SW 6: Frau Henner geht baden

Liebe Leser,

die Krise hat sich ganz fies von hinten angeschlichen, Frau Henner hat nichts geahnt und plötzlich steht sie da und es geht ans Eingemachte. Die Glaubenskriege haben wieder angefangen. Aber ganz anders, als Frau Henner dachte.

Wir glauben, in einer freien, demokratischen Welt zu leben – zumindest was unseren Staat anbelangt – und dann merken wir, dass Ideologien zum großen, völlig unterschätzten Gegner geworden sind. Frau Henner sieht sich mit einem Mal einer solchen Ideologie gegenüber und das Schlimmste daran ist, diese Ideologie ist Mainstream geworden, so scheint es, will man all den wundervollen Presseberichten glauben. Schon wieder GLAUBEN! Frau Henner will nichts mehr glauben, Frau Henner will wissen. Ich will nicht geblendet werden, ich will selbst erfahren.

Oh je – bin ich kryptisch, ich weiß. Aber ich kann nicht schreiben, was gerade hier in meiner kleinen Provinz passiert, weil es zu eindeutig ist. Und da stößt der Blog mal wieder an seine Grenzen. Wie gerne würde ich ihn als Plattform gebrauchen, Denkschriften hineinsetzen, kämpfen für etwas, an das ich tatsächlich glaube. Gerne zu Diskussionen aufrufen, mein Weltbild gerade rücken oder gerade rücken lassen, aber ich kann nicht. Und überhaupt, mit meinem Blog verändere ich mich, ja, aber nicht die Welt um mich herum. Die Wirksamkeit eines popeligen Lehrerblogs kann nicht gering genug eingeschätzt werden. Welt verändern? Pah!

Das geht nicht im Netz und anonym schon gar nicht. Also muss Frau Henner in die Politik gehen. Du Schreck, ich bin ja noch nicht einmal im Elternbeirat!

Frau Henner meint das ganz ernst. Da steht sie nun vor einer existenziellen Krise, die keine persönliche ist, sondern eine gesellschaftliche, und fragt sich, was kann ich tun? Kann ich mit dem Direktor diskutieren? Kann ich das Schulamt um Hilfe bitten? Soll ich einen Brief an den Ministerpräsidenten schreiben? Was zum Kuckuck kann ich tun, wenn ich weiß, dass der Direktor vom Schulamt hofiert wird und genau das macht, was der Ministerpräsident mit seiner Partei will?

Frau Henner mag nicht meckern, das ist kontraproduktiv.

Frau Henner mag nicht jammern, das schädigt nur das Selbst.

Frau Henner will aber diesmal nicht tatenlos zusehen und sich zurückziehen und das kleine, private Glück suchen, diesmal ist die Grenze übertreten.

Manchmal kommen der Frau Henner aber auch Zweifel, weil die Presseberichte alle so schön sind, so Hochglanz, so perfekt. Ab jetzt wird alles gut, warum erkennt das die sture, konservative Frau Henner nicht? Frau Henner gehört abgewrackt, eindeutig. Ab zum alten Eisen! Mit solchen wie Frau Henner macht man kein neues Deutschland mehr. Frau Henner ist so eine ganz Schlimme, die macht tatsächlich manchmal noch Frontalunterricht, die erdreistet sich, den Kindern etwas zu erklären, was sie besser weiß, was für eine arrogante Haltung! Stellt die sich einfach über die Kinder und nennt sich auch noch Lehrer, wo jedes Kind doch weiß, dass es nur noch einen Lernbegleiter braucht. Frau Henner setzt Kindern Grenzen, gibt Strukturen vor, mein Gott, hat die denn immer noch nicht kapiert, dass Kinder sich selbst Grenzen setzen und ihre eigenen Strukturen erfinden müssen? Sonst werden das doch gar keine Individuen. Jedem Prinzen seine eigene Individualität, so will es doch auch die Gesellschaft. Mach einen Schritt nach vorne, bleib nicht stehen, spring über deinen Schatten und komm mit in unsere schöne, neue Welt, in der alles besser ist als früher. Du hast es nur noch nicht erkannt.

