Kabale und Triebe – eine Analyse

Liebe Leser,

seit Wochen beobachte ich unser auseinanderfallendes Kollegium. Eine schlechte Atmosphäre ist sicher ein Gemeinschaftsprodukt vieler, wenn nicht aller, aber inzwischen habe ich die maßgeblichen Täter doch herausfinden können – über ihre Motive kann ich nur Vermutungen anstellen. Es gibt vier Kollegen, die absichtlich oder indirekt dafür sorgen, dass unsere Schule leidet.

Dr. Franz ist da noch der harmloseste von allen. Er meckert einfach nur. Das tun Baumann und Schrat zwar auch, aber denen hört inzwischen kaum mehr einer zu. Bei Dr. Franz ist das anders. Der ist jung und gebildet und setzt sein eigenes Leid immer gekonnt in Szene. Jeden Tag. Durch ihn entsteht ungute Luft. Bedauerlicherweise ist er ein sehr guter Lehrer. Ich nehme an, wenn er vor Schüler tritt, klappt ein Schalter um und er gibt den intelligenten Comedian. Wenn er so mal im Lehrerzimmer wäre… aber nein, unter anderem durch Dr. Franz ist schlechte Stimmung bei uns.

Frau von Ostrach meint es eigentlich auch nicht böse. Wenn sie lauthals ihre Meinung herausposaunt, dann soll es eben jeder hören, weil es nun mal wahr ist. Und sie teilt immer ihre Meinung mit. Jeden Tag. Leider ist ihre Meinung oft borniert und von Halbwissen durchzogen. Stur ist sie außerdem. Argumente? Pah, da hört sie gar nicht zu. Entweder sie wird lauter oder rauscht ab. Eigentlich wäre sie am Theater besser aufgehoben als in einem deutschen Lehrerzimmer. Wer sie verehrt, den schließt sie in ihr Herz. Sie kann sehr großherzig sein! Wer sie oder ihre Äußerungen jedoch hinterfragt, wird im besten Falle ignoriert oder im schlechteren Falle niedergemacht (auch außerhalb des Lehrerzimmers) und das gerne konspirativ.

Zusammen mit Herrn Albert. Ihn habe ich inzwischen als den größten Feind unserer Schule ausgemacht. Herr Albert hängt sein Fähnlein in den Wind. Der Wind wechselt stündlich. Spricht er mit Kollegin O., sagt er zu Kollege W. genau das Gegenteil. Pflichtet er Kollege N. bei, behauptet er etwas völlig anderes in Gegenwart von Kollege S. Das macht er den ganzen Tag und es geht immer um unsere Schule und die einzelnen Fehler der Kollegen. O. macht er vor W. schlecht, N. vor S. und umgedreht. So wiegelt er sie gegeneinander auf. Es ist unglaublich, aber dieser Wahnsinn hat Methode. Herr Albert bietet sich dann immer als der Tröstende, der Verständnisvolle, der Weitblickende an – er mimt den besten Freund – und hat dabei das Messer schon hinterm Rücken. Auf diese Weise versucht er als der Weise, der Interessierte, der Retter in der Not dazustehen. Was sein intrigantes Handeln für die Gemeinschaft bedeutet, ist ihm entweder nicht bewusst oder egal – ich tippe auf letzteres. Er glaubt ohnehin, dass ohne ihn nichts laufe. Aber den Mumm, tatsächlich einmal Verantwortung zu übernehmen und sich zum Beispiel auf die Direktorenstelle zu bewerben, wenn sie mal frei wird, diesen Mumm hat er nicht. Es ist ja so viel leichter aus der Opposition heraus zu meckern. Denn nur, wer etwas tut, kann auch etwas falsch machen. Und das würde Herrn Albert nie einfallen, er weiß ja immer alles am besten.

Vielleicht will Herr Albert aber auch nur Frau Serpentas beeindrucken. Frau Serpentas kann nicht gut mit Kindern, hasst unsere Schule, ist aber noch zu haben. Regelmäßig kotzt sie sich im Lehrerzimmer aus, wie schlimm alles bei uns ist. Gerne redet sie da auch über nicht anwesende Kollegen. Dann kommt Herr Albert und nimmt sie verbal in seine Arme. Er kann sie ja so gut verstehen, natürlich habe sie Recht, Kollegin Hanswurst sei auch die unfähigste Lehrerin seit Urzeiten und ihre Arroganz führt unsere Schule bestimmt schon nächsten Dienstag in den Abgrund. Ja und er sehe das auch so, nur Menschen wie sie, die tolle Frau Serpentas, könne die Schule noch retten, aber die Menschen hier seien so blind, das erkenne keiner, dass Frau Serpentas die Zukunft ist. Und Frau Serpentas spuckt weiter ihr Gift. Sie hat sich schon selbst damit vergiftet. Ihr Glück ist das Unglück der anderen.

