Der Stinker

Liebe Leser,

lange habe ich das ertragen, heute muss es raus, der Stinker ist kaum auszuhalten!

Jedes Kollegium kennt ihn, jeder hat als Schüler wohl mindestens einmal unter ihm gelitten. Ich selbst hatte in der Mittelstufe einen Klassenlehrer, der penetrant nach Zigarettenqualm stank. Schlimmer war jedoch die Mathelehrerin in der Oberstufe, die entweder mit dem Waschen oder dem Deodorieren auf Kriegsfuß stand – oder ein gesundheitliches Problem hatte. Denn es ist nun mal nicht völlig normal, sosehr nach Schweiß zu riechen, dass die Umwelt einen Bogen um einen macht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir in der Oberstufe selten die Lehrerin zum Erklären an den Platz gebeten haben, es war einfach unerträglich. Wenn sie vorne an der Tafel vorrechnete, war das in Ordnung, denn meine Freundinnen und ich, wir saßen letzte Reihe.

Im Lehrerzimmer kann ich dem Stinker leider nicht so gut aus dem Weg gehen. Wieder ist es ein Mathelehrer. Schlüsse ziehe ich nicht daraus. Er ist nett und etwas überkorrekt, deshalb möchte er keine Fehler machen. Gerne fragt er dann bei Frau Henner nach, wie man dieses oder jenes Formular auszufüllen hat, ob man dieses oder jenes beantragen muss, wer für dieses oder jenes zuständig ist. Dann kommt der Stinker gerne an Frau Henners Platz. Manchmal setzt er sich auch einfach hin und will nur quatschen.

Momentan ist es besonders schlimm, obwohl wir wegen des schönen Wetters alle Fenster im Lehrerzimmer aufreißen. Keiner traut sich, mit dem Stinker über sein Problem zu reden. Die Schüler überlegen, ob sie ihm als Wink mit dem Zaunspfahl ein Deo zum Schuljahresende schenken sollen – den gleichen Gedanken hatten wir in der Oberstufe auch. Wir hätten es als respektlos angesehen, unsere Mathelehrerin auf unser Leiden anzusprechen. Wir, dachten, dass muss sie doch selbst merken! Das denken wir im Kollegium auch. Das muss der Stinker doch merken! Aber er tut nichts dergleichen.

„Schau mal Lilo, ich bin mir nicht ganz sicher, aber dieser Schüler hier ist doch versetzungsgefährdet, oder?“

Ein kurzer Blick auf die Noten. „Der hat leider keine Chance“, sage ich.

Der Stinker geht. Sein Gestank bleibt.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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4 Kommentare zu “Der Stinker”

  1. Wie Recht Sie haben – und selbstverständlich setzen sich solche Heinis bei 30 °C und defekter Klimaanlage in die Bahn auf den Nebensitz. Ein früherer Chef von mir hat für eine solche Type mal den Ausdruck „genehmigungspflichtige Anlage“ gebraucht.

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    1. Das sehe ich auch so. Vielleicht ist es ihm gar nicht bewusst, vielleicht hat er ein stark eingeschränktes Riechvermögen und bekommt es dadurch nicht mit? Und selbst wenn er es weiß, ein kleiner Hinweis, dass es für alle anderen unangenehm ist, wäre nicht verkehrt.

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  2. Oh jeh, hoffentlich trifft es nicht mich, nach dem Motto: Du Frau Henner, du verstehst dich doch mit dem Stinker ganz gut, kannste nicht mal… Vielleicht verweise ich dann auf den Personalrat, der macht bei uns sowieso recht wenig, das wäre doch mal eine gute Tat.

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