Archiv der Kategorie: Fehler

SW 29: Altersmilde

Liebe Leser,

zwischen Blitz und Donner des einen und des nächsten Frühlingsgewitters wagt sich Frau Henner nun doch einmal an den Computer. Das wechselhafte Wetter draußen verdirbt mir die Laune genauso wenig wie die vielen Abitursaufsätze, die es in diesen Wochen gerade zu korrigieren gilt. Und dies, obwohl die Korrekturzeiten diesmal extrem knapp sind.

Ja, in Deutschland befindet man sich auf den ersten, zaghaften Schritten hin Richtung Zentralabitur und daher müssen die Zeiten angeglichen werden, denn es gibt ja nun endlich einen gemeinsamen Pool, aus dem einzelne Aufgabenteile entnommen werden können. Diese vage Formulierung zeigt, dass dies noch alles sehr halbherzig geschieht. Wie sollte es auch anders sein, wenn wir nicht die gleichen Richtlinien für die Oberstufe in allen Bundesländern haben?!

Haben wir in Baden-Württemberg dieses Jahr etwas gemerkt? Nun ja, es war ein ausgesprochen mildes Abitur – heißt es aus den verschiedenen Fachschaften. Mathe bleibt da die Ausnahme, aber das hat wieder ganz andere Gründe.

Das einzige, was wir ansonsten merken, ist nur die knappe Korrekturzeit. Ansonsten ist alles wie immer. Aber nicht mit mir. Obwohl ich nun mehr unter Druck stehen sollte, korrigiere ich die Aufsätze mit einer inneren Gelassenheit durch, die ich noch vor wenigen Jahren so nicht gehabt hätte. Ich muss selbst in der Zweitkorrektur wahnsinnig viel anstreichen, weil der Erstkorrektor – mit Verlaub – einfach keine Ahnung von der deutschen Sprache zu haben scheint. Dabei geht es mir nicht um Spitzfindigkeiten in der Zeichensetzung, sondern um die ganz basalen Regeln der deutschen Orthografie und Grammatik. Einfachste Fehler werden übersehen, dafür völlig korrekte Schreibungen angestrichen. Ein dutzendmal schlage ich irritiert im Duden Wörter nach, deren Schreibung mit eigentlich bekannt ist. Aber wenn der Kollege das als Fehler markiert, werde ich unsicher.

Das Schöne dabei ist: es ärgert mich nicht – nicht die Bohne rege ich mich darüber auf. Ist das schon die einsetzende Altersmilde? Ich nehme einfach meinen grünen Fineliner und streiche den Fehler an, setze am Rand das entsprechende Kürzel und weiter geht die Chose.

Das Leben ist viel zu kurz für unnützen Ärger.

Liebe Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

SW 5: Der Vorhang

Liebe Leser,

mein Leben hat sich grundlegend geändert. Jetzt habe ich nachmittags so viel Zeit, dass ich wieder lese, töpfere und mir bunte Herbstrezepte ausdenke. Das tut der Seele gut. Lucy erzählt mir vor allem von ihren Freundinnen. Was im Unterricht bei den Kollegen abgeht, das erfahre ich nur am Rande, und das ist gut so. Manchmal gehen wir gemeinsam in den Stall, der mittlerweile auch zu einem wichtigen Lebenspunkt geworden ist. Gerade ist Oskar, das neue Kälbchen, geboren worden und wir sind alle ganz vernarrt in diesen verkuschelten Fratz. Es könnte alles so schön sein.

Wenn da nicht die lieben Kollegen wären.

Diese Woche ist wieder mal so eine verflixte, dass ich mir vorkomme wie im Irrenhaus. Ein neuer Vorhang wird installiert, weil der alte bald auseinanderfällt. Endlich wird es ein bisschen freundlicher und vielleicht auch hygienischer. Aber Fräulein Häuptchen dreht durch, als stünde morgen das Abitur ins Haus. Ihr Ton wird laut, als sie den Abteilungsleiter angeht, sie könne nicht noch mehr leisten. Dabei soll sie doch nur wegen des Anbringens des Vorhangs die Fensterbänke freiräumen. Schüler könnten ihr dabei helfen. Herr Albert erklärt mir hinter vorgehaltener Hand und mit bedeutungsschwerer Miene, warum die Farbe des neuen Vorhangs falsch ist und ein absolut unverzeihlicher Fehler der Schulleitung! Frau Mädelmann geht den kleinen Chef an, dass mit der Entfernung des alten Vorhangs nun auch wirklich alles Schöne aus dem Gebäude entfernt würde. Frau Weinstett macht eine Balla-balla-Bewegung in meine Richtung. Recht hat sie.

