Lebenswege

Liebe Leser,

man soll Beiträge, Briefe und Ähnliches nicht mit „ich“ anfangen. Aber dieser Blog ist eine Art Tagebuch und wen juckt es da…

Ich denke darüber nach, die Schule zu wechseln.

Nicht weil die Atmosphäre manchmal zum Schneiden ist, nicht weil auch andere Kollegen gehen, nicht weil ich mich nicht wohlfühlen würde, nicht weil ich mir etwas Besseres verspreche, ganz im Gegenteil, ich mag mein kleines Landgymnasium. Auf Fortbildungen hört man von Fachkollegen von anderen Schulen nicht viel Gutes. Es gibt in unmittelbarer Nähe kein mich reizendes Schulkonzept. Warum denke ich dann überhaupt darüber nach!

Ich kann an meiner Schule rödeln, wie ich will, die Beförderungen bekommen andere. Nicht, dass ich beleidigt wäre. Mein Engagementsprofil wird halt gerade nicht gebraucht. Die Stellen, die für mich interessant wären, sind alle schon besetzt. Ich trete auf der Stelle. Ich könnte nur noch aufs Treppchenmodell warten, aber auch da gibt es bei uns einen Generationsstau. Und überhaupt, ich möchte befördert werden, weil ich neben meinem Unterricht in unserer Schule viel organisiere, Ideen einbringe, zuverlässig auch für Schulbelange einstehe – nicht weil ich älter werde. Mein größtes Problem ist aber, dass ich nicht Kollegen über mir haben möchte, die weniger leisten. Ich ordne mich sehr gerne richtigen Führungspersonen unter, da habe ich kein Problem damit. Aber ich komme ins Kochen, wenn jemand mir Weisungen erteilt, der offensichtlich keine Ahnung hat oder nur das Nötigste tut.

Ich habe schon mit meinem Chef gesprochen, aber noch nichts vom Weggehen gesagt. Man will ja einfach einmal seine Chancen ausloten. Natürlich will er mich behalten. Und er würde mich ja sofort befördern, aber die Sachzwänge… und überhaupt, ich mache doch so tollen Unterricht, darauf könne er einfach nicht verzichten. Aber in den nächsten Jahren würde ich bestimmt übers Treppchenmodell…

Nun sitze ich da und spinne herum, lasse mir bei google-maps Fahrtzeiten zu anderen Gymnasien heraus. Alles sehr vage und wahrscheinlich nur eine Luftnummer. Im Herzen will ich ja bleiben. Aber wer weiß, was das Leben so bringt?

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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16 Kommentare zu „Lebenswege“

  1. Mein Rat als „alter Hase“ wäre: Suchen Sie eine besser bezahlte Stelle und nichts wie weg. Wenn die eigene Leistung vom Schulleiter nicht honoriert wird oder werden kann, sollte man sich nicht scheuen zu wechseln. Gefällt es Ihnen auf der besser bezahlten Stelle nicht, können Sie ja wieder zu einer neuen Stelle mit dem jetzt höheren Gehalt wechseln. Es gibt also kaum eine Risiko. Deshalb noch einmal: Trauen Sie sich!

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  2. Die Frage ist doch die: Wer bekommt in diesem Land eine Funktionsstelle? Die fleißigen Arbeitsbienen jedenfalls nicht (zumindest recht selten), das hat der Schulleiter ja schon ganz nüchtern zum Ausdruck gebracht. (Wäre vielleicht nebenbei auch noch zu klären, was der Herr unter Sachzwängen versteht.) Vitamin-B gepaart mit einer gehörigen Portion Einschleimvermögen und einer bedingungslosen Hingabe bzgl. des Systems erscheinen mir bei der Auswahl von Bewerbern sehr oft vordergründiger zu stehen als das entsprechende Kompetenzpaket, welches eine Führungskraft eigentlich mitbringen sollte. Auch das Auswahlverfahren an sich ist meines Erachtens schon fragwürdig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass uns in unserem Beruf Menschen vorgesetzt sind (bestimmt ergeht es auch anderen Berufsgruppen so), denen die Unfähigkeit zur Führung anderer Menschen verbunden mit der Unfähigkeit zur Bewältigung anstehender Aufgaben geradezu in die Wiege gelegt wurde.
    Ein Versuch wäre es vielleicht wert, die Schule zu wechseln. Ich würde mich allerdings im Vorfeld genauestens informieren, wie es dort ausschaut. Vom Regen in die Traufe zu gelangen bringt bekanntlich keine Freude, und ein zeitnaher nochmaliger Versetzungsantrag birgt in sich häufig eine lange Wartezeit.
    Ich habe übrigens dreimal gewechselt, bin endlich angekommen.
    Ich wünsche dir viel Glück 🍀bei deiner Entscheidungsfindung, nur du allein kannst auf dein Bauchgefühl „hören“ und schauen, wie und wo es dir gut geht. Denn das ist das Wichtigste.
    LG Paula

