Hilfe – ein Schülerblog!

Liebe Leser,

da ist Ben aus der zehnten. Ben hat einen Blog und sagt dort seine Meinung. Ben ist redegewandt und seine Seite sieht professionell aus – schließlich ist er kein Kind mehr. Auch seine Meinung ist recht erwachsen, aber sie passt so gar nicht ins Bild. Ben ist ein Rebell, aber ein schlauer. Und sicher will er sich auch ein bisschen wichtig machen.

Und trotz seiner Wut im Bauch auf die Schule – unsere Schule – bemüht er sich, im WorldWideWeb ein anständiger Mensch zu sein. Er anonymisiert die Schule und die Lehrer und bleibt sprachlich auf einer angemessenen Ebene. Was will man mehr?

Freuen wir uns, dass ein junger Mensch so verantwortungsvoll im Netz unterwegs ist. Seien wir stolz, dass dort einer seine Meinung begründet und eben nicht einfach verbale Fäkalien ausschüttet. Nehmen wir die Subjektivität hin, aus der heraus alles geschrieben ist, Wahrheit und Fiktion liegt im Netz oft nur ein paar Tastenklicks nebeneinander und ist schwer zu unterscheiden, durchdenken wir seine Kritik und antworten ihm angemessen – sachlich.

Glaubt ihr, Lehrer reagieren so, wenn der Blog auffliegt?

Nein, gekränkte Eitelkeiten sind so schnell verletzt. Über disziplinarische Maßnahmen wird gesprochen. Allianzen bilden sich im Lehrerzimmer. Es wird zum Aufreger des Monats. Und kaum einer liest mehr die Texte genau. Es geht nur noch daraum, dass so etwas gar nicht geht.

Was geht nicht? Das Internet als Plattform? Die eigene Meinung?

Ich dachte, wir bemühen uns um mündige Bürger. Tja, dann müssen wir uns auch mit genau diesen auseinandersetzen. Es bleibt einfach nicht mehr verborgen, was in verschlossenen Räumen passiert – das ist die Chance und auch die Gefahr des Internets. Hatten früher Schüler Wut auf die ihr Leben bestimmende Institution, haben sie vielleicht Zettel geschrieben oder heimliche Brandbriefe, die man wieder verschwinden lassen konnte, haben die Turnhallenwand besprayt oder sich resigniert abgewandt. Heute erhalten sie Zuspruch im Netz durch fremde Kommentatoren, für deren Äußerungen der Blogbetreiber nun wiederum nichts kann.

Gut, er könnte sie mehr moderieren, selbst kommentieren, Kommentar und Ursprungstext wieder in das richtige Verhältnis setzen. Unsachliche Kommentare auch bewusst nicht freischalten und dazu stehen. Subjektivität auch als solche kennzeichnen und überhaupt erst einmal konsequent bei der Wahrheit bleiben. Das muss und kann Ben noch lernen. Ist ja immerhin ein Schülerblog.

Wenn die sich wiedererkennenden Lehrer schlau wären, würden sie mit dem Schüler ein gutes Vier-Augen-Gespräch führen. Wenn Ben schlau wäre, würde er genau darüber wieder bloggen und somit ein Versöhnungsangebot liefern.

Wir stecken doch alle noch in den Kinderschuhen, was neue Kommunikationsformen anbelangt. Und die althergebrachten, die sollten wir dabei nicht ganz vergessen.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

 

 

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6 Kommentare zu “Hilfe – ein Schülerblog!”

  1. Oh, kriegt Ben jetzt also Ärger dafür, dass er seine Meinung im Netz kundtut? Und wie ist das überhaupt aufgeflogen, wenn er es anonymisiert hat?
    Ich bin deiner Meinung: Das gehört doch zur Erziehung zum mündigen Bürger auch dazu. Es klingt jedenfalls nicht danach, als sei es ein „Hetzblog“ oder als würde irgendwer beleidigt werden…

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    1. Nun ja, Ben hat schon eine extreme Meinung und Menschen fühlen sich schon wegen Kleinigkeiten gekränkt, er ist halt DAGEGEN. Er gehört zu der Gruppe Jugendlichen, die es allmählich ank*tzt, dass sie immer alles gut finden sollen… Ein Klassenkamerad hat ihn verpetzt, auch nicht die feine Art. Ich hoffe, übers Wochenende überdenken es die Betroffenen noch einmal und reagieren besonnen.

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  2. Auweia. Das ist aber schon ein bisschen krass, oder? Ich meine, wenn niemand namentlich genannt ist, ist die Kritik doch nicht an eine bestimmte Person, sondern eine Verhaltensweise gerichtet. Wie ist das Ding denn aufgeflogen?

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  3. Bisschen heftige Reaktion, vor allem, wenn der Blog keine Lehrer namentlich nennt und/oder verunglimpft. Das dürfte damit doch sowieso unter Meinungsfreiheit fallen, und wenn er sich auch kritisch auseinandersetzt mit der Situation an seiner Schule, dann seh ich noch weniger Grund. Sicher, für den einzelnen Kollegen vielleicht unangenehm, keine Frage. Aber ein Gespräch unter vier Augen wäre die souveränere Reaktion. Und es würde auch zeigen, dass die Kollegen zur Selbstreflektion bereit wären.

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