Noch ein Anfang

Liebe Leser,

nicht nur ich bin in ein neues Schuljahr gestartet, sondern auch Lucy und Leo sind es. Während die Große inzwischen absolut routiniert ihren eigenen Kram macht, ist für den Kleinen alles neu, denn nun ist Leo ebenfalls ein Schulkind.

Jeden Morgen geht er hochmotiviert in die Schule bzw. wird gefahren (wir leben auf dem Land). Nach der Schule macht er gleich seine Hausaufgaben und, weil die momentan noch viel zu popelig sind und er in fünf Minuten fertig ist, verziert er dann auch gleich die Arbeitsblätter mit bunten Farben. Nach dem Mittagessen, geht er stolz auf sein Zimmer und sagt: „So, jetzt mache ich mal Freizeit!“ Es macht ihn so glücklich, endlich ein Schulkind zu sein. Ich freue mich.

Aber Konflikte bleiben natürlich nicht aus. Leo, ein ruhiges, ausgesprochen braves Kind, lernt nun in der Grundschule andere Verhaltensweisen kennen und probiert diese zuhause aus. Gleich mehrfach musste er in den letzten Wochen die Erfahrung machen, dass weder Frau noch Herr Henner das akzeptieren. Und wenn man etwas lauter mit Leo spricht, bricht er gleich in Tränen aus. Leo ist sehr dünnhäutig. Und seine Tränen gehen mir zu Herzen.

„Du warst ganz schön laut“, sage ich zu Herrn Henner am Abend im Bad, nachdem es beim Abendbrot zu einem solchen Konflikt gekommen war, „das war wirklich übertrieben.“

„Du“, antwortet Herr Henner verständnisvoll, „ich war einfach überrascht. So ist der kleine Leo doch sonst nie.“

Leos Kindergarten war recht streng, dafür kam er nie mit blöden Sprüchen und Schimpfwörtern nach Hause oder verweigerte sich, blödelte rum geschweigedenn wurde handgreiflich. Nun lernt er andere Sitten kennen. Eine Schule ist ein anderer Ort als ein Kindergarten, hier sind die Kinder nicht mehr dauerüberwacht und das ist richtig und wichtig. In der Hofpause verstecken sich die Jungen im Gebüsch, das hat mir Leo schon erzählt und mir sogar das Gebüsch gezeigt. Er pendelt zwischen Abnabeln und Nähesuchen. Er weiß zum Beispiel, dass ich das Verhalten seines neuen Freundes Marco schrecklich finde. Aber den weise ich nicht zurecht, sondern sage ihm nur, dass es in meiner Gegenwart keine Sch*wörter gibt. Dass der fremde Junge sich dabei großkotzig in den Schritt greift, versuche ich zu ignorieren. Wo wird er das wohl herhaben… Leo dreht auf, wenn er mit Marco zusammen ist. Ich kann nur hoffen, dass Leo nicht auch mit der Hand im Schritt johlend über den Schulhof rennt. Ach was, das würde nicht zu ihm passen.  Trotzdem, als wir wieder zu zweit sind, nehme ich mir den kleinen Leo zur Seite und spreche mit ihm darüber. Ich mache Marco weder schlecht, noch verbiete ich dem kleinen Leo den Umgang mit ihm, er soll nur wissen, dass man nicht alles nachmachen  darf. Und Leo weint. Schon wieder.

Leo muss neben Buchstaben und Zahlen eine ganze Menge lernen – am meisten wohl über andere Menschen.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

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2 Kommentare zu „Noch ein Anfang“

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