Archiv der Kategorie: Schulalltag

SW 21: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Liebe Leser,

morgen haben wir frei, da wird mit viel Alkohol und noch mehr Alkohol die Fastnacht gefeiert. Dementsprechend fröhlich geht es heute an den Bussen zu. Alle Schüler scheinen gleichzeitig aus zu haben. Und Frau Henner steht zwischen dem munter schnatternden Volk und passt auf.

Blöd für die Eltern, die gerne mit den SUVs gleich in den Busbuchten auf ihre Schützlinge warten wollten. Brav stellen sie sich trotzdem möglichst nah und deshalb idiotisch gegenüber auf – damit die blind herzulaufenden Kinder schön vor den einfahrenden Bus laufen und die Busfahrer, die Slalom fahren müssen, natürlich freundlich und aufmerksam bleiben, auf keinen Fall genervt! Das sind die wahren Momente des Lehrerlebens.

Plötzlich steht ein Mann vor mir und fragt allen Ernstes: „Haben Sie meine Tochter gesehen?“

Äh? Wieviel hundert Mädchen stehen um mich herum? Frau Henner lächelt milde: „Ich weiß gar nicht, wer Ihre Tochter ist.“

„Die Amelie Schäfer aus der 5b!“

Ach so, dass ich da nicht gleich darauf gekommen bin.

„Tut mir leid, ich unterrichte keine Fünfer…“, will ich sagen, da durchfährt mich der Blitz der Genialität. Dieser Mann, der so verpeilt ist, keine Perspektive wechseln kann und sich höchstwahrscheinlich für den Nabel der Welt hält, kann eigentlich nur ein Kind gleichen Kalibers zeugen. Biolehrer bitte weghören! Und wer fällt mir bei der Busaufsicht jede Woche von Neuem als verpeilt und egozentriert auf?  Ja, dieses kleine Mädchen, strohblond mit Zöpfchen und einer dicken schwarzen Brille.

Also frage ich den Vater: „Warten Sie, Ihre Tochter, ist das so eine Kleine mit Brille und blonden Zöpfen?“

„Ja, das ist meine Amelie“, erwidert der stolze Vater, der die Genialität meiner Schlussfolgerung nicht würdigt.

„Nun, die habe ich heute noch nicht gesehen“, antworte ich und verkneife mir: „Vielleicht steht sie mal wieder an der falschen Haltestelle oder ist noch mal reingerannt, weil sie ihr Mäppchen liegen lassen hat oder sich noch schnell ein Taschentuch auf der Mädchentoilette holen will, und heult dann, weil der Bus nicht gekommen sei, sonst habe sie ihn ja sehen müssen und überhaupt, warum kümmert sich die Welt nicht um Amelie Schäfer?!“

Die Busse fahren ein und nehmen das Schnattervolk mit. Der Vater steht immer noch da und fragt weiter: „Wo könnte meine Tochter denn sein?“

Hm, lassen Sie mich mal überlegen, ich muss als Lehrer nur meinen Röntgenblick aktivieren… „Vielleicht noch in der Schule?“, vermute ich. Ich würde es ja immer erst mit dem Naheliegenden probieren. Die Schule, das ist das große Gebäude da… Ich begleite den Papa lieber zum Schulhaus. Und wer kommt uns entgegengelaufen?

Amelie Schäfer aus der 5b, deren Namen ich jetzt kenne. Gut, dass der Papa sie abholt, denn die Busse sind längst weg. Überflüssig zu erwähnen, dass hier niemand danke sagt, weder Amelie zum Papa, noch der Papa zu mir. Auch nicht „Schönes Wochenende“ oder so, warum auch…

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner und schöne Fastnacht, schönen Fasching, Karneval oder wie das bei euch so heißt…

Der Stinker

Liebe Leser,

lange habe ich das ertragen, heute muss es raus, der Stinker ist kaum auszuhalten!

Jedes Kollegium kennt ihn, jeder hat als Schüler wohl mindestens einmal unter ihm gelitten. Ich selbst hatte in der Mittelstufe einen Klassenlehrer, der penetrant nach Zigarettenqualm stank. Schlimmer war jedoch die Mathelehrerin in der Oberstufe, die entweder mit dem Waschen oder dem Deodorieren auf Kriegsfuß stand – oder ein gesundheitliches Problem hatte. Denn es ist nun mal nicht völlig normal, sosehr nach Schweiß zu riechen, dass die Umwelt einen Bogen um einen macht. Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir in der Oberstufe selten die Lehrerin zum Erklären an den Platz gebeten haben, es war einfach unerträglich. Wenn sie vorne an der Tafel vorrechnete, war das in Ordnung, denn meine Freundinnen und ich, wir saßen letzte Reihe.

