Selbstübungsaufgaben

Liebe Leser,

heute hatte Lucy keinen Fehler außer einem dummen Verrechner, weil sie gedankenverloren 0,25 statt 0,5 für 1/2 notiert hatte und damit zwangsläufig zum falschen Ergebnis kam. Ich freue mich. Das ist harter Arbeit Lohn. Lucy macht nun regelmäßig die Selbstüberprüfungsaufgaben im Mathebuch. Zwar hat sie immer noch Angst vor der nächsten Mathearbeit, aber ich nicht mehr so!

Regelmäßig heißt mehrfach die Woche. Lucy setzt sich zu mir ins Arbeitszimmer, ich suche die Aufgaben raus, Lucy rechnet, sie sagt die Ergebnisse an, während ich in den Lösungen nachschaue. Was anfangs zu Stöhnen und Fluchen führte, ist langsam einer gewissen Routine gewichen. Es stockt immer mal, aber bedeutend seltener als noch vor einem Vierteljahr.

Also wage ich ein Gespräch mit dem Mathelehrer. Sein Auflachen, das er mit einem blöden Kommentar verbindet, kommt bei mir als Mutter gar nicht gut an. Er meint es (hoffentlich) nicht so, aber bei mir kommt an: Hat eh keinen Sinn!

Für solche Momente liebe ich Mathelehrer!

Also grummele ich vor mich hin und laufe zwei Stunden wütend umher. Dann wage ich einen zweiten Anlauf. Freundlich, ich muss mich zusammennehmen, es ist für Lucy. Der Mathelehrer ist jetzt auch besser drauf und lässt sich auf ein Gespräch ein.

Was denn mein Problem sei?

Ich müsse ihm da erst einmal weiter helfen, habe Lucy ein Problem in Mathe? Das sei ihm noch gar nicht aufgefallen.

Wie Lucy sich besser vorbereiten könne? Nun ja, es würde vollkommen ausreichen, wenn sie im Unterricht mitmache.

Übungsaufgaben? Nö, also er gebe doch Hausaufgaben auf.

Lucy erledige die auch, sei aber recht schnell fertig? Na, dann sei doch alles gut.

Mitmachen im Unterricht und die paar Hausaufgaben, das reicht definitiv nicht, diese Erfahrung habe ich bereits gemacht, aber ich sehe nicht mehr viel Sinn in dem Gespräch. Es stehen noch ein paar mehr Mathelehrer am Tisch und schnell ist man einmütig wieder am Schimpfen auf das Mathebuch, das unstrukturiert vorgeht und zu wenig Übungsphasen bietet, und dann noch schneller bei dem neuen Bildungsplan und dem Kultusministerium.

Halt!

Natürlich gibt es genügend Dinge, die einen ärgern, aber wir sind keine Marionetten. Wenn ich ein Lehrbuch unstrukturiert finde, ist es meine Aufgabe als Lehrer, eine gewisse Struktur hineinzubringen. Wenn mir die Übungsphasen fehlen, dann gebe ich mehr Hausaufgaben, denn ohne Üben wird in Mathe gleich gar nix. Aber auf meine für sie seltsame Frage, warum sie denn dann kein Zusatzmaterial verwendeten, bekomme ich nur die Antwort:

„In Mathemathik sind Übungsphasen nicht mehr vorgesehen.“

Sprachlos bleibe ich zurück.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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23 Kommentare zu “Selbstübungsaufgaben”

  1. Das Verhalten des Mathelehrers ist wirklich nicht hilfreich.
    Ich muss vorweg sagen, dass ich schon länger raus bin, aber meinen Erinnerungen nach haben mir das auch die Lehrer im Ref so gesagt, dass im Matheunterricht keine Zeit mehr für Übungsstunden oder -einheiten sind. Die Zeit wird für den Stoff gebraucht, üben sollen die Schüler in den Hausaufgaben, sofern aufgrund von Nachmittagsschule noch welche gegeben werden können.
    Dazu kommt, dass gerade im Lambacher-Schweizer die Übungsaufgaben drastisch reduziert wurden, um die Arbeitshefte zu verkaufen. Darüber flucht nahezu jeder Lehrer in meinem Freundeskreis, und gerade als Junglehrer hat man noch nicht einen großen Fundus an weiteren Büchern, aus denen man sich die Aufgaben zur Not kopieren kann.

    Wie auch immer, ich finde es gut, dass Lucy und du diese Routine gefunden habt und auf diese Weise übt. Das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung.

