Il est un héros

Liebe Leser,

manchmal trifft man auf Menschen, deren Meinung, Weltbild, Handeln einfach schwer zu ertragen sind. Und nun hat Franzis Papa schon wieder zugeschlagen. Er schwingt sich auf zum Helden des Sprachunterrichts seiner Tochter.

Vorhang auf! Hier kommt des Dramas zweiter Akt:

Hat jemand von euch schon mal in ein Französischbuch für Anfänger geschaut? Und entdeckt ihr darin auch ganze Sätze, kleine Texte, die zunehmend anspruchsvoller werden, weil Französisch nun mal eine anspruchsvolle Sprache ist? So anspruchsvoll, dass man ohne Grammatik nicht weit kommt? Und vor allem die Schreibung! Selbst jemand, der als Kind französisch sprechen musste, weil der Papa Französischlehrer ist, kann diese Sprache noch nicht schreiben und tut gut daran, sie von Grund auf zu lernen. Dass ihm dabei im Mündlichen gute Noten zufallen, ist doch ein schöner Nebeneffekt.

Franzis Papa sieht das anders. Nicht nur, dass er die Grammatik im Anfängerjahr nicht für Grammatik hält, nein, es ist ihm alles zu popelig. Im ersten Jahr lernten die Kinder ja nur die Farben und ein paar Zahlen, behauptet er. Damit soll sich seine Tochter nicht mehr abgeben. Sie kann ebensogut von ihm zuhause in Französisch unterrichtet werden. Die Lehrbücher besitze er ja. Ob man nicht jetzt noch in Latein wechseln könne? Von Latein habe man viel Gutes gehört. Und dann, so ab der neunten Klasse, wenn Französisch langsam zu Französisch wird, könne die Tochter ja wieder wechseln, denn diesen großen Sprachvorteil wolle man sich fürs Abitur ja nicht nehmen lassen. Überhaupt wäre ja dann der Papa immer auf gleicher Höhe. Zur Not könne die Tochter ja auch sowohl den Latein- als auch den Französischunterricht besuchen. Dass sie damit den gesamten Stundenplan sprengen würde, weil die Sprachen auf einer Schiene liegen, kann doch nur eine Nebensächlichkeit sein, die eine engagierte Schulleitung aus dem Weg räumt. Da würde er jetzt mal anrufen, da müsse sich ein Weg finden!

Sprachlos bin ich. Das kann der Papa nicht ernst meinen. Gibt es für ihn eigentlich noch irgend jemand anderen als seine Tochter auf der Welt?

In der großen Pause berichte ich Frau Sellawie davon, die den Papa von Fortbildungen kennt. „Oh Gott, hör mir auf mit dem! Der hat echt einen an der Waffel! Du, die Schüler lachen über den, weil der im Unterricht grammatische Fehler macht. Schon allein die Zeitformen und so verwendet der nicht richtig, aber tut so, als wäre er der Größte… was sagst du, seine Tochter ist bei uns?… Hoffentlich muss ich die nie unterrichten, bei dem Vater!“

Ich tröste sie: Le héros meurt au dernier acte. Gewöhnlicherweise. Bildlich gesprochen.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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12 Kommentare zu „Il est un héros“

    1. Interessant ist, wie Franzi sich erst immer wehrt und ich denke: „Wow, hat dieses Mädchen Power!“ Aber nach ein paar Tagen schwenkt sie dann um und trägt die Gedanken der Eltern mit. Verständlicherweise, schließlich lebt sie mit den Eltern unter einem Dach.

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  1. Na, dann soll er doch seine Tochter an seine Schule in seine Klasse verfrachten.
    Ehrlich, es gibt Lehrer…..Tsss. Da kann ich dann die Schüler verstehen.

