Was am Ende bleibt

Liebe Leser,

Prüfungen kann man immer aus mehreren Perspektiven betrachten. Der Prüfling hat eine völlig andere Wahrnehmung als der Prüfer und die Eltern sehen es wieder anders. Das liegt in der Natur der Sache bzw. des Menschen.

Die mündlichen Prüfungen laufen gut. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Ergebnisse. Mit sechs Punkten ist wahrscheinlich keiner zufrieden, mit neun Punkten kommt es auf den Schüler an, ein sonst sehr guter Schüler ärgert sich sogar noch über zehn Punkte und mit vierzehn sollte eigentlich jeder glücklich sein. Fünfzehn Punkte sorgen für Ungläubigkeit und/oder totale Freudenhysterie. Alles im normalen Bereich. Es ist eine gute Prüfung.

Sie ist nicht gut, weil alle Schüler gut wären. Sie sind es nicht, die Gaußsche Normalverteilungskurve schlägt zu! Sie ist gut, weil wir Prüfer uns bei jedem Kandidaten einig sind. Grübele ich über neun oder zehn Punkte, grübelt der zweite Prüfer genauso und auch der Protokollant hängt genau zwischen dieses beiden Bewertungen fest. Dann diskutieren wir, schauen uns unsere Notizen noch einmal an, lassen die Prüfung Revue passieren und kommen einstimmig zu einem Ergebnis. Was für eine Prüfung! Drei Menschen sind sich einig, objektiver geht es kaum in den Geisteswissenschaften.

Die Kandidaten, die schlecht abschneiden, waren auch schlecht. Die Kandidaten, die gut abschneiden, haben sich das redlich verdient. Selten gehe ich so zufrieden aus so einem Tag, ich fühle mich von niemandem über den Tisch gezogen.

Die Schüler, die schlechter als von sich selbst erwartet abgeschnitten haben, schon. Noch bevor ich das Schulhaus verlasse, höre ich schon die ersten Gerüchte. „Das war ein besonders strenger Prüfer!“ „Das ist ja gar nicht gut gelaufen!“

Stimmt alles nicht. Aber das wird am Ende dieses Tages bleiben.

Schade, denn es war ein guter Tag zum Prüfen!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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3 Kommentare zu „Was am Ende bleibt“

  1. Naja, die Schüler exteriorisieren halt die schlechten Noten, um damit klarzukommen. Denn ein schlechtes Abschneiden leigt niemals am Schüler. ^^‘
    Ich find es toll, wenn da tatsächlich mal Einigkeit herrscht, was die Bewertung betrifft. Du hattest es ja schon angemerkt, dass es je nach Stadt, Gegend, aber teils auch je nach Schule und auch Lehrer sehr große Unterschiede in der Bewertung gibt.

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