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    1. Ja, der Lambacher-Schweizer hat reduziert. In Deutsch würden die Aufgaben im Buch auch nicht reichen. Also kaufen die Eltern das Übungsheft (weil es gut ist) und ich kopiere für bestimmte Aufgaben, wo dieses Material immer noch nicht reicht, zusätzlich ausgesuchtes Material. Die Kinder arbeiten sogar gerne damit und ich kann recht schnell Hausaufgaben geben, die sinnvoll sind.
      Ich will gar keine Matheübungsheft, es wäre völlig ausreichend, wenn der Mathelehrer einmal in der Woche eine Übungsseite rausgeben würde – am besten mit Aufgaben, die dann seiner Klassenarbeit ähneln, damit die Kinder nicht so einen Bammel haben. Mit Angst macht man Mathe kaputt. Aber das würde ja Arbeit machen… eine andere Erklärung habe ich nicht.

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  2. Oje, na hoffentlich ergeht es mir nächste Woche beim Elternsprechtag besser. Die Chancen stehen an so einen Tag doch gut, dass der Mathelehrer gute Laune hat,oder ?
    Bei meinem Sohn zeichnet sich für mich folgendes ab: grundsätzlich den Mathestoff verstanden, Problem auch erkannt, keine Routine , da Zuwenig Übungen. In den Arbeiten sind dann einige Leichtsinnsfehler und die „checkerfrage“ am Schluss kann er nie. Jetzt werde ich mir vermutlich auch wieder den strenge Mutti Blick einfangen, wenn ich meinem Sohn verklickere, dass er Extraübungen machen soll. Bin aber überzeugt davon, dass er zukünftig Probleme bekommen wird, wenn er den Stoff nicht durch üben verinnerlicht.

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    1. Was du über deinen Sohn schreibst, trifft genau auf Lucy zu – genau die gleichen Probleme in den Arbeiten (was im Unterricht passiert, bekomme ich ja nicht mit) – und Lucy hat sich mit Händen und Füßen gegen das Üben gewehrt. Aber ganz deiner Meinung: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr.
      Lucy wird auch in der nächsten Arbeit Leichtsinnsfehler machen und die Checkerfragen, die bei ihrem Mathelehrer die ganze Arbeit durchziehen, nicht rauskriegen, aber trotzdem muss das Ergebnis einfach besser sein, weil sie nun mehr Routine im Rechnen hat – wenn das eintritt, hoffe ich auf einen Motivationsschub. Also mach dir nichts aus dem Mutti-Blick! Unsere Kinder legen jetzt die Basis für alles Weitere.

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  3. Liebe Frau Henner, willkommen in der Realität des gymnasialen Mathematikunterrichts und dazu mein Beileid. Das Verhalten des Lehres entspricht dem der Mathelehrer an der Schule meiner Tochter.

    Marie ist eine ausgesprochen gute Schülerin und hat in allen Fächern gute bis sehr gute Leistungen. Nur Mathe, da hapert es, und mittlerweile gewaltig. Das Kind hat eine Schwäche in diesem Bereich, na und, soll sie deswegen kein Abitur machen dürfen? In Klasse 6 bereits erkannt, halfen bald keine häuslichen Übungen mehr. Maries Lehrerin ist dazu noch eine Fanatikerin von Textaufgaben. Für Marie das Martyrium schlecht hin. In Klasse 7 bestanden jegliche Tests und Klassenarbeiten nur aus Textaufgaben. Ein ähnliches Gespräch wie Ihres mit der Mathelehrerin ergab die gleichen Ergebnisse. Dazu war sie nicht bereit, die Art ihrer Leistungsüberprüfungen zu ändern. Mal reine Rechenaufgaben einzubauen, damit die Kinder Punkte sammeln können und auch mal Erfolgserlebnisse erfahren (übrigens auf einem Elternabend mit allen Eltern und besagter Mathelehrerin kommuniziert), Fehlanzeige. Also meldeten wir Marie ab Klasse 7 in einer Nachhilfeschule an, dort hat sie nun jeden Montag 2 Stunden professionelle Nachhilfe. Wir halten sie damit auf Note 4 und sind froh und können wieder ruhig schlafen.