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  2. Oh ich kenne einen wunderbaren Weg für ihn. Unser Sohn konnte nämlich Französisch nicht als 3. Fremdsprache wählen (Lerngruppe zu klein) und hat dann nach Englisch und Latein Italienisch gewählt und privat Französisch gelernt (aber mit einer Fachfrau und dem Buch für 3. Fremdsprache und unserem Geld). Man kann in BaWü zu jedem Kernfach mit einer Feststellungsprüfung durch den/die Fachvorsitzende zugelassen werden. Mein Sohn hat dann Kernfach Französisch in Kursstufe und Abitur gehabt (mit dem Vorteil das schriftlich im Abi zu haben und auch die Kommunikationsprüfung darin zu machen).
    Und wenn Eure Fachvorsitzende sich verweigert, kann die Tochter ja für die Kursstufe an „seine“ Schule wechseln.

    Ja und um jetzt noch nach Latein zu wechseln könnte die Tochter einfach die Klasse wiederholen.

    Alles ganz einfach 😉

    Wobei ich sympathischen Eltern mit solchen Plänen dann dringend raten würde nach dem 10. Schuljahr das Kind ein Jahr nach Frankreich zu senden.

    Und die Mutter des Kindes würde ich fürs Bundestverdienstkreuz vorschlagen. Wie hält die das aus?

    LG
    Coreli
    P:S: Der Sohn hat alles gut überlebt ohne Blessuren. Nur seine moralische Haltung hat sehr gelitten als einziger Mann (und hetero) in einem Französischkurs. Das ist fast so toll wie Rockstar oder Schülersprecher.

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    1. Das mit dem Bundesverdienstkreuz gefällt mir ausnehmend!

      Diese Feststellprüfung finde ich sehr interessant, das wäre ja dann tatsächlich eine Alternative für Franzi. Trotzdem hoffe ich für sie, dass der Weg, den die Eltern sich denken (munter in der Mittelstufe hin- und herwechseln), nicht genehmigt wird: einfach für das Kind. Wenn Franzi nun auch noch jeden Tag mit Papa Französisch lernen muss, das ist leider keine Rockstaraussicht!

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    2. “ Unser Sohn konnte nämlich Französisch nicht als 3. Fremdsprache wählen (Lerngruppe zu klein) und hat dann nach Englisch und Latein Italienisch gewählt und privat Französisch gelernt (aber mit einer Fachfrau und dem Buch für 3. Fremdsprache und unserem Geld).“

      Oh mein Gott, kurze Zeit habe ich gedacht, ich hätte das Geschlecht gewechselt und meine Mutter wäre auf WordPress unterwegs! 😮 Bis zur Klammer bezüglich Fachfrau und Geld der Eltern ist das auch meine Fremdsprach-Biographie. (Pi-Er, hast du das gelesen?! Es gibt noch mehr von mir!)

      Interessant, dass das in BaWü dann ging, dass er in der Kursstufe noch in Französisch einsteigen konnte. Das blieb mir in RLP verwehrt.

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      1. In RLP kenne ich die rechtliche Lage nicht. In BaWü war es sicher ein unschlagbarer Vorteil, dass er sich bei der menschlich „komplexesten“ Deutsch/Franz Lehrerin der Schule (während seines Deutschunterichts) ins Herz gearbeitet hat mit stetigem Charme, kleinen selbstverfassten Textchen auf Französisch (was immer das im D Untericht zu suchen hat), kleinen Nachfragen wie das Wochenende und die Ferien der Lehrkraft waren, Bekenntnissen zu ähnlichem Musikgeschmack, Gespräche über Literatur usw……. Die Lehrerin ging also mehrfach persönlich zur Schulleitung um mal ein wichtiges Wort über den „Fall“ einzubringen. Die Schulleitung wollte glaube ich die Anzahl der persönlichen Gespräche eher gering halten und war auch menschlich sehr verblüfft, dass es ein pubertierender, metal-hörender, schwarze-kleidung-tragender Jugendlicher geschafft hat, sich solch eine Fürsprecherin an die Seite zu bekommen. Für gewöhnlich können sich Jugendliche mit diesem Aussehen bei dieser Lehrerin direkt die „5“ in die persönliche Notenübersicht für das Schuljahr eintragen. Aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Und in einer Situation zu Schuljahresanfang, als der Sohn extrem verzweifelt war, weil er direkt in der ersten Stunde die Ablehnung dieser Lehrkraft zu spüren bekam und der Sohn wirklich weinte, hat er einmal im Leben auf seine alte, weise Mutter gehört.
        Ich bin sehr stolz auf meinen Sohn ;-). Und wenn das nicht funktioniert hätte, wäre ich in der Schule vorstellig geworden. Und da ich mich im Vorfeld bei einem Kollegen über die rechtliche Situation genau erkundigt hatte, wären die guten Argumente auf meiner Seite gewesen. Und im Grunde wird eine Fachschaftsvorsitzende, die eingeplant ist den Kernfach Französisch Kurs im nächsten Schuljahr zu unterrichten sich selber einen Gefallen tun, wenn sie Schüler zum Kurs zulässt (es sei denn es ist ganz aussichtslos das Niveau). Auch Kommunikationsprüfungen bei einer gebeutelten Fachschaft die ums Überleben ihres Fachs kämpft (und Schüler dafür begeistern möchte) halte ich für sehr aussichtsreich. Englisch kann ja schließlich Jeder 😉

