SW 8: Frech wie Oskar

Liebe Leser,

die Siebener fangen ja schon ganz schön an zu müffeln. Pubertät nennt der eine das, erwachsen werden der andere. Neben Totalverblödung (neulich stellte Lucy mal ein Glas in den Kühlschrank und stand dann lässig mit der Milchpackung in der Küche herum. „Was wollte ich noch mal?“) führt sie allerdings auch zu neuen Fähigkeiten. Die Siebener können sich jetzt tatsächlich in die Erwachsenen hineindenken – naja zum Teil zumindest.

Gestern in der Schule: „Wie kann man sein Kind nur Moon nennen? Oder Talita! Das müssen ja dann Zicken werden. Da sitzten jetzt Fünfer mit im Chor, die heißen tatsächlich so und Sky und Maxima. Und die sagt auch noch Maxima, wie die Prinzessin!“ „Ja, die sind so was von eingebildet, das gibt es gar nicht.“ „Das hätten wir uns nicht getraut, was die zur Frau Christmann sagen.“ „So total snobbish.“ Eine Siebenerin äfft die Prinzessinnen nach: „Aber an unserer Grundschule, da haben WIR das ganz anders gemacht!

Auch die Oberstufe beklagt sich bitter über die neuen Fünfer. „Kein Respekt, frech wie Oskar und dann heißen die auch noch so!“

Frau Henner grinst. „Sie sind doch die Großen. Stellen Sie sich doch mal neben so einen Fünfer und gucken von oben drauf und dann sagen Sie dem ganz bestimmt, was hier Sache ist. Verschaffen Sie sich den Respekt, den Sie haben wollen. Aber niemanden verhauen, ja?!“ Die Oberstufenschüler nicken. Müsste man mal machen.

Dann schlappen sie weiter durchs Schulhaus. Vorbei an zwei Jungs aus der Fünften, die sich johlend ihre Ranzen um die Ohren hauen. Die Oberstufenschüler gucken lieber weg. Schade, jetzt muss wieder Frau Henner das klären. Wäre doch zu schön gewesen, wenn der große Marcel sich die zwei geschnappt hätte und von seinen zwei Metern mal auf die beiden heruntergedroht hätte. Aber Theorie und Praxis…

Ach der eine, das ist tatsächlich Oskar. Den habe ich schon letzte Woche bei der Busaufsicht als Drängler aus der Masse gefischt. Und da ist mich dieser kleine Kerl angegangen: „Ich habe ein Recht darauf, in den Bus zu steigen!“

Ihr kennt Frau Henner. Sie kann nun mal nicht aus zwei Metern Höhe mit tiefer Stimme auf den Jungen herunterdrohen. Oskar durfte also in den Bus einsteigen.

Als letzter.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Advertisements

4 Kommentare zu “SW 8: Frech wie Oskar”

  1. Sky? Moon? Echt jetzt? O_O
    In Deutschland? 😮

    Hat denen mal jemand die Namen übersetzt? Ich mein, als ich mal jung war, da wären dazu nur so Sprüche gekommen…

    Was die Fünfer betrifft, ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir die als Oberstufenschüler betrachtet haben. Nämlich haargenau so wie deine. Einerseits erstaunt angesichts ihrer Rücksichts- und Respektlosigkeit, andererseits als Persönlichkeiten noch nicht so gefestigt und selbstbewusst, da entschieden entgegenzutreten.
    Was, um den Bogen zu deinem Beitrag zu schlagen, sicherlich nicht verkehrt ist, denn bei so einem Auftreten wie dem von Oskar, da hätte man auch als Oberstufenschüler sofort die Eltern am Hals. 😦

    Und, unter uns, in solchen Situationen wünsche ich mir manchmal einfach die Möglichkeit, zu sagen: Nö, du steigst jetzt nicht in den Bus und wirst auch nicht vom SUV, pardon, den Eltern, abgeholt, sondern läufst heim und nutzt die Zeit, um nachzudenken.

    Gefällt 2 Personen

    1. Sky und Moon gibt es tatsächlich, ganz ohne Witz. Amy und Amber gibt es ja eh schon. Dafür gibt es bei uns auf dem Land wenig bzw. keine Konstantins und Friederikens. Dafür wird Justin langsam abgelöst von Damian, Darryl, Darren und anderen stark amerikanisierten Namen, dem Pendant zu Sky und Moon. Die Kinder wachsen aber viel selbstverständlicher mit diesen Namen auf, sodass die Witze sich im Rahmen halten, was im Grunde positiv ist.
      Und du hast natürlich recht, diesen Perspektivwechsel von Unterstufe zu Oberstufe den gab es schon immer. Trotzdem bin ich erstaunt, über die Respektlosigkeit mancher Unterstufenschüler. Wenn aber Oskar und Maxima tatsächlich zuhause wie Königskinder behandelt werden, erklärt sich das recht schnell. Und ja – Mama fährt SUV.

      Gefällt mir

  2. ehrlich? hier am bayerischen stadtgymnasium hätten kinder mit solchen namen kein schönes leben; gottseidank müssen wir es nicht herausfinden, da wir solche namen kaum haben. die schüler reagieren auf „michelle“, „kevin“ und co sehr fies. „du kevin“ ist sogar ein etabliertes schimpfwort in der unterstufe. da verstehen die annas, lenas, max‘ und moritz‘, antons usw. so gar keinen spaß. ich weiß auch nicht, ob das alles soviel besser ist…

    Gefällt mir

    1. Deinem letzten Gedanken schließe ich mich an… mein Kevin ist ein recht begabter Junge und auch Michelle zeigt immer deutlicher ihre Stärken. Zum Glück gibt es beide bei uns nicht als Schimpfbegriff! Wäre ja auch, wenn fast in jeder Klasse davon jeweils ein Kind hockt. Moritz, Lena und Max und Lisa auch, das sind die neuen Klassiker schlechthin und bedeuten bei uns nicht unbedingt Bildungsbürgertum. So unterschiedlich ist die Welt in Deutschland…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s