Im Lehrerzimmer kann ich dem Stinker leider nicht so gut aus dem Weg gehen. Wieder ist es ein Mathelehrer. Schlüsse ziehe ich nicht daraus. Er ist nett und etwas überkorrekt, deshalb möchte er keine Fehler machen. Gerne fragt er dann bei Frau Henner nach, wie man dieses oder jenes Formular auszufüllen hat, ob man dieses oder jenes beantragen muss, wer für dieses oder jenes zuständig ist. Dann kommt der Stinker gerne an Frau Henners Platz. Manchmal setzt er sich auch einfach hin und will nur quatschen.

Momentan ist es besonders schlimm, obwohl wir wegen des schönen Wetters alle Fenster im Lehrerzimmer aufreißen. Keiner traut sich, mit dem Stinker über sein Problem zu reden. Die Schüler überlegen, ob sie ihm als Wink mit dem Zaunspfahl ein Deo zum Schuljahresende schenken sollen – den gleichen Gedanken hatten wir in der Oberstufe auch. Wir hätten es als respektlos angesehen, unsere Mathelehrerin auf unser Leiden anzusprechen. Wir, dachten, dass muss sie doch selbst merken! Das denken wir im Kollegium auch. Das muss der Stinker doch merken! Aber er tut nichts dergleichen.

„Schau mal Lilo, ich bin mir nicht ganz sicher, aber dieser Schüler hier ist doch versetzungsgefährdet, oder?“

Ein kurzer Blick auf die Noten. „Der hat leider keine Chance“, sage ich.

Der Stinker geht. Sein Gestank bleibt.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Vorweihnachtsmilde

Liebe Leser,

 

ist es das schon weihnachtlich geschmückte Klassenzimmer oder sind es die zunehmend leuchtenden Kinderaugen, die mir meine eigene Klasse in einem Weichzeichner erscheinen lassen, als hätten sie alle einen kleinen Kerzenglorienschein um sich herum? Irre ich mich oder arbeiten die Kleinen plötzlich viel konzentrierter? Hat gar ein Reifeschub eingesetzt? Kein Murren, kein Maulen – sie geben sich Mühe.

Nun ist das alles keine Zauberei. Elif versteht immer noch wenig und Rike schusselt sich immer noch Rechtschreibfehler um Rechtschreibfehler ins Heft, Adam macht motiviert mit, aber er scheitert immer mal wieder an der Sprache. Und so entpuppt sich bei genauem Hinschauen vieles nur als Wunschbild.

Doch das ist mir momentan egal. Mit dem ersten Schnee kommt ein Gefühl der Mütterlichkeit. Ich muss die Kleinen schützen vor der rauen Welt dort draußen. Es ist doch meine Klasse und nun sehe ich langsam die ersten Knopsen wachsen. Bis zur Ernte der wohlverdienten Früchte mag es noch weit hin sein, aber ich freue mich ehrlich daran, dass die Schüler in den letzten Schulwochen tatsächlich etwas gelernt haben.

Hatten wir am Anfang einen großen Haufen LRS-Kandidaten, hat sich das nach einigen Wochen intensiven Übens relativiert. Natürlich wird es beim Diktat Tränen geben, aber das liegt eher am strengen Maßstab. Ein großer Sprung war da ohne Frage die Erkenntnis, dass ab jetzt die Rechtschreibung immer zählt. Plötzlich hat ein Großteil der Kinder besser geschrieben. Das war zum Teil also nur Faulheit nach dem Motto: Wieso soll ich meinen Kopf anstrengen, wenn das sowieso nicht zählt?

In den Grundschulen zählt die Rechtschreibung nur im Diktat. Wären die Deutschnoten ansonsten so grottig, wenn auch im Aufsatz die Rechtschreibung zu einem, wenn auch kleineren Teil einfließen würde? Zumindest ab Klasse vier? Ich kann das nicht einschätzen, gehe die Problematik nur von meinem Ende an. Deshalb bin ich dankbar für Rückmeldungen von Grundschulpädagogen.