        LG Coreli

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        1. Ja, das klingt gut, da hat er wohl Glück gehabt. Bei mir lief es damals ähnlich, es hat sich für mich auch meine Englischlehrerin, die auch Französisch unterrichtete, bei der Schulleitung eingesetzt, leider vergebens. Der Witz ist, dass es in RLP sogar noch einen Crash-Kurs Französisch ab Klasse 11 gibt, für Realschüler, die aufs Gymnasium wechseln und keine zweite Fremdsprache hatten. Da wird dann 2,5 Jahre lang 5-stündig Französisch nachgeholt. Ich weiß bis heute nicht, was das Problem daran gewesen wäre, mich da einfach zuzulassen, außer, dass man ein bisschen den Stundenplan hätte umstellen müssen. Die Lehrkraft wäre sicher froh und dankbar gewesen, denn zu 90% haben die Schüler dort wirklich absolut überhaupt keine Lust, Französisch zu lernen („wir haben uns damals bewusst gegen eine 2. Fremdsprache entschieden und müssen die jetzt trotzdem nachholen, wir hassen Französisch!“ und so). Der Kurs lag allerdings parallel zum Latein-GK, und ich habe eben Latein auch bis zum Abitur behalten, man hätte da also die Stunden meinetwegen nicht parallel legen können. Das wäre aber auch schon alles an Umständen gewesen. Die offizielle Begründung der Schulleitung lautete: „Dieser Kurs ist nur für ehemalige Realschüler gedacht, du warst schon immer aufm Gymnasium und hast deine 3 Fremdsprachen, das war’s.“ Ganz klar: Es war einfach nicht erwünscht. Regt mich bis heute auf, dass man verwehrt bekommt, etwas auf dem „leichten“ Weg an der Schule zu erlernen, wenn man doch willig ist und es ohnehin einen Kurs gibt. Aber naja. Den rechtlichen Weg bin ich damals nicht gegangen (und meine Eltern habe ich da ehrlich gesagt ganz rausgehalten), ich habe einfach entschieden, dass ich das auch auf eigene Faust hinkriege, und so funktioniert es eigentlich ganz gut – jetzt eben als 4. Fremdsprache und ohne Schulunterricht, dafür mit genug Muttersprachlern im Freundeskreis. Geht auch, wenn man will. 🙂