Frau Henner erkennt die schöne, neue Welt nicht. Sie war schon immer skeptisch gegenüber Heilsversprechen. Schon als Kind übrigens. Frau Henner wird mulmig, wenn alle Schafe blökend in eine Richtung laufen. Dann bleibt sie erst einmal stehen und beobachte die Situation. Sollen die nur alle glauben, das Gras sei auf der anderen Seite des Zauns saftiger, dann zertrampeln sie dort drüben alles, bleibt auf meiner Seite mehr. Wenn es nur Gras wäre! Es geht um mehr, es geht für mich um fast alles, wofür ich stehe. Und da geht es nicht um meins und deins. Es geht uns alle an.

Frau Henner beschließt,  in den Untergrund zu gehen. Das Internet ermöglicht Spionage, konspirative Treffen tarnen wir als Walkinggruppe. Fehlt nur noch, dass wir uns Codenamen geben. Denn ganz allein ist Frau Henner nicht. Zum Glück.

Ich lache, ich bin so unbedeutend, ich brauche mir nichts einzubilden. Ich sollte mir noch eine Nische suchen und einen Plan B bereithalten. Und weil mich die Welt gerade mal kann, gehe ich jetzt baden!

 

Gute Nacht und viele Grüße aus der Provinz von Frau Henner

 

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19 Kommentare zu “SW 6: Frau Henner geht baden”

    1. Das mit der Walkinggruppe ist auch gut, draußen an der frischen Luft sieht man vieles viel klarer und der Frust wird durch die Bewegung in positive Energie umgewandelt. Und wir sind gut getarnt, alles pseudosportliche Hausfrauen. Die sehen völlig harmlos aus 😉 , aber wartet mal ab!

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  1. Stell Dein Licht mal nicht so unter den Scheffel. In Deinem Bekanntenkreis ist Dein Einfluss vermutlich größer als der von Klaus Kleber oder sonstigen Verkündern der Regierungswahrheiten. Zumindest kannst Du die Leute zum Nachdenken bringen.

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      1. Aufpassen, die Politik will das nicht. Jetzt soll bspw. ein Shitstorm als bandenmäßige Straftat verfolgt werden. Es wird immer absurder.
        https://www.heise.de/newsticker/meldung/Politiker-hassen-Hate-Speech-3351111.html?wt_mc=rss.ho.beitrag.atom
        Herr Maas und Frau Schwesig finanzieren ehemalige Stasi-Spitzel für die Verfolgung von „Hatespeech“. Finde ich richtig gut, ein Justizminister, der an der Justiz vorbei agiert.

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      1. Ja. Ich will mal nicht zu genau schreiben, sonst war Ihre Mühe es verklausuliert zu umschreiben umsonst. Also im Nachbarort war man Vorreiter dieses Projektes und startete als einer der Ersten. Es gab aber nicht genügend Schüler, also suchte man woran das liegen könnte und befand, einige Lehrer in Leitungsfunktion hätten sich gegenüber Eltern nicht genügend enthusiastisch gezeigt und die Eltern nicht modern beraten. Diese Menschen haben nun keine Leitungsfunktion mehr. Anderer naher Ort kam es auch nicht so ins Laufen und die Leitung ist jetzt erst mal dauerhaft krank geschrieben und die Schule wird von Jemand extern geleitet.
        An meinem früheren Wohnort geschah etwas ganz ungewöhnliches: das Projekt wird wieder beendet. Weil man sich die Vorgaben zu baulichen Gestaltung durchrechnete von Seiten der Stadt. Bereits in das Projekt involvierte Schüler werden nun umverteilt in die Nachbargemeinden.

        Das erscheint mir (falls der Stadtrat die passende Färbung hat) noch der erfolgversprechende Weg: den Stadträten Informationen zukommen lassen, was sie der Spaß kosten kann. Nähere Infos, falls Sie googeln wollen – denken Sie an März 2009 …….welcher Ort was in den Schlagzeilen (daran erinnern sich Lehrer sicher) …..dann googeln Sie Name des Projekts und dann den Ortsnamen.

        Liebe Grüße
        Coreli

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  2. Danke euch für die aufmunternden Worte! Nach einem heißen Lavendelbad bin ich auch zu Höchstform aufgelaufen und habe mir DAS neue, pädagogische Konzept vorgenommen und Satz für Satz durchdacht und zerplückt. Das kann Frau henner nämlich gut, Dinge durchdenken, Behauptungen nach Belegen absuchen, Widersprüche aufdecken. Jetzt muss ich meine Erkenntnisse aber erst noch verschriftlichen, dann könnt ihr damit machen, was ihr wollt.
    Die Supervisiongruppe, die können die anderen gründen, denn diesmal läuft bei uns an der Schule gar nichts falsch, diesmal kommt die Ideologie von außen.

