Abgleich

Liebe Leser,

heute haben sich Wolf und ich mal endlich zusammengesetzt, um über unsere Klasse zu quatschen. Leider haben wir nämlich keine gemeinsamen Hohlstunden mehr, in dem sich unser Team absprechen könnte. Bis auf ein paar informierende Wortfetzen auf dem Flur ist dieses Jahr nicht viel los. Selbst die Mittagspausen liegen nicht parallel. Modern ist das nicht, ich weiß, aber es ist Alltag an sicher vielen Schulen.

Man will gemeinsam etwas erreichen, aber es bleibt kaum Freiraum für das GEMEINSAM.

Nun ja, heute packen wir es mal und nutzen die ganze, zufällig entstandene Freistunde zum Reden. Und weil es so gut läuft, holen wir uns die Übersicht unserer alten Klasse dazu. Einmal ein Notenabgleich, um zu sehen, wie sich unsere Schlawiner entwickeln.

Schön zu sehen, wie die damals guten Schüler weiter auf dem Erfolgskurs sind. Erleichterung auch bei den mäßigen Schülern – sie sind es immer noch, es lag also nicht an uns. Auffällig ist nur Mathematik. Da hat der Lehrerwechsel eindeutig zu einer allgemeinen Verbesserung der Lage geführt. Und dann noch die katastrophalen Noten bei Kollege Kerschenmann, der genau dafür berüchtigt ist. Auch hier schlägt er also wieder zu. Naja, mit Mathematik gibt das immerhin einen Ausgleich.

Nein, wir sind nicht nur neugierig. Es gehört zur pädagogischen Nachhaltigkeit, die Schüler vorm Vorjahr nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir nun sehen, dass alles läuft.

Also wenden wir uns wieder den Fünfern zu. Es ist ungemein spannend, jetzt beobachten zu können, wie sich die Klassenkonstellation verändert, wie sie gerade um ein GEMEINSAM ringen. Elif, die in der Klasse beliebt war und auch nie den Lehrer störte, hinterließ einen freien Platz, der sich schnell gefüllt hat und das Gefüge unter den Mädchen wieder neu ordnet. Damit wurde eine weitere Bank frei und die Jungs haben sich ebenfalls neu formiert. Nur Jan kommt zu mir und bittet mich, dass er alleine sitzen darf.

„Nein Jan, das möchte ich nicht. Du bleibst neben Keran sitzen, ihr werdet lernen, miteinander auszukommen.“ Da bleibe ich hart. Wolf stimmt mir zu. Das ist unser größter Wunsch. Gut, dass wir mal darüber gesprochen haben.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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