 

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

 

Außenseiter

Liebe Leser,

ich hatte es geahnt, dass Rike wenig Freunde hat und auch Franca nicht zu den beliebtesten Kindern gehört. Adam stößt mit seinem Unverständnis, was sich täglich zeigt, auch viele Kinder ungewollt vor den Kopf und Vladimir spielt ganz absichtlich den Underdog und Jan den Klassenclown, was bei kaum einem auf Gegenliebe trifft. Aber warum ist Sven ebenfalls so unbeliebt? Und erst recht die stille Tabea? Und dann gibt es ja noch Elif und Keran und…

Frau Henner hat mal wieder ein Soziogramm angefertigt. Und die Ergebnisse sind frappierend. Nix mit Klassengemeinschaft. Nach sechs Wochen Schule sind meine Fünfer ein Haufen Einzelgänger geblieben. Und sie können ganz klar sagen, wen sie nicht mögen – und das sind viele und das wird auch von vielen bestätigt. Außenseiter über Außenseiter.

Ich frage mich, wie Rike und Vladimir und die anderen Außenseiter überhaupt noch ihre Füße auf den Boden bekommen können. Denn wie bei diesem Problem so oft der Fall, mögen sie sich untereinander auch nicht – also besteht nicht die kleine Chance, dass die vielen Außenseiter sich zusammentun und eine eigene Gruppe bilden könnten.

Nützt da überhaupt Ursachenforschung?

Ich schaue mir die Außenseiter genauer an. Jedes dieser Kinder weist eine Besonderheit auf. Eine seltsame Frisur, eine seltene Krankheit, lange Leitung, Gewaltbereitschaft, ständiges Augenrollen, Stummfisch-Syndrom, besondere Körpergröße… aber wenn ich mir die anderen Kinder anschaue, mein Gott, jeder hat doch irgendeine Besonderheit! Josefine ist dick und wird nicht abgelehnt, Mia sagt auch keinen Ton und gilt nicht als merkwürdig, Hendrik ist total verpeilt und wird dafür nicht abgestraft. Wieder einmal frage ich mich: was macht eigentlich ein Opfer zum Opfer? Und wie gelingt es anderen Kindern mühelos, beliebt zu sein, Freunde zu finden oder zumindest in der großen grauen Masse unbemerkt aufzugehen?

Ich bin froh, dass Lucy das kann. Sie findet immer Anschluss, streckt ihre Fühler mal hierhin mal dorthin. Das wird sie nicht verlieren, wenn sie erwachsen wird. Schon mal eine Sorge weniger. Denn, wäre ich Rikes Mama und wüsste um das vernichtende Urteil der Klassenkameraden, ich wäre unglücklich und könnte doch so wenig tun. Als Mutter hat man keinen Einfluss mehr in diesem Alter. Das muss Rike schon selbst klären. Aber wie?

Und jetzt komme ich wieder ins Spiel. Natürlich werde ich den Eltern nichts von dem Soziogramm sagen, das ist nur für mich als Arbeitsgrundlage. Ich habe nun Schwarz auf Weiß, dass ich ganz dringend etwas tun muss. Also sitzt Frau Henner am Wochenende da und kramt aus alten Ordnern Sozialspiele heraus. Vor einigen Jahren war ich da mal auf einer Weiterbildung. Endlich kann ich das wieder anwenden!

Obwohl… lieber wäre mir, es wäre nicht nötig.

Denn die Erfahrung hat mir gezeigt, ich kann Sozialspiele spielen, Selbstvertrauen aufbauen, Klassenrat abhalten, Sorgenkisten packen, warme Duschen regnen lassen… ein Außenseiter bleibt leider zu oft ein Außenseiter. Doch diesmal ist es besonders spannend. Ich hatte noch nie so viele Außenseiter in einer Klasse. Das ist eine völlig neue Erfahrung und vielleicht auch eine Chance.

Problem erkannt – jetzt heißt es, das Problem anzugehen.

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Was ist so verkehrt an Eselsbrücken?

Liebe Leser,

immer seltener berichte ich über Lucy und das ist gut so, denn es zeigt den normalen Lauf der Dinge. Kinder werden größer, gehen eigene Wege, brauchen weniger Unterstützung. Lucy bekommt einmal die Woche die Vokabeln abgefragt, ich erkundige mich höflich, ob es etwas Wichtiges in der Schule gibt, und den Rest macht sie selbst. Das funktioniert, weil Lucy ein sehr auf Eigenständigkeit bedachtes Wesen hat und durchaus genügend Selbstdisziplin aufbringt, auch bei den Fächern dranzubleiben, die ihr nicht zufallen. Sie überarbeitet sich dabei nicht, aber auch das halte ich für absolut altersgemäß. Lucy darf einen Großteil ihrer Energie in die Dinge stecken, die sie interessieren.

