Benachteiligt

Liebe Leser,

die Zeit vor der letzten Klassenarbeit in Mathe treibt mich mal wieder zu der Erkenntnis, dass ich definitiv nicht die geeignete Person bin, mit meiner Tochter Mathematik zu üben. Sophie, die Oberstufenschülerin, die sich ab und zu mit Lucy zum Üben trifft, ist hilfreich, aber Lucy braucht, wie es scheint, mehr. Interessanterweise ist Lucy inzwischen nicht mehr das einzige Kind aus ihrer Klasse, das sich eine Sophie gesucht hat. Ich könnte mich also entspannt zurücklehnen und sagen, warten wir mal ab, wie es nächstes Jahr bei einem anderen Lehrer wird. Aber ich will gewappnet sein.

Ich google Nachhilfeinstitute. Mann, bin ich naiv! Ich dachte, die gibt es überall. Denkste. Wohnst du in einer Stadt, womöglich noch mit Uni, dann wimmelt es nur so von Nachhilfemöglichkeiten. Hier auf dem Land sind sie… nennen wir es mal bescheiden.

Frau K. hat mir neulich erzählt, wie glücklich sie über den Studenten ist, der ihre Kinder mit Mathenachhilfe versorgt. Seit dem gibt es keine bösen Überraschungen mehr in den Mathearbeiten, weil der schlaue, junge Mann schon antizipiert, woran es diesmal hängen könnte und im Vorfeld die Problemfelder der zu schreibenden Mathearbeit beackert.

„Der ist Goldstaub wert!“, meint Frau K, „Den bezahle ich gerne, bis zum Abitur!“

Jetzt sitzt Frau Henner mit ihrer virtuellen Hacke vorm Computer und bekommt das Gefühl, dass hier nirgendwo Gold zu finden ist. Nur taubes Gestein. Nicht mal die Nachhilfe ist in Deutschland gleichmäßig verteilt.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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18 Kommentare zu “Benachteiligt”

  1. Ich habe selbst einmal Nachhilfe gegeben und oft auch Gesuche aus den umliegenden Dörfern gesehen. Aber gerade als Student hat man eben oft kein Auto und die Busse fahren gar nicht bzw. so bescheiden, dass Nachhilfe dort nicht möglich ist. Kenne einige Fälle, in denen die Eltern das Kind dann noch zur Nachhilfe in die Stadt chauffieren müssen…

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  2. Hm, ich tu mich hier gerade schwer. Warum , zum Geier ist denn für so viele Kinder gerade in Mathe die Nachhilfe erforderlich?
    Ich könnte es jetzt verstehen, wenn der Schüler wochenlang krank war, oder so, das dann eine Zeitlang Unterstützung notwendig ist….

    Aber aus Deinen Beiträgen der Vergangenheit muss ich ja schließen, das Mathe nicht so der Fall Deiner Tochter ist. Und wohl auch nicht werden wird. Wie sind denn die Noten im Fach ohne Unterstützung? Die Nachhilfe geht ja dann echt bis zum Abi. Und was hat sie dann gekonnt? Ich mein mit ner Mathedrei auf dem Zeugnis, wenn der Rest passt, kann man doch leben? Gibt halt Kinder, bei denen platzt der Knoten später. Ich denke auch an die psychische Komponente….a la, in Mathe geh ich eh zur Nachhilfe…..weil ich im Unterricht nix kapiere.
    Mit einem anderen Lehrer, ja vielleicht wird es da besser. Vielleicht musst Du aber auch akzeptieren, das die Begabungen Deiner Tochter auf anderen Gebieten liegen.
    Liebe Grüße
    Sylana

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    1. Oh, das finde ich aber gar nicht.
      Ich hab schon sehr viel Nachhilfe in Mathe gegeben und manch einen Schüler von einer 5 auf eine 2 geholt. Im Unterricht bleibt einfach oft wenig Zeit, um auf Probleme einzelner so gezielt einzugehen, wie es manche brauchen würden und das kann die Nachhilfe auffangen. Es ist eine andere Atmosphäre: Der Schüler kann sich nicht in der Masse der Klasse verstecken und es kann auch nicht unentdeckt bleiben, wenn er etwas nicht versteht. Er braucht aber auch keine Angst zu haben, etwas falsches zu sagen, ist ja sonst niemand da.
      Und zur Psyche denke ich genau andersherum: Meine Schüler dachten nie: Ich geh zur Nachhilfe, ich bin zu blöd, um das allein zu machen und brauch dann ich in der Schule nicht aufpassen. Sondern mein A und O war es, Struktur und Selbstständigkeit zu fördern (Mich also letztendlich überflüssig zu machen, kein besonders gewinnbringendes Verhalten für mich…) und strahlend sitzen sie da und sagen: Wow, ich kann Mathe! Das ist ja gar nicht so schwer! Kaum jemand blieb seine ganze Schulzeit über bei mir, sie kamen ein paar Jahre lang, dann hatten die meisten ihr Rüstzeug und haben es allein geschafft. Neulich traf ich eine ehemalige Schülerin von mir, die mir grinsend erzählte, sie hätte nun Mathe Leistungskurs gewählt. Das hätte in der achten Klasse wohl niemand von ihr gedacht.
      Von vielen Nachhilfe-Instituten halte ich übrigens nicht viel. Oftmals läuft dann da auch eine Art Unterricht in Kleingruppen und dann geht es schon wieder an den Problemen einzelner vorbei. Das ist schade.
      Warum es oft Mathe trifft, liegt meiner Erfahrung nach an unserer Gesellschaft. Es gilt als chic, zu sagen, Mathe hätte man nie verstanden. Das wird auch jungen Kindern schon von vielen Verwandten erzählt. Niemand würde jemals sagen, dass er überhaupt keine Rechtschreibung beherrscht und damit kokettieren. Mathe umgibt aber so eine Aura des unschaffbaren. Die sie eigentlich gar nicht verdient hat..
      Alles Liebe!
      Lisa