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  3. Dann wünsche ich viel Vergnügen bei dem Feldzug!

    Und stelle Dir vor:
    Als jemand ziemlich schlecht hört, bin ich immer in der Regelschule gewesen.
    Zu meiner Schulzeit fand der Unterricht überwiegend als Frontalunterricht statt, worüber ich im Nachhinein sehr froh sein kann. Mit vielen der heutigen Unterrichtsmethoden wäre ich überfordert gewesen. Nö, der Lehrer soll mal schön vorne stehen, da kann ich Lippenlesen.
    Was ist denn schlecht an frontal? Vorn steht einer, der weiß wie es geht, und erklärt mir das.
    Das Problem bei vielen Dingen ist doch, das die Kinder erst mal lernen müssen, wie man lernt und sich Informationen beschafft usw. .
    Erst dann ist es doch möglich mit der Vielfalt der Methoden vorwärts zu kommen.
    Gab ja auch mal eine Tradition, die sich auswendiglernen nannte….verlangst Du von Deinen Schülern womöglich auch?

    Nur mal so: Nach jetzigen Maßstäben war ich Zeit meines Schülerlebens ein Inklusionsschüler ohne Nachteilsausgleich. Nur ohne Bohei und Bestimmungen undsoweiter.
    Das ging. Ich hatte Nachteile, da musste ich durch. Gerecht wars vielleicht nicht, Frust gabs auf jeden Fall. Ich hab mich halt durchgekämpft. Nur deshalb bin ich jetzt, was ich bin und wo ich bin.

    Nein, mit diesen Verordneten Neuerfindungen habe ich ein Problem.

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    1. Du hast gute und schlechte Erfahrungen gemacht und das halte ich für normal, weil unsere Welt so ist, weil Menschen eben nicht nur gut sind, weil manches im Leben schwierig ist. Du hast dich durchgekämpft – alle Achtung! Nun sollten wir uns nicht zurücklehnen – was du und ich auch gar nicht wollen, da verstehen wir uns, denke ich, sehr gut – natürlich muss man seine Methoden immer wieder auf den Prüfstand stellen, sich selbst hinterfragen. Manches fliegt dabei raus, ich kenne keinen Lehrer – außer in der Oberstufe – der 45 vorne steht und doziert. Aber an der richtigen Stelle einfach einmal etwas zu erklären, das ist gerade bei uns am Gymnasium, wo es nicht reicht, Grammatik mal eben zu entdecken (das erkläre ich demnächst mal in einem Extra-Post), und wo man auch einfach mal etwas auswendig lernen muss, da unser Gedächtnis auch trainiert werden muss, halte ich für notwendig.
      Ich stimme dir völlig zu: Kinder müssen erst einmal das Lernen lernen und dabei sollten sie viele Methoden kennenlernen und nicht nur freies Selbstlernen. Und sie müssen Grundlagen beherrschen, sonst haben sie keine Basis, auf der sie freier denkend aufbauen können.
      Nun stehe ich mit dieser Einstellung zwar nicht allein da, aber ziemlich plötzlich auf der Feindesseite – auf die ich gar nicht wollte. Auf einmal wird aus mir ein rückwärtsdenkender, skeptischer, engstirniger Mensch, der das Gute im Menschen nicht erkennen will.
      Ich wollte gar keine Grabenkämpfe, ich wollte doch nur im Rahmen meiner Möglichkeiten ein guter Lehrer sein. Ich ziehe also in einen Kampf, den ich gar nicht angefangen habe. Da tut es gut, ganz verschiedene Meinungen zu hören, wenn sie so unterlegt sind wie deine, und eben nicht nur hohle Phrasen um die Ohren geschlagen zu bekommen. Danke.

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  4. Die Politik konzentriert sich eben auf die wichtigen Dinge, in BaWü gibt es aus Geldmangel doch keinen Informatikunterricht, für die Reformation des Sexualkundeunterrichts reicht es aber. Dieser soll vor allem sexuelle Vielfalt lehren

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    1. Ja, Vielfalt ist per se ein zubewahrendes Gut geworden. Das ich nicht lache, vieles Fremde kann eine Bereicherung sein, aber nicht alles Fremde ist gut für unsere Gesellschaft. Dazu mehr in meinem heutigen Post…

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