Erwachsen werden

Liebe Leser,

vor ein paar Tagen fragt Lucy: „Hast du eigentlich einen Organspendeausweis?“

Habe ich; nachdem ich mich eingehend damit beschäftigt habe, habe ich mich dazu durchgerungen. Das war keine leichte Entscheidung, der Tod ist und bleibt ein Mysterium.

Heute fragt sie unvermittelt: „Also einen Organspendeausweis, den kann man sich erst ab 16 machen lassen, oder?“

Und plötzlich verstehe ich, was meine Tochter beschäftigt.

Ich kann Lucy beruhigen. Zwar weiß ich nicht, ab wann man einen Organspendeausweis bei sich tragen kann, aber wenn ein Kind stirbt und im Krankenhaus Organe entnommen werden können, die anderen Menschen das Leben retten, dann fragt man die Eltern, die dann diese schwierige Entscheidung zu treffen und zu tragen haben.

„Wenn ich weiß, Lucy, dass du das gerne möchtest, dann würde ich in einem solchen Fall viel leichter zustimmen können.“

Lucy nickt. Mehr Worte braucht es manchmal gar nicht.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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2 Kommentare zu “Erwachsen werden”

  1. Wow, das ist ganz groß von Lucy. Ich bin beeindruckt!

    Ich habe auch einen Organspendeausweis, schon einige Jahre. Meine Mutter hat damit ein großes Problem. Ich glaube, die wäre da anders als du – sie hätte da wohl vor meiner Volljährigkeit niemals zugestimmt, auch nicht, wenn es mein Wille gewesen wäre. Das ist alles sehr schwierig und ich will sie dafür auch nicht verurteilen, aber es sollte nun mal jeder Mensch selbst diese Entscheidung treffen dürfen. Und dann sollten die anderen Menschen das auch akzeptieren, ungeachtet dessen, was ihre eigene Überzeugung ist oder ob es für sie selbst schwierig ist.
    Naja. Lange Rede kurzer Sinn; schließlich bin ich längst volljährig und der Organspendeausweis kam glücklicherweise trotzdem (noch) nicht zum Tragen, und meine Mutter kam auch nicht in diese schreckliche Situation. Aber ich wollte mitteilen, dass ich eure beiden Ansichten/Reaktionen toll finde, deine und Lucys.

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    1. In solchen Momenten beeindruckt mich Lucy selbst. Ich habe einige Zeit gebraucht, um diese Entscheidung für mich fällen zu können und musste mich erst mit dem Thema auseinandersetzen. Ich denke jedoch, dass Lucy beeinflusst wird davon, wie wir Eltern mit solchen Themen umgehen. Wir haben uns dafür entschieden, die schrecklichen Themen des Lebens nicht auszuschließen und Lucy nicht zu „schonen“. Das geht, weil Lucy dahingehend eine starke Persönlichkeit hat. Sie sagt uns sehr direkt, wenn ihr etwas zu viel wird, und dann respektieren wir es. Deine Mutter will dich schützen, vielleicht geht eine Organspende gegen ihre Überzeugung. Auch das kann ich verstehen. Aber du hast Recht, du bist inzwischen selbst für deine Entscheidungen verantwortlich und fällst sie nicht unbedarft.

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