Und das ist nur eine Szene, den Rest erspare ich euch.

Gegen Ende der Woche sitze ich in trauter Runde mit dem kleinen Chef zusammen. „Wissen Sie was“, sagt er, „wenn das hier so weitergeht, hör‘ ich in zehn Jahren auf. Dann schmeiß ich alles hin und zieh‘ nach Frankreich. Rinder züchten oder Champignons.“ Kein bisschen Ironie schwingt da mit.

Die neue Kollegin lächelt schüchtern, dreht sich kurz um, ob auch niemand weiter im Lehrerzimmer lauschen kann und meint: „Ich habe das schon mitbekommen, hier ist alles… ein wenig altmodisch…“ Wahrscheinlich meint sie rückständig und traut sich nicht, es auch so zu nennen.

Frau Weinstett hingegen wirkt erstaunlich gelöst. Ich weiß jetzt, auch sie hat einen Versetzungsantrag eingereicht. Wohlgemerkt – wir sind erst in Schulwoche 5!

 

Viele Grüße aus Absurdistan von eurer Frau Henner

Seitenhiebe

Liebe Leser,

Lehrer sind auch nur Menschen und das heißt: selten perfekt. Selbst wenn sie sich bemühen, wie ich das durchaus von mir behaupte, machen sie Fehler, vernachlässigen mal eine Klasse, weil sie sich so mit den anderen herumschlagen, treffen nicht immer den richtigen Ton und Nerv der jungen Menschen. Die Schüler, die abgehen, haben das Recht – zum Glück! – in der Abizeitung ihren Lehrern mal so richtig die Meinung zu sagen. Wir wissen alle, dass sich genügend Frust angestaut hat und mancher eben mal raus muss. Klar, schreiben nicht immer die richtigen Personen die Artikel und es kommt auch hier wieder zu Ungerechtigkeiten und Verletzungen. Das ist die unschöne Seite einer Abizeitung. Im Grunde kann ein Lehrer zufrieden sein, wenn er halbwegs gut wegkommt. Recht machen kann man es eh nie jedem – das liegt im Wesen der Sache.

Natürlich weiß ich, dass Kollegin Christmann keinen guten Unterricht macht, dass aber sie allein so abgestraft wird, ist dann doch unfair, weil sie damit nicht die einzige ist, es aber jetzt so aussieht – für alle Welt in unserer kleinen Stadt schwarz auf weiß lesbar, ohne Möglichkeit eines Gegen-Statements. Ich bin mir sicher, dass Kollegin Christmann dieses Wochenende kein Auge zugemacht hat. Das nimmt keiner cool und gelassen. Besonders frappierend ist das Ganze, weil die anderen Lehrer fast alle über den grünen Klee gelobt wurden. Mann, hat unsere Schule viele tolle Lehrer! Alle so schlagfertig und fetziger Unterricht oder die Abiturvorbereitung war voll gut – beides zusammen gibt es eher selten. Die Schüler honorieren auf alle Fälle, wenn du als Lehrer Sprüche klopfen kannst. Am besten leicht unter der Gürtellinie und Harald-Schmidt-reif. Machst du dann noch passablen Unterricht, ist alles in Butter. Aus Schülersicht.

Keine Angst, Frau Henner spricht gerade nicht von sich selbst. Frau Henner kann Kollegin Christmann nicht mal besonders leiden, trotzdem empfinde ich… Mitleid? Schade auch, dass die größten Meckersäcke der Schule, die die Stimmung im Kollegium ganz bewusst vergiften, von den Schülern als total coole Lehrer so gelobt werden. In meinem Empfinden tut sich da eine Schere auf. Wenn die Schüler wüssten, wie die Lehrer so über sie herziehen, wäre es dann aus mit lustig? Warum verhalten sich eigentlich so gute Lehrer, die sie ja tatsächlich sind!, ihren Kollegen gegenüber so arschig? Was frustriert sie denn so, wenn sie doch guten Unterricht machen UND auch noch bombe bei den Schülern ankommen?

