SW 8: Trump und andere Absurditäten

Liebe Leser,

nein, ich werde jetzt nicht auch noch diese Wahl in den USA kommentieren, das machen schon so viele Menschen. Jeder hat etwas Schlaues zu sagen oder stellt zumindest fest, dass er die Amerikaner nicht mehr versteht. Als ob wir sie vor Donald Trump verstanden hätten…

So westlich Amerika von uns aus gesehen liegt, so wenig Ahnung haben wir doch von diesem großen Land. Als ich ein Teenager war, waren die USA das Traumziel und Beverly Hills die Serie, die man gesehen habe musste, wollte man auf dem Schulhof nur ein wenig mitreden. Das andere Amerika, das schmutzige, das arme, das verzweifelte, ist seit dem viel mehr in den Fokus gerückt und wir haben unsere Ressentiments genährt. Damit haben wir uns auch moralisch aufgewertet gegenüber diesem übermächtigen Land.

Und jetzt stehen wir fassungslos da und verstehen nichts.

Aber wir reden darüber. Das ist einer der positiven Aspekte dieser Wahl. Heute Morgen hat JEDER in meinem Umfeld, der über zehn Jahre alt ist, von dieser Präsidentschaftswahl gesprochen. Die Siebener machen sich in der Umkleidekabine zu Sport heiß, dass nun der dritte Weltkrieg ausbricht. Eine Zehnerin bricht gespielt im Flur zusammen, als sie von den fortgeschrittenen Wahlergebnissen erfährt. Und im Lehrerzimmer ist man sich im Entsetzen einig – heute sind wir uns alle einig. Ist das nicht schön!

Aber wir wollen mal keine Panik machen. „So schnell geht das nun nicht mehr dem dritten Weltkrieg“, sage ich zu Lucy und rücke auch den Mauerbau in ein realpolitisches Licht. Immerhin wissen die Kinder, welche Ziele Trump in seiner Wahl propagiert hat. Lucy sowieso, sie verfolgt seit Wochen den amerikanischen Wahlkampf. Sie hat sogar einen Song für Hillary geschrieben. Gebracht hat er leider nichts.

Nebenbei muss ich aber ganz realschulisch meinen Unterricht machen und scheitere an weiteren Absurditäten. Mit dem neuen Bildungsplan muss ich nun auch Medienbildung unterrichten und finde das nicht so lästig wie manch anderer Kollege, aber ich gehöre auch zu denen, die da Ideen haben und sich nicht ganz vergraben. Der Bildungsplan lässt uns dahingehend einen großen Spielraum und ich suche mir die Bereiche, die ich für wirklich sinnvoll halte. Nun möchte ich ein Medienprodukt herstellen und auf unserer Schulwebsite präsentieren. Die Schüler lernen dabei garantiert etwas und sind motiviert und am Ende sicher stolz auf das Produkt.

Genau da beißt sich aber der Hund in den Schwanz. Da es zeitgleich auch neue Datenschutzbestimmungen gibt, darf ich mit vielen Kindern zwar ein Medienprodukt erarbeiten, es aber nicht auf unserer Homepage veröffentlichen, denn viele Eltern haben dies untersagt. Das dürfen sie, das ist ihr gutes Recht. Erschwert mir jedoch den Arbeitsalltag. Absurd wird es dann, wenn ich zwar kein Foto des Kindes während einer Schulaktion auf die Schulhomepage stellen darf, aber die Eltern sich in ihrer ehrenwerten Whatsappgruppe ständig Fotos der Kinder hin- und herschicken.

Sich dann aber über die Donald-Trump-Wähler aufregen, dass die nicht nachdenken würden.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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10 Kommentare zu “SW 8: Trump und andere Absurditäten”

  1. Kommentar aus meinem Lehrerzimmer zur Wahl: „Die Amis mussten jetzt schon 8 Jahre lang nen Schwarzen ertragen, da wollten sie jetzt nicht auch noch ne Frau.“ – Von Lehrern dieses Schlages werden Schüler in Sachsen unterrichtet. Da muss man sich über nichts mehr wundern.

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        1. Dabei ist es eine schöne Gegend! Ich habe ja einen Teil des Studiums dort verbracht und viele positive Erfahrungen gemacht – so etwas zum Glück nicht. Wie haben da eigentlich die anderen Kollegen reagiert?

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  2. Ja Frau Henner, meine Fünfer haben heute 90 Minuten lang spielerisch in Medienkunde das Dateisystem entdeckt, einen Text im Internet gesucht und ihr Endprodukt geplant. Und natürlich hört sich das schön an. Aber die Realität? 31 Kinder, 14 funktionierende PCs. Zwei Schüler, die es in 90 Minuten nicht schaffen sich am PC anzumelden, weil sie ihren Benutzer vergessen haben (den wir aufgeschrieben haben) und auch nachdem ihnen 5 andere Kinder erklären wie ihr Benutzer heisst es nicht schaffen ihn fehlerfrei einzugeben. Inzwischen war also der Account dann auch deaktiviert, weil das Passwort ja das wissen sie noch ganz genau…….ja gleich aber vielleicht haben sie sich auch vertippt. Der Rechner verliert den Kontakt zum Netzwerk und auch ich kann mich nicht mehr anmelden, in der Zwischenzeit bringt der Störenfried 3 PCs zum Abstürzen und einer davon bootet dann nicht mehr, weil er was in den Booteinstellungen verändert hat (aber damit kennt sich der durchschnittliche Deutschkollege sicher gut aus). Währendessen finden 7 TEams das LibreOffice nicht mehr oder können keinen Text per Copy und Paste kopieren. Andere brauchen Hilfe beim Abspspeichern und bitte gleich auch auf den USB Stiick von Lara, die aber gerade woanders durch den Raum rennt und wo ist der USB Stick? Ja den müssen wir erst mal im Schulranzen suchen.. Währendessen soll der Rechner ohne Netzwerk wieder frisch hochfahren, aber bis ich dorthin zurück komme hat Linus nur mal schnell was geguckt und der Rechner findet den Schulbaum der PaedML wieder nicht mehr und lässt sich dazu durch meine kleinen Tricks aus 8 Jahren ITG und Informatik nicht dazu überreden. Also nochmal neu starten und Linus unpädagogisch anfauchen, dass er den Rechner nicht mehr anfassen soll worauf Hannes frech meint „Und wenn doch?“

