Großstadtängste

Liebe Leser,

mal wieder kommt keiner an den Nachrichten vorbei. Diesmal heißt die Stadt Brüssel. Wir haben uns noch nicht an zweistelligen Totenzahlen gewöhnt, geschweige denn an dreistellige Opferzahlen. Noch erschrecken wir vor dem Terror, der diesmal nicht ganz so plötzlich wie im November in Paris über uns hereinbricht. Aber gerade dass wir gewarnt waren und damit rechnen mussten, dass etwas in Belgien passiert, und es trotzdem nicht verhindert werden konnte, zeigt uns das erschreckende Wesen des Terrors. Seine Gewalt macht uns hilflos.

Selbst wenn man niemanden kennt, der jemanden kennt, der einem Terrorakt zum Opfer fiel, selbst wenn man auf dem Land noch relativ sicher lebt, so ist die Zeit der Unschuld doch vorbei. Die Angst schleicht sich ein. Zwar noch auf leisen Sohlen, als mulmiges Gefühl, und wir kämpfen diese Angst fleißig nieder. Wir werden uns doch nicht kleinkriegen lassen! Das wollen die Terroristen doch nur…

Aber die Veränderungen sind spürbar. Da sind die Kinder, die nicht mit ins Schullandheim wollen oder fragen: „Was muss ich denn tun, wenn da ein Terrorist in die Jugendherberge kommt?“ Da sind die Eltern, die sich sorgen, wenn ihre fast erwachsenen Kinder zur Studienfahrt in eine europäische Großstadt fahren. „Untergrundbahn? Um Gottes Willen!“

Allen ist klar, dass wir uns nicht verkriechen können. Der Wunsch jedoch, genau dies zu tun, setzt sich fest. Heute bastele ich mit meinen Fünfern kleine Osternester. Die Bänke sind voll fröhlich buntem Papier. Da fangen die Mädchen an über Brüssel zu sprechen, bis der stille Kim ruft: „Hört bitte auf damit, jetzt wollen wir für Ostern basteln!“ Die Mädchen nicken. „Du hast Recht, jetzt wollen wir was Schönes machen.“

Ich wünsche euch allen ein friedliches Osterfest!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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6 Kommentare zu “Großstadtängste”

  1. Hier in Winnenden….. wissen wir, dass es überall Leid geben kann und dass man niemals davor sicher ist.
    Für mich heisst das, zu versuchen jeden Tag für das Gute zu arbeiten. Auch für das obdachlose Mädchen, dass aus irgendwelchen psychischen Gründen nicht arbeiten kann und sich hier irgendwie meist heimlich in meinem Haus aufhält. Oder den nervigen Schüler, dem ich trotzdem mit Respekt begegne.
    Oder den vielen psychisch kranken Kindern, die uns an unsere Grenzen bringen.
    Ostern hat wahrscheinlich auch irgendwas damit zu tun. Vielleicht damit jeden Tag von Neuem anzufangen zu probieren das Beste zu geben.
    LG
    Coreli

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  2. Ich muss auch sagen, dass ich täglich mit einem mulmigen Gefühl in der Früh Ubahn fahre. Vor allem beim Marienplatz in München hab ich schon öfters drüber nachgedacht „was wäre wenn…“ Wenn hier zur Hauptverkehrszeit was passieren würde.. Ich will gar nicht dran denken. Deswegen tu ich’s auch nicht mehr als unbedingt nötig.

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    1. Anfang Februar brachte ich eine ukrainische Freundin zum Flughafen. Dort in der Halle beschlich mich ein ungutes Gefühl, ich musterte die Menschen, und als Lina meinte, jetzt solle ich wieder heimfahren, ihr Flug ginge ja erst in 2 Stunden, tat ich das.

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    2. Ohne Verdrängen wäre es auch unerträglich. Ich bewundere manchmal den Mut, den manche Leute versprühen: Ich lasse mich doch nicht unterkriegen! Uns anderen bleibt das mulmige Gefühl – so ärgerlich das ist, denn genau das wollen die Terroristen!

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  3. Jepp, dieses mulmige Gefühl in der Magengegend wird nur zunehmen, je mehr Anschläge es geben wird. Und leider ist kein Ende in Sicht, weil es sich im Endeffekt um einen Kampf der Kulturen handelt.
    Wir kleinen Leute können eigentlich nur versuchen, das Beste daraus zu machen und unser Leben möglichst ohne Hass und Vorurteile zu leben. Alles andere liegt nicht in unserer Hand.

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  4. Ich finde das auch schrecklich, dass nahezu kein Tag mehr vergeht, an dem es nicht irgendeine Meldung gibt, die mit Terror in Zusammenhang steht. Terroranschlag angedroht, vereitelt, passiert. Menschen im Zusammenhang mit Terror gefahndet, verhaftet, getötet. Und so weiter und so fort… und dann sagte mein Vater letztens, dass es in den 70ern und 80ern auch ganz extrem gewesen sei (Dinge, die ich eben nur aus Büchern kenne). Das ZDF hat dazu auch eine Statistik veröffentlicht. Und trotzdem wurde ja auch das wieder irgendwie verdrängt, jedenfalls sagten meine Eltern, sie hätten darüber nicht mehr nachgedacht, bis eben 2004 Madrid (und auch das wurde dann wieder verdrängt) und dann vor wenigen Monaten Paris passierte. Irgendwie zeigt das, dass Menschen diese Angst eben doch immer wieder überwinden, verdrängen, wie auch immer. Und anders geht es ja auch nicht.

    Achja, und Jan Böhmermann hat das übrigens ganz wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich weiß auch nicht, wie ich anders damit umgehen sollte. Ja, wenn Menschen Menschen mit Bomben töten wollen, wird das gelingen. Nein, das verändert mein Leben deshalb jetzt nicht grundlegend, denn was wäre das Leben dann noch, wenn wir alle ängstlich in unserem Häusern sitzen und uns nicht mehr auf die Straße trauen würden?
    Irgendwie versuchen, selbst Gutes zu bewirken, Beiträge dazu leisten, Vorurteile abzubauen, Menschen nicht in ein Extrem verfallen zu lassen. Das ist das, was wir tun können… bzw. das ist das, was wir zumindest versuchen müssen.

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