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          1. Ich habe bei der Schulleitung nun ein bisschen ins Stundenplanmachen hereingeschnuppert und stelle fest: es ist tatsächlich organisatorisch eine Katastrophe, wenn die Schienen nicht parallel gelegt werden können. Viele Eltern verstehen das nicht, sie sehen nur ihr Kind. Aber es sieht halt jeder sein Kind und es entstehen immer mehr Elternwünsche.
            Wir mussten wegen einer Schülerin den Stundenplan umstellen, weil sie in der Oberstufe so exotisch gewählt hat, dass eine Schiene nicht mehr möglich war, und das bedeutete freitags neunte, zehnte Stunde und viele unnötige Hohlstunden – und nun kannst du dir vorstellen, wie begeistert der Rest davon war.
            Das zweite Problem, was gerade hier angesprochen wird: da ist das eine Kind in der Unterstufe mit Extrawunsch, dann noch eines in der Mittelstufe und dann zwei in der Oberstufe. Alles verständliche Wünsche, aber schon diese vier sprengen die Organisation eines Plans, denn es gibt ja noch andere Vorgaben wie zum Beispiel die Tage der Pfarrer für den Reliunterricht, die Hallenbelegungspläne in Sport, die Kollisionen der Fachräume.
            Hart, aber wahr: je mehr Extrawünsche es gibt, desto weniger ist Schule als Gemeinschaftprojekt möglich. Natürlich kenne ich die Situation an diener Schule damals nicht, mir geht es nur daraum, zu bedenken zu geben, dass das Umstellen eines Stundenplan eben keine kleine Sache ist.

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            1. Schon, aber es handelte sich um 2 Stunden, die sich überschnitten, eine Doppelstunde, und nicht um alle 5, es wäre also nicht die komplette Schiene gewesen. Und vor allen Dingen wurde das Stundenplanproblem damals nicht vorgetragen als Argument. Das einzige Argument, das ich zu hören bekam, lautete, dass ich keine weitere Fremdsprache lernen dürfe, weil ich schon immer Gymnasiastin und keine Realschülerin war, und das ist absoluter Unfug in meinen Augen. Mich ärgert diese ablehnende Haltung, die mir damals entgegengebracht wurde, als wäre mein Wunsch so etwas Absurdes wie „bitte bauen Sie eine eigene Mensa für meine Stufe“ und nicht „bitte lassen Sie mich zu einem weiteren Sprachkurs zu, weil ich gerne etwas lernen möchte“. Mit dem logistischen/organisatorischen Problem hat niemand argumentiert, dass sich 2 Stunden überschnitten, das ist mir selbst aufgefallen.
              Dazu kommt, dass ich meine 2. Fremdsprache eben aufgrund einer anderen Basis gewählt hatte. Ich wollte schon als Kind beides lernen, Latein und Französisch, und damals wurde uns eben versprochen, dass das jeweils andere als 3. Fremdsprache möglich sei – und verschwiegen, dass dies nur in der Theorie so ist und de facto noch nie (!) ein solcher Kurs zustande gekommen war, sondern immer nur Italienisch als komplett neue Fremdsprache. Man könnte also wohl schon darüber nachdenken, Gymnasiasten ab Klasse 11 regulär in den Crashkurs mitaufzunehmen, um da den Ausgleich zu finden. Dafür müsste man aber wollen.
              Meine Eltern waren übrigens wie gesagt überhaupt nicht involviert, ich habe mit 15/16 meine Schulanliegen selbst in die Hand genommen.

              Wie das damals gelaufen ist, ärgert mich bis heute, aber andererseits: Schule ist nicht alles, Zugang zu Bildung bekommt man auch auf einem anderen Weg. Vielleicht kann ich heute besser Französisch, als ich es mit dem Crash-Kurs je gekonnt hätte.

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  3. Oh je, da schlägt man ja die Hände über dem Kopf zusammen.
    Zum Thema Schulbuch würde ich dem netten Herrn mal den Vorschlag unterbreiten, soll er doch selbst eins schreiben und bebildern. Mal sehen, wie weit er kommt und ob er einen Schulbuchverlag findet, der ihn bei seinen Ideen unterstützt.

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    1. Man braucht sich ja nur die Bücher anzuschauen, um festzustellen, dass der Vater da einiges verkennt. Ich finde Französisch in den ersten Lernjahren gar kein Pillepalle.
      Nun gut, die Illustrationen, die könnten tatsächlich mal überarbeitet werden 😉

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