    Trotz alledem konnten wir feststellen, dass es sehr Lehrer abhängig ist, wie die Schüler mit der Mathematik, dem zu erarbeitenden Stoff und dem Üben zurecht kommen. Marie hatte in Klasse 9 einen jungen dynamischen und sehr schülerorientierten Lehrer im Unterricht. Und komischerweise ging Marie in diesem Schuljahr sogar mal gern in den Matheunterricht und erhielt als Jahresleistung sogar eine 3. Jetzt in Klasse 10 übernahm leider wieder die Lehrerin aus den Klassen 5 – 8 den Unterricht, sehr zum Leidwesen aller Eltern. Ich zähle die Wochen bis zu den Sommerferien, denn in der Oberstufe unterrichtet diese Lehrerin nicht. Vielleicht besteht irgendwann sogar einmal die Chance, Marie von der Nachhilfe zu befreien, obwohl sie dort sehr gern hingeht.

    Ich kann nur meinen Trost spenden, liebe Frau Henner. Mathelehrer sind so eine Spezies für sich. Was ich auch mit auf den Weg geben möchte und zwar ganz lieb gemeint, ich habe oft den Fehler als Mutter und Lehrerin gemacht, dass ich meinen eigenen Anspruch an Unterricht auf die Lehrer meiner Kinder übertragen wollte. Das allerdings klappt gar nicht: andere Lehrer, andere Lehrerpersönlichkeiten und damit eben auch andere eigene (manchmal wirklich talentfreie) Unterrichtsgestaltungen. Ein Lernprozess für mich als Mutter in der Kombination, selbst Lehrerin zu sein, mit dem Anspruch, den Schülern gerecht zu werden und nicht dem System.

    Ich wünsche Ihnen gute Nerven für die weiteren Jahre mit Lucy in der Schule. Sie werden sie brauchen.

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    1. Vielen Dank!
      Sie haben Recht, es ist nicht immer leicht, seinen eigenen Anspruch an guten Unterricht nicht auf Kollegen zu übertragen – besonders dann, wenn es so unverständliche Dinge sind (Keine Übungsaufgaben vorgesehen – dann machen wir halt keine Übungsaufgaben, selbst wenn zwei Drittel der Klasse das dringend brauchen, dann müsste man ja Übungsmaterial kopieren!). Warum ärgert mich das aber so sehr in Mathe?
      Wenn der Biolehrer seltsame Klassenarbeiten schreibt, wenn in BK die Kriterien nicht nachvollziehbar sind, wenn die Fragen in Naturphänomene nicht gut gestellt sind, dann blicke ich drauf und sage „Schwamm drüber!“ Es gibt gute Lehrer und weniger gute. Is halt so, Schicksal. Warum nehme ich Mathe so wichtig?
      Liegt es daran, dass ich sehe, wie die Oberstufenschüler reihenweise scheitern? Liegt es daran, dass ich erlebe, dass Lucy nur in Mathe nichts versteht und einfach nicht wahrhaben will, dass sie dort halt eine Schwäche hat? Warum kränkt mich der blöde Kommentar des Lehrers, als wäre er persönlich gemeint, wo ich doch weiß, dass er nur gedankenverloren dahingesagt war? Warum bleibe ich ruhig, wenn die Deutschlehrerin Lucy kritisiert, und überlege mit ihr gemeinsam, wie man das „Problem“ beheben könnte? Habe ich gar selbst ein Problem mit Mathe?
      Warum haben eigentlich so viele Deutsche ein Problem mit Mathe?

      Vielleicht ändert das neue Schuljahr etwas. Es gibt da diesen einen Mathelehrer an unserer Schule, der sogar aus Nixblickern etwas rausholt und dann ist da noch diese junge Kollegin, die mir noch nicht so resigniert erscheint… 😉 Ich wünsche mir einfach einen Mathelehrer, der nicht laut verkündet, dass die meisten Kinder eh zu doof sind, oder zumindest so sensibel ist, es nicht in meinem Beisein zu sagen.

      Alles Gute mit Marie in der Oberstufe!

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    2. Werte Frau Paula,
      ihre Tochter hat Problem mit dem Unterricht einer Lehrerin und Erfolge gehabt bei einem anderen Lehrer; so was soll vorkommen, auch in anderen Fächern.
      Wie kommen Sie dann zu dem Urteil: „Mathelehrer sind so eine Spezies für sich“ und weshalb schreiben Sie :“Das Verhalten des Lehres entspricht dem der (!) Mathelehrer an der Schule meiner Tochter.“?
      Ich denke, nach ihren eigenen Ausführungen steht Ihnen das nicht zu!