    Danach bleibe ich noch 10 Minuten meiner PAuse im leeren Raum sitzen und lüfte für den Kollegen der danach kommt und genieße die Stille (abzüglich der pfeifenden Ohren). Dann erfahre ich, dass der nächste Medienkollege krank ist (und er sollte doch noch Equipement für das Medienprojekt besorgen..). Und denke voller Sorge ob der junge Kollege (sehr sehr technikaffin und nett) das noch lange durchhält. Er war ja schon mal wegen Depressionen länger weg. Ich glaube es ist nicht das erste Mal, dass er an seinem MedienkundeTag fehlt. Also wenn Jemand motiviert ist, tolle schöne bunte Ideen hat, gerne mit Kindern arbeitet, viel Erfahrung im Bereich Medienkunde mitbringt dann dieser tolle Kollege, Nebenher hat er noch kleine Erklärfilmchen gedreht für alles mögliche was beim Umang mit PCs wichtig ist. Wirklich klasse. Der kennt für alles irgendeine kleine Software mit der das möglich ist. Er schraubt PCs auseinander, macht seinen meisten Unterricht sowieso mit Tablett und Smartboard. Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher ob die obige Beschreibung auf ihn passt: „Mit dem neuen Bildungsplan muss ich nun auch Medienbildung unterrichten und finde das nicht so lästig wie manch anderer Kollege, aber ich gehöre auch zu denen, die da Ideen haben und sich nicht ganz vergraben. “ Also ich meine das mit dem lästig finden. Er ist aber halt am Ende des Tages auch nur ein Mensch und hat Grenzen. Wohl dem dessen Grenzen noch weiter weg sind liebe Frau Henner!

    Aber gut, wem das Spaß macht mal schnell an 14 PCs gleichzeitig zu helfen ohne klonen…… Ich mache das nicht für den Spaß sondern weil es mein Job ist und ich mir vorher in Erinnerung rufe, wie es unter Krebskranken war und das nichts so schlimm sein kann wie mitzuerleben wie Menschen mit endgültigen Diagnosen versuchen noch die letzten verbliebenen Tage zu leben. Ich gehe da rein und bin froh, wenn nach 90 Minuten alle körperlich und geistig unbeschadet den Raum verlassen möglichst niemand heult und spiele Fels in der Brandung. Gerne bin ich auch mal lustig, wenn ich mit 110kg Lebengewicht unter Tische rolle um Verkabelungen zu prüfen (anders kommt man da nicht hin und unsere Schüler machen sich gerne mal Scherze indem sie Stecker rausziehen).

    Aber Selbstbewusstsein ist immer gut. Lassen Sie sich das nicht ausreden.
    LG
    Coreli

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    1. Liebe Coreli, habe herzhaft gelacht, vielen Dank! Auch wenn es tatsächlich nicht lustig ist. Bei uns: Auch zuwenig Rechner und irgendwas funktioniert immer nicht. In meiner Klasse kennt KEIN Schüler mehr sein Passwort. Anmelden dauert manchmal die ganze Stunde. Abspeichern ist eher eine Zufallssache usw. DAS ist definitiv lästig! Ganz Ihrer Meinung.

      Mit „nicht lästig“ meine ich in unserem Kollegium noch den Schritt davor – soweit wie Sie sind wir nämlich noch gar nicht. Ein nicht unbeträchtlicher Teil unseres Kollegiums bekommt schon Meckerhusten, wenn es nur um das Thema Medienbildung geht. Man wisse gar nicht, was das solle, was man da machen müsse, wieso man das jetzt auch noch machen solle… Davon bin ich weit entfernt. Ich sehe sowohl die Notwendigkeit als auch die schönen Projekte.

      Das Umsetzen, das ist wieder etwas ganz anderes und JA, das stellen sich die Eltern, die Leute im Ministerium, die ganzen schlauen Experten im Fernsehen viel zu leicht vor. Mit 30 Unterstufenschülern in einem durchschnittlichen Computerraum einer durchschnittlichen Schule in Deutschland braucht man harte Nerven. Genau so, wie Sie es oben so schön beschrieben haben. Das ist die Realität.

      lg Lilo

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  3. Bei uns wurde auch viel diskutiert. Selbst die Sechsklässler hatten etwas zu sagen – in der Regel natürlich vorrangig, was zuhause seit Monaten vorgekaut und besprochen wurde. Aber die Unruhe der Kinder war bis in die hohen Klassen spürbar.
    Ebenso spüre ich auch die Grenzen der Medienerziehung wie du. Ich hatte vor Jahren schon mal die Idee, ein Seminar in Blogform aufzuziehen, wo die Teilnehmer wöchentlich Beiträge verfassen mussten, die sich Schüler wie auch Außenstehen gegenseitig kommentiert haben. Die Vorstellung, dass man mit seinen Gedanken zum öffentlichen Austausch steht, wäre für die Schüler sicherlich anregend gewesen und hätte sie bestimmt zur einen oder anderen Höchstleistung angespornt (wer will schon was Halbschariges veröffentlichen). Wurde mir leider verboten 😦 Also zurück zu einem Kreide-Seminar.

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