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    1. @Paula Johannson: Sie schreiben:
      „Ich wünsche dir viel Glück 🍀bei deiner Entscheidungsfindung, nur du allein kannst auf dein Bauchgefühl “hören” und schauen, wie und wo es dir gut geht. Denn das ist das Wichtigste.“

      Genau: In der Zwischenzeit übernehmen die Männer die besser bezahlten Stellen und die Frauen bleiben auf den schlechter bezahlten, „wo es ihnen gut geht“. Ändert sich da überhaupt nichts? Warum sorgen Frauen nicht dafür, dass es ihnen auch auf besser bezahlten Stellen gut geht?

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      1. Gute Frage… Ich denke manchmal, dass uns Frauen zeitweilig die Kraft fehlt. Haushalt, Kinder, Schule Kinder, eigene Schule, Mann, Haus, Garten, Alltag…. und alles andere oben drauf. Als Frau hofft man auf den logischen Menschverstand seines Gegenüber (es wäre logisch, Frau Henner zu befördern), leider häufig vergebens – sich dagegen aufzulehnen, den Kampf gegen die Ungerechtigkeit aufzunehmen, verlangt einem viel ab. Und dabei geben wir Frauen ja schon so viel. Ach, ich weiß auch nicht, schwierig… LG Paula

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      2. Ich hatte bis jetzt zwar die Möglichkeit, mir eine Funktionsstelle anzutun, hatte aber keine Lust dazu – weil ich auf so einer Stelle nicht dafür sorgen kann, dass es mir dort gut geht. Diese Stellen beinhalten in der Regel wesentlich mehr Bürokratie, und wesentlich mehr Bürkokratie sorgt automatisch dafür, dass es mir schlechter ginge. Also neeee.

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      3. @rwandel
        Langsam denke ich wie Sie. In meiner Umgebung gibt es DIE Traumschule nicht und ich möchte auch nicht sonstwohin fahren. Ich werde also keine viel besseren Bedingungen vorfinden. Warum also nicht woanders anfangen und dort am Umgestalten mitwirken, wenn das geht. Genau dieses „was geht?“, das will ich ausloten.
        Um die Bezahlung geht es gar nicht, sondern um die Anerkennung, die man durch eine Beförderung erhält. Und das immer im Vergleich zu den Kollegen, die schon befördert worden sind. Bei uns sind das zum Teil Kollegen, die schlechten Unterricht machen UND/ODER sich kaum engagieren (natürlich wieder neben den völlig berechtigten Beförderungen!), das ist mein Problem, da fühle ich mich langsam veralbert.

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    2. Die Sachzwänge sind durchaus einleuchtend. In meiner Fachschaft sind wir zuwenig und ich mache nun mal guten Unterricht, also will er nicht, dass ich durch Abminderung weniger Stunden gebe. Krux bei dieser Überlegung: es werden zum Teil (nicht immer, es gibt auch sehr fähige Leute in Positionen!) gerade die in Funktionen gebracht, bei denen man gerne auf den Unterricht verzichtet.
      Der zweite Sachzwang: durch den gesellschaftlichen Wandel werden neue Stellen geschaffen; in BaWü ganz aktuell der Medienberater. Das überlasse ich gerne denen, die da mehr Ahnung haben. Ich kann anderes. Es gibt aber zuwenig Stellen, unser Schulleiter darf nur sehr wenige ausschreiben.

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  3. Wenn Sie sich unwohl fühlen und der Schulleiter derart reagiert, würde
    Ich habe zweimal gewechselt. Einmal bekam ich vom Schulrat einen Tritt, um Konrektor zu werden. Dort gefiel es mir überhaupt nicht.
    Da habe ich mir vier Jahre Zeit gelassen, um meine Traumschule auszuspähen. Ich hatte Glück, wurde Schulleiter und das war eine wunderbare Zeit.
    Nichts überstürzen. Schulen anschauen. Auch am Nachmittag.

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    1. Genau, Überstürzen ist sowieso nicht meins. Sondieren eher. Mit Herrn Henner quatschen, der mich dahingehend voll unterstützt, aber die Familiensituation mitbedenken (Lucys Schulweg!), das Ohr am Kollegium haben, das erscheint mir gerade die beste Herangehensweise.

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  4. Da du Lehrerin an einem Gymnasium in BW bist, geht es offenbar um eine Bewerbung auf A-14-Funktionsstelle. Diese sind rar gesät und bedeuten deutlich mehr Arbeit bei nur unwesentlich mehr Gehalt. Wenn es inhaltlich keine Aufgabe ist, die dich reizt, was ist dann genau die Motivation sich zu bewerben? Andere kommen weiter auf der Karriereleiter, du aber trittst auf der Stelle?

