Mein rechter, rechter Platz ist leer

Liebe Leser,

wer hier regelmäßig liest, hat schon längst mitbekommen: Frau Henners Klasse ist nett, ehrgeizig und unsozial. Um letzteres zu mindern denkt sich Frau Henner immer wieder Neues aus. Ab und zu spielt Frau Henner auch soziale Spiele, wobei nicht die Spiele sozial sind, sondern eben diese Eigenschaft fördern sollen – manchmal haut das mit der neuen deutschen Sprache eben einfach nicht hin.

Soziale Spiele sollen den Teamgeist fördern, am besten man macht etwas, was nur durch die Gemeinschaft gelöst werden kann. Inzwischen habe ich einen ganzen Ordner voll solchem Kram. Manchmal denke ich, Schule heutzutage ist echt cool.  Aber meine Kinderlein, die schon in der Grundschule eifrig soziale Spiele gespielt haben, ahnen nicht von diesem Luxus. Ja, wisst ihr, es gibt Kinder, die dürfen nie in der Schule spielen…

Meine Fünfer tun so, als haben sie ein Anrecht darauf. Diese Haltung vermiest es mir ein bisschen. Aber dann freue ich mich doch, wenn sie während eines Spieles Zeit und Raum vergessen… besonders beliebt ist das Sofaspiel.

Alle Kinder sitzen im Kreis, ein Platz bleibt leer. Vier Kinder sitzen mit im Kreis, aber auf einer Schulbank. Als Vorbereitung hat man alle Namen auf Zettel geschrieben und die Kinder ziehen einen Namen, den sie verdeckt aufbewahren. Nun ist im Idealfall jeder jemand anders, aber niemand weiß, wer. Dann werden die Kinder in zwei Mannschaften geteilt. Ich lasse jeden Zweiten einen Ärmel hochkrempeln.

Jetzt kann es losgehen. Man spielt „Mein rechter, rechter Platz ist leer“. Ziel ist dabei, dass von einer Mannschaft alle vier Plätze auf der Bank besetzt werden.

Es gibt noch eine Variante für Schlaumeier: Da tauschen bei jedem Platzwechsel die beiden Agierenden die Namenszettel aus. Das ist dann aber echt hardcore.

Der Gedanke hinter diesem Spiel ist, neben Gedächtnistraining, dass man auch die Namen der Außenseiter aufrufen muss, alle werden gebraucht, um strategisch Stühle freizubekommen und Kinder der eigenen Mannschaft darauf zu platzieren. Die Mannschaften werden völlig frei gemischt und da jeder ein anderer ist, findet man erst Schritt für Schritt zueinander. So weit die Theorie.

Was meint ihr, was ich erlebe?

  1. Kinder, die wirklich Freude am Spiel haben.
  2. Kinder, die nur gewinnen wollen und andere Kinder angehen, wenn sie einen „falschen“ Namen nennen.
  3. Kinder, die hämisch lachen, wenn der Name eines Außenseiters genannt wird.
  4. Kinder, die affig tun, wenn sie den Namen eines Kindes erwischt haben, das ihnen missfällt.
  5. Kinder, die sich nicht an die Regeln halten (Keine Tipps geben!) und dann den Unmut der anderen Kinder auf sich ziehen.

 

Es ist ein langer Weg zum Erfolg… wir spielen weiter!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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2 Kommentare zu „Mein rechter, rechter Platz ist leer“

  1. Respekt für dein Einsatzvermögen! Ich würde solche Spiele zwei-oder dreimal versuchen und dann lassen, wenn ich merke, dass ein paar das absichtlich kaputt machen. In einer meiner Klassen habe ich genau das durchgezogen. Der Saboteur ist jetzt in der Klasse verschrien, aber der soll ruhig mal merken, wie das ist, wenn man anderen absichtlich den Spaß verdirbt. 27-fach!

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