Das sind harte Worte. Aber ich erlebe auch gerade harte Zeiten. Selten habe ich soviel grundlose Bosheit beobachtet. Vier Menschen und noch zwei, drei Meckerer dazu und wir alle fallen ins Bodenlose. Es gibt genügend Kollegen, die sich von dem einen oder anderen anstecken lassen. Ein Glück, dass keine scharfen Messer herumliegen.

Ich kann Herrn Henner damit nicht mehr belasten, er kann das nicht mehr hören. Ich kann Frau Hanswurst, mit der ich befreundet bin, nichts mehr erzählen, weil es sie zu sehr treffen würde. Frau Weinstett lässt sich manchmal von Frau von Ostrach beeindrucken, Herr Pistorius von Dr. Franz, Wolf hat mit seinen eigenen Problemes so zu kämpfen, dass ihn wiederum niemand belasten will. So haben Albert und Serpentas freie Bahn. Und sie rächen sich gemeinsam, dass niemand ihre Einzigartigkeit und ihre Fähigkeiten wertschätzt. Nach dem Motto: Wenn aus mir nichts wird, dann geht ihr wenigstens alle mit unter.

 

Jetzt wird es Zeit, in den Garten und die Sonne zu gehen, ein gutes Buch zu lesen und in die Zukunft zu schauen.

Danke, dass ich mich bei euch ausheulen durfte. Ist alles in Worte gebracht, erscheinen die Dinge klarer und weniger gefährlich.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

 

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16 Kommentare zu „Kabale und Triebe – eine Analyse“

  1. Wir schenken sehr gern ein Öhrchen. Es ist in vielen Kollegien leider Alltag, so wie du das auseinanderfallende Kollegium an deiner Schule beschreibst. Traurig aber wahr. Man kann halt einfach nichts für die Charaktere, die da aufeinander treffen und einen umgeben. Das private Umfeld ist natürlich eine Anlaufstelle zum Ausheulen, aber wie du schon schreibst, irgendwann wiederholen sich die Erzählungen zum tausendsten Mal, sie ähneln sich. Ist der Partner nicht ebenso aus dem schulischen Bereich, fehlt teilweise das Verständnis oder irgendwann einfach der Nerv. Was macht eigentlich dein Versetzungsantrag. Irgendwo haben wir mal davon gelesen in einem deiner Beiträge? Wichtig ist, dass man selbst Herr der Sinne bleibt und den richtigen zu Hause ticken lässt, wie z.B. dein Abschalten im Garten. Zu Hause sollte man es schaffen, runter zu kommen. Gaaaaaaaaanz wichtig, ansonsten macht die Schule dich noch verrückt.😉 Haben wir ja gerade drüber berichtet. LG Ela

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  2. Und als Schüler dachte ich immer das Lehrerzimmer wären „heilige Hallen“, aber auch die Götter hatten es wohl faustdick hinter den Ohren und haben kabalisiert, dass die Phantasien der Dichter daneben erblassten 😉

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    1. Das ist der Grund, warum ich auch momentan recht viel aushalte. Was mich vor einem Dreivierteljahr noch geschockt hätte, kann ich jetzt mit emotionalem Abstand beobachten. Aber ja, ich fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt.

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  3. Komm zu uns nach München 🙂 Aber mal Spaß beiseite. Es ist sehr schade, wenn sich ein Kollegium so zerfleischt – vor allem wenn das so komische Gestalten wie dein Kollegium hat. Bei so Menschen wie Herrn A. denke ich mir immer, was der sonst für ein armes Leben haben muss, um sich auf so eine Weise Gehör zu verschaffen. Ich merke aber schon, wie du beginnst, olympisch darüber zu stehen. In Wirklichkeit hast du dich schon längst innerlich verabschiedet, stimmt’s?

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    1. Ja, und das hilft ungemein. Bei uns sind inzwischen einige Kollegen in die innere Emigration gegangen. Vielleicht schöpfen wir daraus auch wieder neue Kraft – irgendwann ist doch mal der absolute Tiefpunkt erreicht, nehme ich an.

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    1. Einen Chef gibts – klar, aber was will der für ein Machtwort sprechen. Er merkt, was vor sich geht, und sicher geschieht auch ganz viel hinter den Kulissen, aber in einer Schule sind dem Direktor auch in gewisser Weise die Hände gebunden. Was will er mehr tun, als mit den Kollegen mal ein ernstes Wort reden? Und zudem kabalisieren sie ja immer hintenrum.

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  4. Ohje… das klingt echt schrecklich. Ich drück dir die Daumen, dass du da möglichst schnell raus bist und an eine vernünftige Schule kommst!

    Es zeigt aber, wie bescheuert manche Lehrer sind, und wie wenig sich solche Gestalten von denen unterscheiden, die täglich vor ihnen sitzen.

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