziergang im angrenzenden Park. Danach tranken wir in der Schülermensa alle einen heißen Tee oder eine Schokolade. Es war am Ende der Doppelstunde a) eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Stimmungslage zu verzeichnen und b) eine deutliche Verbesserung der Kopfschmerzleiden. Frische Luft, Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und einige andere einfache Mittel können Wetterfühligkeiten zwar nicht wegzaubern, aber sie können sie mildern und häufig den Griff zur Tabletten umgehen. Und darum kann ich es beispielsweise auch nicht verstehen, warum solche Fachschulklassen keinen Sportunterricht mehr haben, wie es früher noch gang und gäbe war.
    Ich musste schmunzeln, als ich Ihre Zeile gestern las. Da ich genau wie Sie, vielleicht aus einem anderen Anlass heraus, aber dennoch hinaus ins schöne Schneegestöber mit meinen SchülerInnen gegangen bin.

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    1. Schön! Sie haben Recht, bei den Kleinen merkt man die Wetterfühligkeit noch nicht. Umso besser, wenn dann „Große“ erfahren, wie einfach man manches Leiden mindern kann. Wenn man seinen inneren Schweinehund überwindet…

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      1. Genau…ich habe übrigens ihre Winterfreuden zum Anlass genommen, auch darüber auf meiner Seite etwas zu schreiben und auf ihr Blog verwiesen. Ich hoffe, das ist in Ordnung? LG Paula

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