Was Lucy kann…

Liebe Leser,

heute ist Zeit für einen schönen Post. Ich möchte mich heute nur auf das konzentrieren, was Lucy alles ihrer Schule zu verdanken hat – und das ist eine Menge!

Lucy ist elf Jahre alt und kann nicht nur deutsche Texte flüssig, betont und ausdrucksstark lesen und das Gelesene verstehen und schon hinterfragen UND durchaus für ihr Alter beeindruckende Texte selbst verfassen, Lucy kann nach anderthalb Jahren intensiven Englischunterrichts korrekte Sätze in dieser Fremdsprache bilden und damit ganze Geschichten erzählen. Zwar schleicht sich hier und da noch ein Grammatikfehler ein, aber sie kann definitiv mehr als ich in ihrem Alter. Das hat sie einer ambitionierten Englischlehrerin zu verdanken. THANK YOU!

Lucy kann noch mehr, Lucy bleibt neugierig am Ball, was die großen Zusammenhänge der Welt anbelangt. Endlos Zahlenreihen ausrechnen oder Satzglieder markieren findet sie öde und investiert wenig Energie dahinein, aber bei Fächern, wo ihre Neugier auf die Welt gefragt sind, legt sie los. Lucy interessiert sich für Biologie, Erdkunde und Geschichte. Wenn in Deutsch Heldensagen behandelt werden, blüht sie auf. Danke, liebe Schule, für den vielfältigen Themenkatalog!

Lucy kann ohne Probleme Plakate gestalten, ein Referat planen und auch überzeugend halten. Lucy macht ihre Hausaufgaben selbständig und manchmal über die Maßen fleißig – immer dann, wenn ihr das Thema Spaß macht.

Lucy hat sozial eine Menge gelernt, was daran liegt, dass sie Glück hatte mit ihrer Klasse. Dem Schicksal sei Dank! Als Lehrerin weiß ich, was Klassendynamik bedeuten kann. Dass Lucy gerne in die Schule geht, liegt an den vielen lustigen, netten Klassenkameraden. Und auch die Nervensägen bereichern den Unterricht, der in ihrer Klasse so nie langweilig wird. Lucy hat sich innerhalb dieser Kinder einen anerkannten Platz erarbeitet, ihre Stimme wird gehört. Sie gilt bei den Erwachsenen als freundlich und umgänglich, drängt sich nicht nach vorne und huschelt sich nicht in der Ecke zusammen. Das gelingt, weil das Umfeld stimmt.

Bei all dem bildet das Elternhaus nur den Hintergrund, das hat Lucy größtenteils selbst geleistet und die Schule hat ihr dazu die richtigen Rahmenbedingungen gegeben. Dafür bin ich dankbar.

Wir Eltern spielen im Hintergrund dann aber doch eine Rolle. Dass Lucy eine Leseratte ist, verdankt sie der Vehemenz ihrer Mutter beim Lesenlernen, den hunderten von gemeinsamen Gängen in die Bibliothek, dem Bücherumfeld zuhause. Jetzt läuft es von ganz allein. Lucy hat Lebensweisheiten mit auf den Weg bekommen, aber genug Freiheit, selbst Erfahrungen zu sammeln. Lucy hat Tipps bekommen, Material ausgedruckt, eine Zeitschriftenabo, wurde regelmäßig Vokabeln abgefragt, jetzt läuft vieles davon allein. Lucy hat nebenbei Kuchen backen gelernt und Pizza und wird zum Vereinssport gefahren. Lucy hat Dokumentarfilme gesehen, die nicht für Kinder gemacht wurden, aber so beeindruckend sind, dass sie besonders junge, interessierte Gemüter prägen können. Sie erlebt regelmäßig Diskussionen zu aktuellen Themen am Esstisch und erhält nebenbei darüber Erklärungen. Lucy sammelt in sich einen Pool voll Ideen und Gedanken, aus dem sie in den folgenden Jahren schöpfen können wird. Je voller dieser Pool ist, desto besser ist Neues anschlussfähig. Schule kann viel, aber nicht alles.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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3 Kommentare zu “Was Lucy kann…”

    1. Ja, Kinder können weniger gut lesen und schreiben als noch vor zwei Jahrzehnten. Aber daran messe ich noch nicht den Untergang des Abendlandes.
      An der weiterführenden Schule machen wir mächtig Dampf gerade auf diesem Gebiet und siehe da, dieselben Kinder, die gerade noch rumstümperten, lernen Schritt für Schritt. Langsam zwar, aber sie werden besser. Bis zum Abitur haben wir viele Schüler dann doch auf einem ganz ansehnlichen Niveau. Zugegeben habe ich am Gymnasium eine Auswahl, wenn auch nicht mehr eine so große.
      Die Anforderungen haben sich an den Grundschulen verschoben. Ich sehe den Mangel, aber ich sehe auch die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, die es nötig machen, in der Grundschule andere Schwerpunkte zu setze, und ich sehe vor allem das, was Kinder heute können, was wir vor zwei Jahrzehnten noch nicht konnten. Die Ergebnisse erschrecken, ja, aber ich habe noch Hoffnung! Sonst hätte es gar keinen Sinn, jeden Tag wieder motiviert in die Schule zu gehen.

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