Hat das Kind eine Frage, darf es natürlich jederzeit kommen. Und jetzt hat sie eine. Rechnen mit negativen Zahlen. Naja, als Nicht-Mathelehrer rechne ich eher intuitiv und praktisch. Wenn ich Schulden habe und gewinne im Lotto, bin ich eventuell wieder schuldenfrei und das ist positiv. Wenn ich aber Schulden habe und es kommen noch mehr Schulden dazu, dann habe ich ein Problem in Form von noch mehr Schulden und das ist eindeutig negativ. Als Schüler hat man aber Rechenaufgaben: 11+(-17)=? oder -7-(-9)=?

„Plus und minus zusammen ergibt minus“, sage ich, weil es mir logisch erscheint, „und minus und minus ergibt plus, wenn sie so aufeinandertreffen. Musst du nur aufpassen, dass dahinter keine Punktrechnung kommt.“

Sicher, das ist wahrscheinlich völlig unmathematisch, weil Rechenzeichen nicht das gleiche sind wie Vorzeichen, aber ich erinnere mich dumpf, da als Kind mal eine Regel gelernt zu haben und irgendwie hat die auch funktioniert.

Lucy holt ihr Mathebuch und das Regelheft. Im Regelheft steht nichts zu diesem Problem. Und nach längerem Suchen finden wir im Mathebuch die verschrubelte Erklärung:

Addieren einer negativen Zahl ist dasselbe wie das Subtrahieren der Gegenzahl. Subtrahieren einer negativen Zahl ist dasselbe wie das Addieren der Gegenzahl.

„Ha!“, rufe ich, „Guck hier, hier steht es doch!“

Lucy guckt ungläubig mit ihrem Ich-verstehe-nur-Bahnhof-Blick. Und ich denke an meinen Adam und meine Elif in der fünften Klasse, die schon einfachste deutsche Sätze nicht verstehen. Meine Eselsbrücke ist nicht mathematisch, hilft aber beim Rechnen. Wir probieren die Rechnungen aus und tatsächlich 11+(-17) ergibt das gleiche wie 11-17 und -7-(-9) das gleiche wie -7+9, nämlich -6 im ersten und 2 im zweiten Fall. Lucy hat es verstanden und rechnet die nächste Aufgabenkolonne ohne Probleme.

Schade, dass ich dazu keine Bemerkung, Regel, Übungen in Lucys Unterlagen finde und das zwei Tage vor der Klassenarbeit. Ich sehe Herrn Trottier schon vor mir, wie er wieder sagt: „Also, entweder man kapiert das oder ich kann da auch nichts mehr helfen!“

Sicher, es geht in der Mathematik ums logische Denken und nicht um stures Rechnen. Was machen aber Kinder wie Adam und Elif, die schon ganz am Anfang abgehängt werden, weil sie keine Mama haben, die in der Lage ist, das Mathebuch durchzuforsten auf der Suche nach einer Erklärung? Im Deutschunterricht muss ich auch die Grammatik vereinfachen, damit sie verständlich wird. Es kommt dann darauf an, den schmalen Grat zu finden zwischen grammatisch noch nachvollziehbar, aber begrifflich vielleicht nicht ganz scharf und grammatisch richtig, aber zu kompliziert. Ich entscheide mich dann in der Klasse meist für das erste – weil es praktikabel ist, und erkläre das zweite nur den schlauen Kindern, die von sich aus noch eine höhere Stufe erklimmen können.

Aber Deutsch ist ja auch nicht Mathe…

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Raus aus der Routine – eine Bitte um Mithilfe!

Lieber Lehrerleser oder An-die-Schulzeit-Erinnerer,

Frau Henner hat eine Aufgabe, bei der ihr sie unterstützen könnt – das Internet muss ja auch zu etwas gut sein!

An unserer Schule gibt es wie wahrscheinlich überall Projekttage. Einmal raus aus dem Trott, Schule anders erleben… solche Gedanken stecken dahinter. Bei uns jedoch verlaufen die Projekttage so routiniert, dass sie für sich ein Trott geworden sind und wenig zu einer neuen Wahrnehmung der Schule beitragen. Wir haben halt drei Tage im Jahr, wo jeder Lehrer irgendetwas anbietet und die Schüler dann das machen müssen, wo sie einen Platz bekommen. Es gibt schöne, interessante Projekte und die immer wieder gleichen Projekte, die ein Kollege eben schon immer so macht. Und weil es so routiniert läuft und damit nicht viel Arbeit macht, wollen viele Kollegen daran auch ja nichts ändern.

