SW 19: Einen Gang zurück…

Liebe Leser,

das zweite Halbjahr schlaucht. Durch den neuen Stundenplan bin ich ganz schön am Ende. Ich habe nun mehr Unterricht, das ließ sich dieses Schuljahr nicht anders legen. Hohlstunden fallen weg, aber Hohlstunde kommt ja von Erholung! Zudem habe ich mir schlichtweg zu viel aufgehalst. Frau Henner sitzt in Arbeitskreisen, bereitet hier und dort Fachschaftskram vor, konferiert gefühlt ununterbrochen, offiziell und inoffiziell, privat passieren auch eine Menge Dinge, Klassengeschäfte müssten dringend erledigt werden und dann hat sie auch noch diese Referendarin…

Das tut mir nicht gut. Ich bekomme zu wenig Schlaf. Aber wenigstens am Abend will man dann doch mal etwas für sich tun… Da gucke ich dann Serien, hobbyiere, lese und unterhalte mich mit Herrn Henner. Nein, Stress ist das nicht. Ich hetzte nicht von einem zum anderen. Ich bin kein Workaholic. Aber es ist trotzdem einfach zu viel. Mein Kopf beschäftigt sich mit zu vielen Dingen gleichzeitig.

Ich plane Fördermöglichkeiten für meine Schwächsten und gleichzeitig bin ich mental schon wieder im Abitur. Ich lese Aufsätze zur Schreibentwicklung und muss längst die Elternbriefe fürs Schullandheim aufsetzen. Franziska muss für den Vorlesewettbewerb gecoacht werden und den kleinen Leo möchte ich gerne in die Vorschule begleiten. Ich bereite die Gesamtlehrerkonferenz vor, während der Fortbildungskatalog daneben liegt, weil der kleine Chef ihn mir quasi unter die Nase gehalten hat, ich solle doch endlich einmal ein Führungskräfteseminar belegen. Kann ich das zwischen Abitur und Schullandheim noch irgendwie reinquetschen? Ach ja, und die Rede von Frau Dr. Eisenmann? Wollte nicht die Grundschule Villa Kunterbunt noch ein Schreiben von mir? Warum antworten denn die nicht auf meine Mail? Aber halt, jetzt braucht erst einmal eine Freundin unsere Unterstützung…

Also macht Frau Henner einen Spaziergang, das tut immer gut. Im Kopf lege ich mir einen Plan zurecht. Schritt für Schritt, immer das nahe im Auge behalten und dabei nicht schon an das nächste denken. Und wenn die Referendarin eine unvorbereitete Stunde erlebt, dann weiß sie gleich mal, wie das Leben tickt.

Ich kann momentan meine Arbeit nicht minimieren, ich kann nicht die Sorgen und Nöte meines Umfeldes aufräumen oder abwiegeln, ich kann mich nicht lösen von den Dingen, die mich antreiben, aber ich kann bewusst sagen: Immer eines nach dem anderen!

Mal sehen, ob das funktioniert.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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3 Kommentare zu „SW 19: Einen Gang zurück…“

  1. Immer wieder tief durchatmen und gönne dir wenigstens zwischendurch 15 Minuten Pause.
    2017 scheint es in sich zu haben, egal wo man hinhört.

    Toll, dass du es trotzdem noch schaffst zu bloggen!

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  2. Das machst du ganz richtig, liebe Frau Henner. Wie sagte schon Beppo Straßenkehrer:

    „Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedes Mal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.

    Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst zu tun und zum Schluss ist man ganz außer Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem. So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, verstehst du?

    Man muss immer nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Dann macht es Freude; das ist wichtig, dann macht man seine Sache gut. Und so soll es sein.

    Auf einmal merkt man, dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat. Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist wichtig.“

    (Michael Ende, aus Momo)

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