SW13: Lügt mich nicht an!

Liebe Leser,

nur noch eine Woche, dann starten wir alle in die nötigen Weihnachtsferien. Vorher gilt es noch eine Menge zu erledigen: diesmal möchte ich alle Korrekturen vom Tisch haben, damit der Erholungseffekt in den Ferien auch tatsächlich messbar ist. Dieses Ziel habe ich fast, aber noch nicht ganz geschafft. Dafür habe ich einige private Angelegenheiten vor dem Fest regeln können, immerhin etwas. Die Geschenke packe ich morgen ein, besorgt ist fast alles. Nur ein Geschenk bereitet mir noch Kopfzerbrechen: ich habe einen Neffen in der neunten Klasse, über den ich kaum etwas weiß, weil er ein ganz ein verschlossenes Kerlchen ist, kein Mainstream-Kind, das sich über irgend etwas Cooles freut, kein geselliges, das man zu einem Event einladen könnte… soll es etwas wieder auf Geld hinauslaufen? Schwieriges Thema, alle Jahre wieder…

Nicht wie alle Jahre war dafür dieses Jahr endlich einmal das Weihnachtskonzert, bei dem sich unsere Schüler wieder zu musikalischen Höhen aufgeschwungen haben, die es anhörbar machten, ein schöner Abend, der nur getrübt wurde von der Erkenntnis, wie wenig Kollegen zugegen waren, um einmal zu sehen, was unsere Schüler in ihrer Freizeit zustande bringen.

Der Lehrer-Elternsprechtag ist überstanden und die ersten pädagogischen Maßnahmen für dieses Schuljahr sind wieder in die Gänge gebracht. Adam und Keran haben sich endlich in der Hausaufgabenbetreuung angemeldet. Vielleicht ein Weg in die richtige Richtung. Nach anderthalb Jahren Mundfusseligredens. Aber wie heißt es: besser spät als nie.

Momentan bin ich also mit mir im Reinen. Neben viel Ärgerlichem, was ich nicht mehr an mich heranlasse, gab es viele kleine Lichtblicke, auf die ich mich konzentrieren mag. Nur eines möchte ich klarstellen, liebe Eltern: Hört auf mich anzulügen!

„Ich verstehe gar nicht, warum MEIN Sohn bei IHNEN das nicht hinkriegen soll. Zuhause kann er ALLES!“

„Aber in Englisch hatte Adam doch eine Zwei!“

„Meine Lina war in der Grundschule IMMER die Beste.“

Im ersten Fall ist Max in fast allen Fächern sehr mittelmäßig. Im zweiten Fall hatte Adam eine Fünf in Englisch und Lina noch nicht einmal eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium.

Liebe Eltern, wir Lehrer tauschen uns gegenseitig aus. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen – nicht von Eltern. Wir merken auch, wenn ein Kind Probleme in der Schule hat, die auf Grundlegendes zurückgehen. Mir persönlich ist es egal, ob ein Kind eine Grundschulempfehlung für das Gymnasium hatte, wenn es bei uns einigermaßen den Anschluss halten kann. Wenn es allerdings ständig überfordert ist, lasse ich mir den schwarzen Peter nicht von Ihnen in die Schuhe schieben. Außerdem verhindern Sie damit, dass wir Lehrer rechtzeitig geeignete Fördermaßnahmen ergreifen. Sie tun Ihrem Kind also keinen Gefallen, wenn Sie massiv darauf pochen, dass im Grunde alles in Ordnung sei und nur der einzelne Lehrer schuld habe. Lassen Sie uns lieber gemeinsam überlegen, welche Schritte eingeleitet werden müssen, damit Max, Adam und Lina Anschluss bekommen.

Lehrer werden – wie andere Menschen sicher auch – nicht gerne angelogen.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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9 Kommentare zu “SW13: Lügt mich nicht an!”

  1. Wie immer, wahre Worte!

    Ich drücke dir die Daumen, dass du die Korrekturen vor Weihnachten erledigt bekommst und wünsche schon jetzt ein frohes Fest und schöne Ferien! 🙂

    PS: Liest denn dein Neffe? Oder spielt er Video-/Brettspiele? Eventuell bekommst du ihn da gepackt?

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      1. Danke! 🙂

        Hm, ok, gut. Es wurden ja schon andere gute Ideen genannt. Bei Videospielen ist es natürlich schwer, weil du wahrscheinlich nicht seinen Geschmack kennst. Und es soll ja auch altersgerecht sein… Boah, das ist schwierig! 😮

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  2. Letztens auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken gesehen: Es gibt Pakete, die Kinder und Jugendliche (je nach Schwierigkeitsgrad) etwa ans Löten/E-Technik oder Programmieren heranführen. Ich hab da selbst wahnsinnig viel Spaß dran und hätte es gern früher ausprobieren können. Vielleicht wäre das ja auch was für deinen Neffen?

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      1. Vielleicht ne Einführung für ein rasp*berry* board? Da gibts Bücher für, die kleine Anregungen für Projekte geben. Und es ist super cool, mal ne eigene LED kette zum blinken zu bringen

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  3. Wie ich es hasse, angelogen zu werden. Allerdings nicht nur von Eltern, schlimm finde ich auch die Lügenmärchen der eigenen Kollegen. Ich glaube, darüber sollte ich mal was schreiben. Du hast mir gerade ein Anregung gegeben. Schöne Weihnachten, guten Rutsch und erholsame Ferien🎄, LG Ela☕

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