Papa ante portas

Liebe Leser,

„An unserer Schule lernen die Schüler viel mehr!“, sagt der Vater.

Er ist auch Lehrer, aber nicht an unserer Schule. Unsere Töchter sind befreundet. Wir nicht und wir werden es aller Voraussicht nach auch nicht so schnell werden.

„Was die Kinder in Französisch lernen, das ist doch ein Witz!“, ruft er jetzt. „Keine Grammatik! Also bei uns gibt’s Grammatik! Ho, das können Sie glauben!“

Ich lächle und erinnere den Papa, der da vor meiner Haustüre steht, daran, dass unsere beiden Töchter sehr wohl Grammatikunterricht haben und dass sie im Lehrplan exakt dort sind, wo es sich für das Anfängerjahr gehört. Sie verfassen schon kleine Texte in der fremden Sprache und sie haben viel Freude am und im Unterricht. Voll motiviert sozusagen. Was will ich mehr?

„Ja, das sagen Sie jetzt als Lehrerin dieser Schule, aber als Mutter muss es Sie doch stören“, beharrt er, „ein Witz, sag ich!“

Ich lächle weiter. Diskutieren erscheint mir zwecklos. Der Herr hat seine Meinung, er hat sein Revier markiert, bei ihm ist sowieso alles besser. Er ist selbst Französischlehrer.

Ich diskutiere nicht mit Fundamentalisten, ich möchte meinen Verstand nicht verlieren und Lucy möchte sich sicher weiterhin mit Franzi treffen.

Außerdem lächle ich in mich hinein, da dieser Herr möglicherweise irgendwann einmal ein Kollege von mir wird, dann müsste sich seine Behauptung dem Realitätstest unterziehen – aber das weiß Papa ja noch nicht…

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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3 Kommentare zu „Papa ante portas“

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