Dabei könnte man so viel Spannendes, Neues machen, Schule wenigstens eine Woche lang anders denken…

Und jetzt seid ihr gefragt. Wenn die Projekttage an eurer Schule ein Erfolg sind und nicht so sang- und klanglos wie bei uns verlaufen, dann schreibt mir doch bitte, wie bei euch was funktioniert. Hier ein paar Leitfragen, die eher zur Anregung, als zur strikten Abarbeitung gedacht sind:

  • Welchen zeitlichen Rahmen habt ihr für Projekttage und wo im Schuljahr habt ihr sie verortet?
  • Welcher Leitgedanke steckt dahinter? Gibt es ein übergreifendes Motto/Thema?
  • Welche Vorgaben werden euch als Lehrer gemacht – was hat sich dabei als gut erwiesen?
  • Habt ihr eventuell ganz innovative Projekttage? (Wer mag, kann mir auch gerne einen Link zur Schulseite mitschicken, wenn sich dort gute Ideen finden.)
  • Wie werden die Ergebnisse bei euch präsentiert?
  • Was habt ihr selbst als Schüler als gewinnbringend erlebt?

Gerne auch weitere Tipps und Links und Anregungen und schon jetzt einmal vielen Dank euch allen!

Viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner

Misslungene Differenzierung

Liebe Leser,

nun habe ich meinem Neigungskurs schon einiges  beigebracht und sehe frohen Mutes dem Abitur entgegen – das wird schon! Es gibt ein paar, die schaffen locker den zweistelligen Bereich, ein paar „Einser“ erwarte ich eigentlich auch und ein paar werden im mittleren Bereich eine solide Leistung ablegen. Jeder, wie er kann, würde ich sagen. Auch meine beiden Sorgenkinder werden schon irgendwie durchkommen.

Nun hat es sich in den letzten Stunden ergeben, dass der Kurs in drei Gruppen arbeitet. Eine Gruppe habe ich zusammengestellt – das sind die Zugpferde, die sollen sich mit dem umfangreichsten Thema beschäftigen. Der Zufall hat die anderen Gruppen in gute und mittelmäßige Schüler geteilt. Das greife ich auf und gebe heute jeder Gruppe eine entsprechende Aufgabe.

Pillepalle, aber sinnvoll fürs Abi den Schwächeren, sie stellen aus vorhandenem Material eine Begriffesammlung zusammen.

Eine gut zu meisternde Aufgabe für die mittlere Gruppe, die in einer mündlichen Präsentation mündet.

Und die mit Herausforderung und Schreiben verbundene Aufgabe für die Blicker.

Ich bin richtig stolz auf meine spontane Idee zur Differenzierung. Jeder macht etwas, das ihn weiterbringt, und die Präsentation am Ende läuft nicht nach dem ewig gleichen Muster ab.

Die mittlere Gruppe wird mein Erfolgsmodell. Sie quatschen die ganze Stunde, fragen sich und mich intelligente Aspekte, diskutieren und notieren sich Wesentliches für eine mündliche Präsentation. Schön.

Bei den schwächeren Schülern ist es totenstill. Wenn ich vorbeigehe und wissen will, ob sie Hilfe brauchen, verneinen sie das. Am Ende erhalte ich die Begriffesammlung – allein, es ist keine sinnvolle Begriffesammlung! Sie waren trotz Material (in dem vom vorigen Jahrgang das Wesentliche sogar schon farbig markiert worden war) nicht in der Lage, den Kern der Aufgabe zu erkennen, geschweige denn sie zu lösen.

Und die starken Schüler? Die diskutieren anfänglich auch, notieren sich Sachverhalte und beginnen dann mit dem Schreiben. Aber sie sind ein wenig sauer: „Sind wir etwa die einzige Gruppe, die das jetzt schriftlich ausformulieren soll?“

Denn Schwachen hat jemand gefehlt, der sie auf den rechten Pfad bringt und auch antreibt, den Starken ging die Erkenntnis ab, dass zur sehr guten Leistung eben auch das Sich-Plagen gehört. Nur die mittlere Gruppe hatte neben dem Lernen auch noch einen gewissen Spaß-Faktor und ging zufrieden aus der Stunde.

Und was lernen wir daraus?

Differenzierung ist schwieriger, als man uns glauben machen will.

Schönes Wochenende und viele Grüße aus der Provinz von eurer Frau Henner