Ich fühle mich immer unwohler. Im Lehrerzimmer wird Gift versprüht und nach außen sind immer die anderen schuld. Jammern, Beschwerden, Intrigen und offene Hetze sind zum normalen Alltagselement geworden. Fällt denn niemandem auf, dass das so nicht weitergehen kann! Hier vermischen sich zwei Dinge, die ich eigentlich trennen sollte, es aber einfach nicht kann.

Frau Henner ist zufrieden mit ihrem Abizeitungsbericht – naja, der Artikel könnte etwas spritziger sein, aber wenn das das ist, was bei den Schülern hängen geblieben ist, auch in Ordnung. Nicht jeder ist zum Schriftsteller geboren. Ich ja auch nicht. (Neulich las ich den amüsanten Satz: „Blogs sind für Leute, die gerne schreiben, denen das aber keiner abkaufen will.“ Und da ist was dran.) Also mal wieder kein nobelpreisverdächtiger Text, aber inhaltlich alles in Butter und das, obwohl Frau Henner in diesem Jahrgang kein einziges Mal verbal zu Hochtouren auflaufen konnte, nicht einmal schlagfertig sein musste und konnte. Mein Neigungskurs war brav und bemüht. Geistreich wird es aber erst dann, wenn ein Kurs auch einmal anders denkt, frech fragt und nicht immer nur Ja und Amen sagt. Geistreich war dieser Kurs aber kein einziges Mal. Dafür nett und fleißig.

Jeder Jahrgang ist anders, jeder Kurs. Die Schüler vor zwei Jahren waren große Klasse, letztes Jahr gruselig lahm, dieses Jahr nett und langweilig, mal sehen, was nächstes Jahr kommt, bis jetzt sind sie nett und sehr still.

Aber es wird auch Zeit für Selbstkritik. Man kann schließlich nicht alles auf die Schüler schieben. Ich bin so mit den Neigungskursen beschäftigt, den hypochondrischen Fünftklässlern und deren Helikoptereltern, dass ich die Grundkurse in der Oberstufe nur so nebenbei laufen lasse. Wer da drin sitzt, muss in der Regel dieses Fach belegen, das Interesse hält sich jedoch meist in Grenzen. Es gibt Kurse, da kommt trotzdem eine gute Stimmung auf. In diesem Jahrgang hat das aber gar nicht geklappt. Da gab es die Wandreihe mit Mädels, die alle dabei waren, und die Fensterreihe mit den coolen Jungs, die einfach keinen Bock auf Arbeit hatten. Ihr Pech, dass ich sie trotzdem hab‘ arbeiten lassen. Mein Pech, dass sie mir das in der Abizeitung heimzahlen.

Alles halb so wild, ich verstehe den Seitenhieb ja, aber Frau Henner, wäre nicht Frau Henner, wenn sie sich nicht Gedanken über das Grundproblem machen würde: Wie schaffe ich es, dass Schüler im Grundkurs mit Null-Bock-Laune am Ende wenigstens nicht das Gefühl haben, völlig umsonst dagewesen zu sein? Kann ich das überhaupt schaffen? Oder muss ich dieses partielle Scheitern aushalten lernen? Was kann ich an meinem Unterricht ändern?

Schülernähe? Weggang von den Pflichtthemen? Mehr Filme zeigen? Mich mehr mit den coolen Schülern verbünden und öfter über Fußball, Autos und Sex reden?

Nee, lieber authentisch bleiben. Aber ich will natürlich trotzdem besser werden. Mich soll nicht jeder lieben – das wäre fatal – aber ich will auch den Grundkurs-Großmäulern das Gefühl geben, dass sie Unterricht mitgestalten können. Sie sollen spüren, dass es auch an ihnen liegt, ob Unterricht gelingt oder nicht.

Also macht Frau Henner eine Umfrage. Natürlich nicht mehr bei den Abiturienten, die sind jetzt endgültig weg. Die Organisation ihres Abgangs war eher mittelprächtig, aber es passte zum Jahrgang. Deshalb gab es auch im Blog weder über den Abiball noch über den Abigag etwas zu berichten. Aber die nächsten Abiturienten rücken ja bereits nach. Nach dem Abi ist vor dem Abi. Ich starte meine Umfrage einfach in der Jahrgangsstufe I. Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre in den Grundkursen – da sitzen auch viele, die keinen Bock haben – zwangsläufig – aber die Großmäuler regieren nicht. Es sind nette Kurse, wenn auch wenig geistreich… hier werde ich den Versuchsballon „Was soll Frau Henner am Unterricht verändern, damit er dem Schüler etwas bringt“ durchziehen. Ich bin sehr gespannt. Und netten Kursen kommt man doch auch gleich viel lieber entgegen, da habe ich auch Lust, etwas zu verändern, wenn mir die Veränderung sinnvoll erscheint.