    Wenn es Schulen in der Umgebung gibt, auf denen du dich im Kollegenkreis wohler fühlst, auf eine wertschätzendere Schulleitung triffst, dann steht einem Versetzungsantrag nichts im Wege.

    Oftmals herrschen die von dir beschriebenen Strukturen an vielen Schulen, die Symptome kommen mir sehr bekannt vor. Bei einem Schulwechsel hast du u.U. wesentlich längere Wege zurückzulegen und für die Karriere letztlich dieselben Probleme, noch dazu an einer wildfremden Schule. Warum sollte ein Schulleiter die neue Kollegin sogleich befördern, auch an anderen Schulen, gibt es fleißige Arbeitsbienen, die auf eine Beförderung hoffen.

    Eine Alternative wäre sich an der bisherigen Schule im Schulalltag gezielt die (Zusatz-) Aufgaben herauszusuchen, die dir viel Freude bereiten. Da geht es dann auch weniger um Anerkennung oder Entlastungsstunden, oder ähnliches. Man macht dies aus reiner Freude am Tun.

    Wenn man gleichzeitig ungeliebte Aufgaben, die man nur deshalb übernommen hat, um wahrgenommen zu werden und ggf. auf der Karriereleiter aufzusteigen – (die „Ochsentour“) – reduziert, so kann dies einem deutlichen Gewinn an Lebensqualität bedeuten. Wenn dein jetziger Schulleiter dich tatsächlich schätzt und auf dich nicht verzichten will, dann muss er ab und an auch ein klares Nein von deiner Seite aushalten: „Nein, dafür stehe ich nicht zur Verfügung.“ Da gibt es Kollegen, die für diesen Tätigkeitsbereich eine Beförderung erhalten haben.“

    Egal, wie du dich entscheidest: Betrete das Schulhaus mit einem Lächeln und verlasse es ebenso mit einem Lächeln!

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    1. Momentan habe ich schon genügend Betätigungsfelder in der Schule, die ich gerne und ohne „Entlastung“ ausfülle. Es geht mir nicht um die Karriere oder das minimal höhere Gehalt. Die Schulleitung weiß meinen Einsatz sehr wohl zu schätzen, das weiß ich und das freut mich auch. Die Anerkennung von dieser Seite habe ich also.
      Im Kollegium kommt es wohl weniger an, weil ich nicht so viel Wind drum herum mache (deshalb muss ich manchmal im Blog Dampf ablassen 😉 ). Bei uns wird man vor allem dann wahrgenommen, wenn man jammert und allen erzählt, wie viel man noch machen muss.
      Kann schon sein, dass mir die Anerkennung im Kollegium fehlt.
      Ein weiterer Grund ist der, dass ich in bestimmten Positionen auch gerne kompetente Menschen sehen will, ich habe ein Problem damit, wenn jemand über mir ist, der unzuverlässig ist. Das heißt nicht, dass ich alles an mich reißen will, nein, es gibt genügend Menschen, die Dinge gut können. Denen lasse ich gerne den Vortritt, ehrlich.
      Aber im Grunde geht es mir um die Sache, ich möchte die Schule mitgestalten! Sonst könnte ich ja auch auf das Treppchenmodell warten, befördert wird ja jeder irgendwann… In einer Funktionsstelle, die von allen als solche anerkannt wird, ist das Gestalten einfach leichter.

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  5. Gruslig, Frau Henner. Sehr gruslig. Genau dieselben Gedanken hatte ich letzte Woche und ich hätte sogar schon einen ersten Entwurf zu einem Artikel in der Pipeline. Wir ticken irgendwie erschreckend ähnlich.
    Bei uns ist es nicht so drastisch wie bei dir. Funktionsstellen haben schon die fähigen Leute, aber die sind alle Mitte Vierzig, und bis die frei sind, vergeht schon noch ein gutes Stück Zeit. Was wir eher haben, ist eine Häufelung von Planstellen in Personalunion. Wir haben Fachschaftleiter, die gleichzeitig Oberstufenkoordinatoren sind, Systembetreuer, die auch Seminarlehrer sind. So bleibt für das „Fußvolk“ eigentlich nichts mehr übrig. Ich merke, wie gerne ich mich mehr einbringen möchte, aber ich will nicht der Hampelmann sein, der seine gesamten Nachmittage und sein Potential für lau in den Kamin bläst, während andere fürstlich entlohnt werden. Auf der anderen Seite habe ich gleich wieder ein schlechtes Gewissen, nach den paar Dienstjahren schon so zu denken. Ich bin irgendwo Mitte 30 und damit immer noch ein Greenhorn. Vielleicht bin ich noch gar nicht erfahren genug, an sowas überhaupt zu denken….

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