Aller Anfang ist schwer

Liebe Leser,

die Sonne wärmt mir den Pelz, ich nutze den freien Nachmittag, um einfach einmal NICHTS zu tun. Dann habe ich plötzlich wieder Lust zum Bloggen – das erste Mal seit Wochen. Das heißt, es geht mir besser. Die Welt ist schon verflixt – aus den Augen eines Individuums betrachtet…

In den Sommerferien hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben anhaltende Schlafprobleme. Obwohl mich im Alltag nichts belastete, lag ich nachts sinnlos wach und hatte nicht einmal Sorgen, die ich hätte wälzen können. Bin ich dann doch eingeschlafen, plagten mich kuriose Schulträume. Und mir wurde bewusst, dass es in mir arbeitet, da kommt selbst mein Verstand nicht dagegen an. Erst die Sonne des Südens hat dieses Ungleichgewicht weggebrannt. Dauerhafte 35 Grad Celsius wirken Wunder!

Am letzten Tag des Urlaubs musste ich mich noch einmal vom Pool verabschieden und ich drehte eine Runde nach der anderen. Hin der Blick auf den Olivenhain, zurück der Blick auf das malerische Bergstädtchen, wieder hin Olivenhain, zurück Bergstädtchen, Olivenhain, Bergstädtchen… ich hätte ewig so weiter schwimmen können. Kein Drang, nach Hause zu fahren. Auch das war für mich neu. Dabei bin ich sonst so souverän – nun ja – nach außen zumindest.

Und dann die erste Schulwoche. Nun hatte man mich doch in eine Stadt versetzt, hier gibt es noch ein Gymnasium, sozusagen Konkurrenz, morgens muss ich mir nun selbst einen Parkplatz suchen und mit den Eltern konkurrieren, die ihre Kinder bis vor die Türe fahren und die Parkplätze besetzen, hundert neue Namen lernen und vor allem die Regeln UND die Gewohnheiten. Und die unterscheiden sich sehr.

An meiner neuen Schule gibt es Regeln – natürlich, aber es scheint Gewohnheit, dass man die nicht so ernst nimmt. Und Frau Henner hält sich natürlich an die Regeln der Hausordnung und wundert sich, warum die Schüler sich häufig nicht daran halten, aber das hier keinen stört.

Ich kann so nicht arbeiten, ich denke ernsthaft, dass junge Menschen ganz gerne Regeln haben, weil sie ihnen einen Rahmen geben. Also führt Frau Henner die Regeln ein, die es ja sowieso gibt. Einige Schüler murren, einige wollen verhandeln, andere strahlen mich an. Ja, nett sind die meisten Schüler schon. Und selbstbewusst…

In der Woche zwei habe ich mich dann schon etwas eingerichtet, den Müll meines Vorgängers entsorgt, Platz geschaffen im Fachkabinett und nebenbei festgestellt, dass die Oberstufenschüler nicht so feindselig waren, weil ich da stand, sondern weil sie das Fach hassen. Nachdem ich ihre Ordner im Fachkabinett gefunden und durchgeblättert habe, ahne ich, was ich da für einen Vorgänger hatte. Es gibt hier viel Arbeit…

Und dann kommt die zweite Woche und ich sehe Licht am Horizont. Erste nette Gespräche im Lehrerzimmer entwickeln sich, der Schulleiter ist unheimlich entgegenkommend, ich verstehe langsam das System und vor allem, die Schüler werden immer netter. Inzwischen sprechen sie mich mit Namen im Schulhaus an, lächeln und akzeptieren meine Regeln. Nun bin ich froh, dass ich nicht gleich in der ersten Woche gebloggt habe: da war ich ein paarmal nahe am Verzweifeln. Aber jetzt erscheint mir vieles in anderem Licht. Einzelne Schüler werde ich nicht kriegen, aber die Mehrheit. Es ist an dieser Schule auf alle Fälle anstrengender als an meinem Landgymnasium, aber ich packe das. Frau Henner hat sich gefangen, richtet das Krönchen und fängt an loszulegen. Auf in ein neues Schuljahr. Es wird spannend!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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10 Kommentare zu „Aller Anfang ist schwer“

  1. Du schreibst es im Titel: Aller Anfang ist schwer. Aber was ich lese, liest sich gut. Du bleibst deinen Prinzipien treu. Und das ist das Wichtigste. So überlebst du im Stadtdschungel und so wird es klappen, dass du dich einlebst. Und wenn du dich eingelebt hast, kannst du entscheiden, ob du bleiben magst. Wir drücken dir alle Däumchen aus dem Lehrercafe. Du schaffst das. Wir denken an dich. LG Alexa und Ela

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  2. Ich hab mich sehr gefreut wieder von dir zu lesen. Wie immer ehrlich, tiefgründig und ungeschönt.
    Deine neue Schule wird sehr schnell merken was sie an dir hat. Da kommt bestimmt viel positives Feedback seitens der Schüler.
    Das Leben in der Stadt ist einfach bunter und damit auch anstrengend. Da gewöhnst du dich aber sicher dran. Das erinnert einen daran wie sich die kids bei der Einschulung/ Wechsel weiterführende Schule fühlen😊

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  3. Liebe Frau Henner, schön, dass du wieder da bist! Ich hoffe, du findest nette Kollegen und dann im Laufe der nächsten Wochen deinen Platz in der neuen Stadtschule. Ein Neuanfang ist anstrengend, birgt aber viel Entfaltungsspielraum – hierfür wünsche ich dir viel Elan!

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  4. Wann immer ich in den letzten Wochen den Blog aufgerufen habe, stand noch der Beitrag „ein bewegender Abschied“ ganz oben. Und ich begann zu befürchten, dass damit nicht nur der Abschied von der alten Schule, sondern auch der Abschied vom Bloggen gemeint sein könnte. Umso schöner ist es, wieder etwas Neues zu lesen. Viel Glück an der neuen Schule – und nicht vergessen: Aller Anfang ist zwar schwer, aber jedem anfang wohnt auch ein zauber inne. 😉

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  5. 😀 Den Zauber suche ich noch… die menschliche Natur ist leider so gestrickt, dass die negativen Erfahrungen die positiven überdecken können. Also muss ich mir ganz bewusst die schöne Fahrt durch die herbstliche Landschaft ins Gedächtnis rufen – und nicht den Stau jeden Morgen kurz vorm Ziel, lieber an Julianes Strahlen denken als an Anastasias arroganten Schmollmund, mir vorhalten, wie viel ich in den ersten beiden Wochen schon aufgeräumt habe, als zu sehen, was da noch für ein Berg vor mir liegt. So ist das Leben nun mal – häufig ist es nur eine Frage, wie man die Dinge bewertet. Danke für eure Unterstützung!

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    1. Vielleicht solltest du auch immer mal wieder die älteren Blogeinträge lesen, in denen du geschrieben hast, warum ein Bleiben an der alten Schule nicht länger möglich war … Ich bin überzeugt, dass du diese neuen Herausforderungen meisterst und ich freue mich sehr, dass du uns hier im Blog weiter an deinen Erlebnissen und Gedanken teilhaben lässt:

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