Am liebsten würde ich gleich morgen früh alle Schüler zusammentrommeln… wie war das: Lieber auf neuen Wegen stolpern, aber als alten auf der Stelle treten?

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Nur eine Sekunde Unaufmerksamkeit…

Liebe Leser,

heute Morgen hätte ich beinahe ein Auto gerammt. Ein aus einer Seitenstraße kommender Wagen hat mir einfach mal so die Vorfahrt genommen. Aber durch das Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Autos habe ich frühzeitig gesehen, dass der Fahrer mit seinem Handy beschäftigt war, und antizipiert, dass er eventuell unaufmerksam ist. Also bin ich rechtzeitig in die Bremse gestiegen. Er hat zwar nach rechts und links geguckt, aber – von der Situation wahrscheinlich mental überfordert – entschieden, dass das locker reicht. Reichte es auch, weil ich gebremst habe. Ich bremse auch für Handyidioten.

Heute Mittag hätte ich beinahe ein Schulkind überfahren. Als ich mich dem Zebrastreifen näherte, stand rechts und links niemand. Wen ich nicht sehen konnte, war der Grundschüler, der auf dem gegenüberliegenden Fußweg hinter den parkenden Autos entlangradelte und dann für mich wie aus heiterem Himmel mit voller Kanne auf den Zebrastreifen fuhr. Es ist nichts passiert, meine Bremsen hatten ja schon den morgendlichen Test gut überstanden. Interessanterweise blickten mich die Passanten dann zornig an. Es nützt mir wenig, dass ich weiß, dass das Kind hätte am Zebrastreifen anhalten und absteigen müssen und dass dann gar keine gefährliche Situation entstanden wäre. Wer ein Kind anfährt, wird nicht mehr froh, Schuldfrage hin oder her.

Zweimal Glück gehabt, puh!

Im Auto mit dem Handy zu telefonieren, wird inzwischen als kleine Nachlässigkeit angesehen und hat sich eingebürgert wie Popeln im Dunkeln. Macht man natürlich nicht! Dass man selbst von einer Freisprechanlage abgelenkt wird, will schon gar keiner wissen. Und meistens geht es ja gut, weil die anderen aufmerksam waren.

Kinder machen Verkehrsschulungen und das ist extrem wichtig und trotzdem bleiben Kinder Kinder – sie sind unberechenbar. Und meistens passiert nichts, weil die anderen aufmerksam waren.

Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn der morgendliche Handyfahrer und der radelnde Grundschüler aufeinandergetroffen wären. Es geht nur um eine Sekunde – ein Sekunde Unaufmerksamkeit. Und aus einer kleinen Nachlässigkeit wird eine große Katastrophe.

Liebe Erwachsene, sprecht mit Kindern, die sich im Straßenverkehr falsch verhalten, sie müssen es erst lernen, sie ahnen meist gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben. Und liebe Erwachsene, lasst das verd*te Telefonieren im Auto. Es ist es nicht wert!

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Das Schullandheim – eine Bilanz

Liebe Leser,

heute, nachdem ich ausgeschlafen habe!, kann ich eine kurze Bilanz ziehen, die nötig ist, weil wir viele Fehler gemacht haben. Da man immer mit dem Positiven anfangen soll, aber erst einmal: es war wirklich schön („Mann, ist das ein Blick!“), es waren interessierte Kinder („Guck mal, wie ist denn dieser Bergsee entstanden, der ist doch voll rund?“), die Kinder mochten uns sehr („Herr Wolf, spielen Sie doch mit uns eine Runde Karten!“ „Frau Henner, ich weiß auch noch einen Witz… also…“), das Wetter war wunderbar, durch die Höhe und den Wind war die Wärme aushaltbar, es gab an einem Tag aufziehende Wolken, aber uns hat nie ein Regen erwischt, alle Wehwechen haben wir in den Griff bekommen, auch wenn wir einmal die professionelle Hilfe eines Arztes brauchten. Aber einige Probleme, und wir hatten derer genug!, waren unnütz, weil hausgemacht:

