Ein Wunder ist geschehen!

Liebe Leser,

noch kann ich es gar nicht fassen und sitze etwas betäubt, aber zufrieden geschafft am Schreibtisch. Die letzte Gesamtlehrerkonferenz des Jahres liegt nun hinter mir. Viele haben das Schlimmste erwartet. Dr. Franz stand schon morgens schimpfend im Lehrerzimmer und sein erzürntes: „Da müssen wir heute unbedingt drüber reden! Da geht so nicht hier!“ war nicht zu überhören. Lauthals und im Ton respektlos diskutierte Kollege Dröger mit unserem Direktor, der wiederum nicht mit sich diskutieren ließ. „Es tut mir leid, aber das ist nun mal eine Vorschrift, die Sie schützen soll. Was Sie da vorhaben, ist rechtlich nicht erlaubt und damit genehmige ich das nicht“, sagte der Chef bestimmt und sehr sachlich, drehte sich um und verließ das Lehrerzimmer. Dröger stand da, die Wut kochte in ihm und schwappte in kleinen Worthappen immer wieder aus ihm heraus. Herr Schrat flüsterte mir zu: „Du Lilo, wir müssen unbedingt mal über innere Emigration reden.“

Mit eingezogenen Köpfen begaben wir uns in Konferenzzimmer. Manche hatten die Notenlisten vor sich drapiert, um im Notfall hinter Zettelage verschwinden zu können. Frau Serpentas, Frau von Ostrach und Herr Albert brachten sich gemeinsam in Stellung. Ich selbst setze mich gerne bewusst nicht in diese Ecke und auch nicht zu Dr. Franz und auch nicht zum strebsamen Fräulein Häuptchen, die in den letzten Wochen aber ebenfalls auffällig ruhig geworden ist. Sie sprach allerdings nicht von innerer Emigration, sondern von Resignation. Ah, da ist noch ein Platz neben Pistorius, gerne, der hat wenigstens Humor!

Und dann geschieht das Wunder. Wir konferieren das aller erste Mal, ohne uns zu streiten. Kaum einer kann es fassen. Zwar schüttelt Dr. Franz die ganze Zeit missbilligend den Kopf. Herr Dröger ist sowieso stinkig. Und die anderen drei Aufwiegler schimpfen ab und zu vor sich hin, aber keiner bricht aus, keiner hält lange Monologe, keiner sagt beleidigende Dinge. Wir kommen am Ende ohne Gemetzel aus der Konferenz. Und dabei haben wir sogar einige wichtige Dinge beschlossen… Wer hätte das gedacht?

Lag es am schönen Wetter?

An der EM?

Lag es am festen Wunsch der Mehrheit nach Frieden… und nach Feierabend?

Oder war unser Kollegium einfach am absoluten Tiefpunkt angekommen und nun nur noch eine Umkehr möglich?

Ich weiß es nicht, aber es freut mich. Das ändert nichts an meiner Entscheidung, aber ich gehöre ja nicht zu denen, die wollen, dass diese Schule den Bach runtergeht. Es würde mich freuen, wenn an unserer Schule wieder andere Umgangsformen üblich werden.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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