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        1. Werter rwadel,
          ich finde Ihren Kommentar auf dieser Plattform mehr als unangebracht. Frau Henner hat etwas berichtet, wozu ich ihr etwas geantwortet habe und sie mir. Ich bin also mit ihr in einen kommunikativen Austausch getreten. Dieser ist wertschätzend vollzogen. Ihr Kommentar hingegen ist persönlich gegen mich gerichtet und beinhaltet zudem Spitzfindigkeiten, obwohl ich genau wie Sie lediglich Gast dieses Blogs bin. Ein Meinungsaustausch sollte meines Erachtens nicht persönlich ausgerichtet sein und schon gar nicht spitzfindig auf Kommentare anderer Besuch. So etwas ist böse und gemein und stört die Regeln der Kommunikation. Wenn Sie eine Meinung haben zum Bericht von Frau Henner, dann geben Sie doch Ihre Meinung bitte dazu kund. Das fände ich dann auch Ihrerseits wertschätzend.

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      1. …natürlich kann so was auch in anderen Fächern vorkommen. Ich spreche hier auch lediglich über eigene familiäre Erfahrungen. Und da haben wir eben leider Gottes überwiegend Mathelehrer kennen gelernt, die meinen, dass die Mathematik über alles andere im Leben zu stellen sei und nicht akzeptieren können, dass es Menschen gibt, die mit der Mathematik nicht so gut zurecht kommen. Dass es auch verständige und humane Lehrer dieser Fachspezifik gibt, beweist der Lehrer an der Nachhilfeschule. Solche Lehrerpersönlichkeiten, wie ihn, würde ich mir mehr in staatlichen Schulen wünschen.
        Wie gesagt, eigene familiäre Erfahrungen. Haben Sie andere gemacht und sind selbst ein hervorragende Mathelehrer, der Schüler für Mathe begeistert und nicht demotiviert, dann freue ich mich für sie.

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  4. „In Mathemathik sind Übungsphasen nicht mehr vorgesehen.”

    Tja, dafür gibt es mehrere Erklärungsversuche.
    * Die Anforderungen sind soweit abgesenkt, dass Übung nicht mehr notwendig ist
    * Es ist nicht erforderlich, dass man Mathe kann, es reicht davon gehört zu haben
    * Man hat ein sehr positives Bild der Schüler, es geht auch ohne Übung
    * Man hat sich überhaupt keine Gedanken gemacht

    Hat jemand weitere Erklärungsversuche? Evtl. sogar welche mit positiven Ansatz zu Gunsten der Kultusbürokratie?

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    1. So lief fast mein gesamter Matheunterricht – und auch da gab es Unterschiede. Bis zur Oberstufe habe ich zu tun gehabt, dem Lehrer zu folgen. Erst dann hatte ich eine Lehrerin, die so vorrechnete, das ich – welch Wunder – auf einmal alles kapierte.
      Lucy erlebt heute, ein paar Jahrzehnte später, den gleichen Vorrechenunterricht. Mal erklärt der Lehrer, mal rechnen Schüler vor, deren Erklärungskompetenz aber nicht besser ist, denn es dürfen ja die Checker vorrechnen – und die verstehen gar nicht, wo eigentlich das Problem liegt.
      Kann das ein Hauptproblem sein? Ein anderer Mathekollege sagte mir, er würde nie in der Unterstufe unterrichten, weil er gar nicht kapieren würde, was die Kinder an diesen einfachen Aufgaben nicht verständen, deshalb könne er es auch nicht erklären.

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  5. Ich bin mal gespannt, wie es meinen Kindern ergehen wird, wenn sie in der Sekundarstufe sein werden.
    Für mich als Engl. u. Deutschlehrerin ist es selbstverständlich, den Schülern so viel Übungsmaterial zur Verfügung zu stellen wie nötig. Ich verfahre da ganz nach dem Motto „Übung macht den Meister.“ Schade finde ich, wenn Schüler diese Chance nicht ergreifen. Aber da bin ich der Ansicht – vor allem in der Kursstufe – dass ich nur Angebote machen kann, nutzen müssen die Schüler sie selbst.
    Als Schülerin war bei mir auch Mathe das Fach, mit dem ich am meisten Schwierigkeiten hatte (und – wie in Sport .- immer eine drei im Zeugnis); bis zur Kursstufe: Da hatte ich einen Lehrer, der Übungsblätter verteilte, die ich machte. Und siehe da: Ich wurde mit 12 Punkten zum Abi angemeldet und schrieb auch in der Abiklausur 12 Punkte. Natürlich musste ich viel Arbeit in Mathe stecken, aber ich war dem Mathelehrer sehr dankbar, dass ich die Chance bekam, Übungen zu machen.

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