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    2. Um die Note geht es gar nicht – die Mathe-Drei ist in Ordnung. Ich merke, dass Lucy vieles nicht versteht und ich weiß, das gerade das in den kommenden Jahren einfach wichtig sein wird. Es geht mir also nicht um das Ego, sondern um bessere Startbedingungen in den folgenden Mathejahren.
      Lucy versteht vieles besser, wenn sie sich mit der Oberstufenschülerin hinsetzt, sie erklärt in Ruhe und individuell. Meiner Erfahrung nach, gibt es Mathelehrer, die gar nicht verstehen, wieso man Mathe nicht verstehen kann. Das ist nicht die beste Voraussetzung zum Erklären.

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      1. Na, ja, das Mathelehrer oft nicht verstehen was an Mathe nicht zu verstehen ist, stimmt natürlich auch wieder, doch das könnte man bestimmt auf jedes Fach anwenden.

        Im Prinzip ist der Punkt aber doch: Warum gibt es im Unterricht nicht genug Zeit zum Wiederholen, üben, festigen?
        Generell bin ich ja der Meinung, das man sich Lehrplantechnisch verzettelt. Da noch was rein, das muss noch dazu….die Zeit reicht dann einfach nicht mehr. Die Kleinstaaterei und die meiner Meinung nach unnötig komplizierten Lehrbücher sind ja auch nicht gerade hilfreich.
        Halbschriftliche Division, war die letzte Granate zum Thema.
        Da frag ich mich dann allen Ernstes: Kann man das nicht gleich komplett machen, und üben bis es sitzt?

        In der Grundschule soll doch erst mal gelernt werden, wie man lernt, da ist weniger mehr.
        Und ja, kein Mathe zu „können“ ist leider wirklich oft mit den Worten: „Ich konnte das auch nie!“ erklärt. Wohlgemerkt, ich red hier nicht von Vektoranalysen usw., sondern von simplen lebenspraktischen Sachen, wie Prozentrechnung, Dreisatz, oder einfach mal was zu addieren.

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        1. Der Plan in Mathematik ist tatsächlich so voll, dass nur ein Durchhecheln möglich ist, viele Inhalte wurden durch G8 vorverlegt, anders kann ich mir nicht erklären, wieso Lucy manches machen muss, was ich erst ein, zwei Jahre später hatte. Aber selbst wenn noch Zeit ist, die Mathefachschaft bei uns ist sich da fast einig: geübt werden muss zuhause, dafür sei im Unterricht einfach nicht der Platz. Da verstehe ich, was Eltern auf die Palme bringt.

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          1. Na ja, weißt Du……ich komm aus einer Gegend, da hatte man fürs Abi schon immer nur 12 Klassen, kann also irgendwie nicht der große Schaden sein. Wahrscheinlich muss mal grundsätzlich der Lehrplan sinnig gestaltet werden…und entrümpelt vor allem! Nicht nur in Mathe. Mir ist letztens mal in einem Buch aufgefallen: Da wird ein Thema angerissen, was erst zwei Jahre später akut wird. Das „Anreißen“ erforderte aber so 2-3 Stunden, und ist nach meiner Einschätzung völlig sinnlos, weil zwei Jahre später weiß es eh keiner mehr. (Ich grübel schon die ganze Zeit, was für ein Thema das war). So Zeug gibt es bestimmt öfter. Und üben mussten wir ja auch zu Hause, aber doch nicht ausschließlich.

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  3. Schwierig. Hier bei uns in der Stadt gibts auch mehrere Möglichkeiten, da wir einige Institute haben, und privat dürften sicherlich auch etliche Leutchen Nachhilfe geben. Im ländlichen Bereich sieht es natürlich anders aus. Wie weit wäre es denn zum nächsten Institut?
    Wobei die natürlich auch nicht immer das Gelbe vom Ei sind. Den Studenten, der einfach mal so die nächsten Mathearbeiten antizipieren kann, den würde ich gerne kennenlernen. Ich schaff das z.B. nicht, und selbst wenn, dann käme da der Schüler in die Quere. ^^‘

    Gut, es wurde ja bereits angesprochen, einfach abzuwarten, was sich im kommenden Jahr ergibt. Lehrerwechsel, zunehmende Reife – das spielt bei so manchem meiner Nachhilfeschüler auch eine Rolle – etc.

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    1. Das hoffe ich sehr, denn ich habe keine Lust, Lucy zweimal die Woche eine halbe Stunde pro Strecke durch die Gegend zu karren. Ich warte und hoffe, dass sich etwas ergibt… das ist ja oft so im Leben 😉

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  4. Liebe Lilo,
    wir hatten das Thema ja schon mal und nun ist es auch bei Lucy soweit, dass sie ohne Hilfe nicht auskommt. Und ich kann mich den Ausführungen von Lisa nur anschließen.
    Marie geht nach zwei missglückten privaten Versuchen seit drei Jahren zum „Studienkreis“. Vielleicht haben wir nur Glück mit der dortigen Mathelehrerin, aber sie ist ihr Geld wert und die gesamte Nachhilfeschule hat einen sehr guten Ruf in unserer Elternschaft. Ich kenne niemanden, der klagt oder sich beschwert. Marie lernt mit einem weiteren Mädchen einmal pro Woche für zwei Stunden das nach, was im Unterricht nicht verständlich rüber gebracht wurde, teilweise werden auch zurück liegende Defizite aufgearbeitet, je nach Bedarf. Ihr geht es seitdem viel besser, sie ist ruhiger und gelassener, was das Thema Mathe angeht (was ich als allerwichtigsten Punkt beim Thema Nachhilfe sehe, dem Kind muss es besser gehen damit und es muss die Nachhilfe als gelungen und nicht als zusätzlichen Stress ansehen). Und wir als Eltern schlafen ruhiger, weil die Sorge um nicht zu erbringende Leistungen gewichen ist, gewichen einem Gefühl der Sicherheit. 99,- € im Monat sind viel Geld, aber ein Sprung von Note 5 auf eine mittlerweile stabile 3 und der damit verbunden Sicherheit, das Abi zu schaffen, sind sie es uns wert.
    Viel Glück beim Finden einer passenden Nachhilfe. Verzweifelt nicht, wenn es nicht auf Anhieb funktioniert, manchmal sind eben aller guten Dinge drei, wie bei uns.
    LG Paula

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  5. Ich sagte es ja schon einmal:
    Verschont die armen Kinder mit Nachhilfe.
    Ich würde Nachhilfe nur geben:
    -bei längerer Krankheit
    -bei Schulartwechsel
    -beim Wechsel des Bundeslandes
    Aber nicht, nur weil ein Kind eine etwas schlechtere Note hat oder weil es einen Begriff z.B. von Mathematik bekommen soll.

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  6. dann muss das kind das per begabung auffangen können. oder die schulform ist unpassend. oder es liegt eine therapiebedürftige teilleistungsschwäche vor. oder der lehrer ist wirklich ganz furchtbar untragbar mies – dann müssen sich die eltern zusammentun und stunk machen, denn wenn das wirklich so ist, müssen achtzig, neunzig prozent der kinder in der klasse ein großes problem haben. wenn das kind eine drei hat, sähe ich als mutter gar keinen, wirklich gar keinen handlungsbedarf. so gravierend können die defizite doch nicht sein, wenn sie genug kapiert, um ein „befriedigend“ zu backen?!

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    1. Sehe ich ganz klar anders.
      Lucy tickt, was Zahlen anbelangt zwar anders als bei Buchstaben, das würde ich aber nicht therapiebedürftig nennen, denn dann, das hast du richtig erkannt, wären mindestens zwei Drittel der Kinder ihrer Klasse therapiebedürftig. Wenn es nur am Lehrer liegt, was ich nicht vermute, auch wenn ich da tatsächlich Defizite sehe, dann wird sich nächstes Jahr sowieso einiges ändern. Aber eine Begabung für Mathe liegt bei Lucy nicht vor, die irgend etwas auffangen könnte. Sonst gäbe es das Problem ja nicht 😉
      Lucy ist aber in allen anderen Fächern zu schlau, nämlich unter den schlausten Kindern der Gymnasialklasse, so dass ein Wechsel auf die Realschule absoluter Blödsinn wäre.
      Und nein, Lucy schafft momentan ein gutes Befriedigend, aber ich sehe, wie viele Grundlagen fehlen. Das kann Sie irgendwann nicht mehr ausgleichen. Zur Genüge sehe ich bei uns an der Schule die Jugendlichen, die regelmäßig 0 oder vielleicht 1, 2 Punkte in Matheklausuren schreiben. Die haben auch in der Unterstufe mit einer Drei angefangen. Manche reißen es, andere packen es eben nicht. Und das liegt häufig an der Unterstützung von außen.

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