Lucy als Spitzel

Liebe Leser,

und dann ist plötzlich Sommer – mit Hitze, Gewitter und Grillengezirpse. Herrlich! Nach Elternbesuch, Freundinnenrunde, Drittkorrektur und Klausurenmarathon sitze ich nun endlich mal faul im Garten und lese einen anspruchslosen, aber nett geschriebenen Krimi. Lucy wollte heute zu Becki, denn diese besitzt, auch wenn sie lieber im Zimmer hockt und Pferde malt, ein Trampolin und lässt sich vielleicht damit in die Frühsommersonne locken.

Ich habe die Gelegenheit gleich mal genutzt und Lucy angesetzt, etwas über den Kollegen an diesem Gymnasium herauszufinden. Investigativ natürlich. „Wieso denn das?“, will Lucy wissen. Da sie aber noch nicht weiß, dass ich gedenke, die Schule zu wechseln, und mich einfach mal so unter den umliegenden Kollegen umgucke, denn ich will nicht in die absolute Traufe rutschen, sage ich nur: „Bin halt neugierig, was die so machen. Den Kollegen zum Beispiel kenne ich überhaupt nicht.“

… Und er hat sich auch noch nicht auf meine Anfrage gemeldet, während ich von dem anderen Gymnasium schon eine Einladung habe, mal vorbeizukommen und mir die Arbeitsbedingungen anzuschauen. Ich will einfach nur wissen, ob der werte Kollege eine Trantute ist oder mich als Konkurrenz empfinden könnte oder mit den Kommunikationsmedien auf Kriegsfuß steht oder so ein Tausendsassa, den eh nichts kümmert. WIESO MELDET DER SICH NICHT?!

Lucy zwinkert mir zu und raunt verschwörerisch: „Ich mach das ganz unauffällig, dass merkt die Becki gar nicht, dass ich was aus ihr rauskriege.“ Gutes Kind!

Die Spatzen tschilpen, die Haut bräunt vor sich hin – natürlich im Schatten! – der Krimi geht dem Ende zu. Flavia de Luce hat mal wieder mit messerscharfem Verstand einen vertrackten Mord in Englands Provinz aufgeklärt. Lucy erzählt:

„Also Becki findet den total nett, aber das hat auch einen Grund. Die dürfen immer machen, was sie wollen. Und Becki macht immer das gleiche, das ist dem völlig egal und sie bekommt immer eine Eins. Deshalb ist der voll okay.“

„Aber der muss doch auch Unterricht, so Lehrplan und so machen, das versteh ich jetzt nicht…“

Lucy zuckt mit den Schultern. „Becki hat mir das so gesagt, ich versteh das auch nicht. Aber sie sagt, sie dürfen sich das immer raussuchen, jeder, was er will. Und du kennst doch Becki, die macht immer was mit Pferden, Höhlenzeichnungen und so.“

Ich kann das nicht glauben, Pferde? Bin ich im falschen Film Fach gelandet? Also entweder, Becki hat sich schlecht ausgedrückt, Lucy hat da etwas falsch verstanden oder der Kollege hat tatsächlich seltsame Methoden. Aber der kann doch nicht ein ganzes Schuljahr lang Höhlenzeichnungen behandeln? Oder doch? Vielleicht ist er nur fachfremd?  Aber dann kann er doch nicht die Abteilung leiten? Oder doch?

Also nun bin ich brennend daran interessiert, den Kollegen kennenzulernen und mein Weltbild gerade zu rücken. Man hört ja schon seltsame Sachen über manch Schule, aber ich kann das einfach nicht glauben. Ich muss dahin, um mir selbst ein Bild zu machen – Hauptsache mir begegnen nicht nur Pferde!

Das Pferd im Wandel der Zeit oder so…

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

 

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8 Kommentare zu „Lucy als Spitzel“

  1. Na, aber liebe Lilo, es gilt doch, das Pferd in all seinen reichen Facetten zu erkunden und zu entdecken! Evolution der Pferde, Geschichte der Pferde im Laufe der Menschheit, Pferdegeschichten, dann natürlich all die Pferderassen, Farben, Gemüter, Pferde in Kunst und Malerei…. Damit lassen sich doch ganze Schuljahre, ach was, ganze Leben füllen! 😉

    Merkwürdig, wenn da so gar nichts kommt. Ist das so üblich, dass sich die Abteilungsleiter noch einmal melden, bei Neubewerbern?

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  2. Ach Frau Henner,
    es gibt Alles, was es geben kann. Und häufig sind es die hochdekorierten Menschen, die sich ihre eigenen moralischen Wertesysteme zusammen basteln.
    Sicherlich kann es nicht schaden eine Zweitmeinung einzuholen, weil Kinder viele Dinge anders wahrnehmen. Aber es gibt solche Abteilungsleiter und auch Fachberater, Studiendirektoren usw.

    Jeder Mensch hat seine unterschiedlichen Ansprüche. Manche Menschen, die in der Kursstufe (!!!) gerne mal im Kernfach vom Bildungsplan abweichen (weil es sie langweilt immer das Gleiche zu unterrichten), finden meine Rechtschreibung einer Lehrerin unwürdig. Gerne sitzen sie in Konferenzen an meinem Platz und korrigieren meine dort liegenden Arbeitsblätter (dabei hatte ich die nicht selbst erstellt sondern vom Kollegen aus dem Schulleitungsteam erhalten).

    Liebe Grüße
    Coreli
    P.S. Die Schule, die Becki besucht würde ich dann vielleicht eher nicht in Betracht ziehen.

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    1. Momentan habe ich eher die Wahl zwischen Not und Elend. Aber das ist weniger mein Problem. Ich möchte ja gerne etwas aufbauen. Wenn schon alles perfekt ist, macht das ja gar keinen Spaß…

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  3. Liebe Lilo,
    kommt mir irgendwie bekannt vor. Von manchen Menschen bekommt man noch nicht einmal eine Lesebestätigung. Aber gerade für solch eine Anfrage stellt sich der Kollege ein ziemliches Armutszeugnis aus. Sein Verhalten lässt tief blicken.
    Und Detektivin Lucy – das hat sie gut gemacht…(schmunzel, hab ich auch schon mal gemacht, pst…). Im Prinzip bestätigt sie durch Beckis Erzählungen, wie der Herr so drauf ist. Wie sagt man so schön? Kindermund tut Wahrheit kund. Stimmt doch immer wieder.
    Vielleicht solltest du einfach telefonisch einen Vorstellungstermin ausmachen. Ist manchmal in der Überflutung von digitaler Post der bessere Weg. Viel Erfolg im gesamten Versetzungsgeschehen, LG aus dem Lehrercafe von Ela

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    1. Per Telefon kommt mein nächster Angriff, so leicht lasse ich mich nicht abwimmeln, aber ich wollte halt gerne den kleinen Dienstweg gehen und nicht gleich beim Direktor vorsprechen. Schließlich sind wir auf dem Land und die Neugier und der Tratsch kennen keine Grenzen…

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