1. Die Sportlehrerin hatte im Alleingang die Planung übernommen, weil sie schon sooooooo oft dortgewesen war, und wir haben uns darauf verlassen. Sportlehrer sind sicher prima Lehrer für sportliche Klassen. Unsere Chaoten sind aber eher von der gemütlichen Fraktion, wie wir verwundert festgestellt haben. Ein Tag Pause mit einer nicht ganz so wilden, anstrengenden Aktion hätte ihnen so sehr gefallen, einen Tag nur in der Wildnis spielen, Hütten bauen, am Wasser planschen. Es sind noch Kinder, sie brauchen nicht jeden Tag volles Programm, sie schaffen sich in einer so anregenden Gegend ihr eigenes. Das will ich beim nächsten Mal gleich als Programmpunkt aufnehmen…

2. Die Sportlehrerin war recht hart, wenn es einem Kind nicht gut ging. „Die muss mit, das ist doch eh nichts weiter!“ Manche Kinder haben sich auch beim Wandern erholt. Andere haben sich den ganzen Tag mit Übelkeit durchs Gebirge geschleppt. Das ist für mich keine wirkliche Option. Aber die Sportlehrerin hatte insofern Recht, dass wir ein Kind nicht allein in der Jugendherberge lassen können. Was also tun?

Ich würde es mal damit versuchen: Es gar nicht erst zu massiven Übelkeiten kommen lassen. Schon am ersten Morgen fällt mir auf: viele Kinder haben keinen Sonnenschutz auf. Die Sportlehrerin formuliert dazu: „Also, wer von euch was mithat, dann wäre es schön, wenn ihr es aufsetzt.“ Sie selbst trägt nichts. Sonnenschutz ist ja eher was für Memmen. Und so formuliert haben die Jungs und Mädchen, die Wert auf einen coolen Style legen, natürlich gar nicht erst was mit.

Hochgebirge + ungewohnte Sonneneinstrahlung + Wind, der die Hitze kaum spürbar macht = ?

Richtig: Sonnenstich!

Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen, Fieber – alles hatten wir dabei, gerne auch in Kombination.

Pistorius, der ein uraltes Hütchen aufhat, schaut mich Sonnenhutträgerin an und raunt mir zu: „Also, das ich das gleich mal sage, mit dir würde ich gerne wieder ins Schullandheim fahren!“

Ich nicke und antworte: „Gerne, und dann gehen wir nicht los, ehe jeder was auf dem Kopf hat – und wenn es ein verknotetes T-Shirt ist.“

Jetzt nickt Pistorius.

Natürlich kann ich nicht alles auf die Sportlehrerin schieben. Ich ermahne meine Schülerchen zwar, aber ich bestehe auch nicht auf einer Kopfbedeckung. Viele haben nichts mit. Das stand zwar auf der Mitzunehmen-Liste, aber ich hätte im Vorfeld rigoroser darauf bestehen müssen. Ich kann nunmeine Klasse nicht zwingen, wenn die Paraklassen kopfbedeckungslos rumrennen.

Und überhaupt: es waren zuviele Kinder, das ist 3.: Mit allen drei sechsten Klassen, das war Wahnsinn! Das dynamisierte sich, zumal in der Jugendherberge noch mehr Klassen untergebracht waren, die auch alle Bedürfnisse hatten. Die Anzahl der Problemchen steigt mit der Anzahl der Kinder leider nicht linear. Drei Klassen sind fünffache Vorfälle – geschätzt. Also, mit fast hundert Kindern an einen Ort zu fahren, das war bequem, aber saublöd.

Also fahren wir das nächste Mal alleine oder höchstens mit einer Parallelklasse und wir planen gezielten auf die Bedürfnisse unserer Klasse und am besten fahren die Kollegen zusammen, die diesmal gemerkt haben, dass sie, was die grundsätzlichen Dinge anbelangt, gut harmonieren. Jetzt müssen wir nur noch ein neues, attraktives Ziel finden. Denn die Sportlehrerin will bestimmt wieder an diesen, durchaus geeigneten Platz fahren. Und eh wir uns streiten… Falls jemand wirklich gute Erfahrungen mit einer Jugendherberge im Süddeutschen Raum gemacht hat, ich bin offen für Tipps. Und auch für Vorwarnungen.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner